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Hausarztmodell-Versicherte tragen das Risiko
Aus Espresso vom 22.02.2021.
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Krankenkasse Teure Änderung: Wenn der Arzt nicht mehr im Hausarztmodell ist

Im Hausärzte-Modell der Helsana kann es sein, dass ein Arzt von der Hausärzte-Liste verschwindet. Die Prämie steigt.

Kürzlich bekam ein «Espresso»-Hörer schlechte Nachrichten: Seine Krankenkasse Helsana informierte ihn darüber, dass sein langjähriger Hausarzt nicht mehr auf der Helsana-Hausärzte-Liste sei. Die Konsequenz: Er muss sich einen neuen Hausarzt suchen – oder 13 Prozent mehr bezahlen.

Ein solcher Aufschlag geht für eine siebenköpfige Familie ziemlich ins Geld.
Autor: Familienvater

«Für uns kommt ein Hausarztwechsel nicht in Frage, wir würden lieber die Krankenkasse wechseln», sagt der Vater von fünf Kindern. Doch dies, sagt die Helsana-Mitarbeiterin, sei nicht möglich. Er könne nur ins Telefonmodell wechseln oder müsse ab April im Modell mit freier Arztwahl mehr Prämie bezahlen.

«Ein solcher Aufschlag geht für eine siebenköpfige Familie ziemlich ins Geld. Pro Jahr sind das mehrere hundert Franken», ärgert sich der Vater und schaut sich nach einer anderen Krankenkasse um: «Ich habe eine gefunden, die erst noch günstiger ist und bei der ich bei meinem Hausarzt bleiben kann.» Doch als er das der Helsana vorschlägt, winkt diese ab. Ein Kassenwechsel sei erst Ende Jahr möglich.

Wann ein Krankenkassenwechsel auf den 1. Juli möglich ist:

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Grundsätzlich kann man die Krankenkasse Ende Jahr wechseln. Unter bestimmten Bedingungen ist auch ein Wechsel per 1. Juli möglich. Wechseln kann aber nur, wer eine «normale» Grundversicherung abgeschlossen hat, also ohne Hausarzt-, Telefon- oder HMO-Modell hat. Zudem muss die Franchise bei 300 Franken sein. Wer eine höhere Franchise hat, kann ebenfalls nicht wechseln. Wichtig: Wer die Kasse auf Mitte Jahr wechseln möchte, der muss bis 31. März kündigen.

Das Kleingedruckte verunmöglicht Kassenwechsel

Auf Nachfrage des SRF-Konsumentenmagazins «Espresso» verweist Helsana-Mediensprecherin Dragana Glavic aufs Kleingedruckte: «Mit der Wahl des Hausarztmodells Benefit Plus haben sich die Versicherten auch mit den Versicherungsbedingungen einverstanden erklärt. Diese sehen vor, dass Helsana das Hausarztmodell aufheben kann, wenn ein Arzt aus dem Versorgungssystem ausscheidet.»

Weiter sagt Glavic, dass es auf der Hausärzteliste immer wieder Änderungen gebe: «Ärzte werden pensioniert oder geben die Praxis auf.» In seltenen Fällen könne es auch sein, dass sich ein Arzt nicht an die Qualitätsrichtlinien halte und darum von der Liste gestrichen werden müsse.

Zu dem Qualitätsrichtlinien gehört beispielsweise, dass ein Hausarzt nicht überhöhte Kosten verrechnen darf. Warum der Hausarzt des Hörers nicht mehr auf der Helsana-Hausarztliste steht, bleibt offen.

Ein häufiger Grund ist aber, dass die betroffenen Ärzte überhöhte Kosten verrechnen. Der Krankenkassenverband Santésuisse prüft nämlich jedes Jahr, ob alle der rund 18’000 freischaffenden Ärzte nicht zu viel abrechnen. Liegt ein Arzt massiv über dem Durchschnitt, muss er diese Abweichung erklären. Im schlimmsten Fall droht ein Gerichtsverfahren.

Die Krankenkassen sind frei, wen sie auf der Hausärzteliste führen. Damit tragen die Versicherten ein gewisses Risiko.
Autor: Morena Hostettler SochaOmbudsfrau Krankenversicherung

Kein ausserordentliches Kündigungsrecht

Für den «Espresso»-Hörer bleibt die ganze Sache ärgerlich: Weil er weiter zu seinem Hausarzt gehen will, muss er ins teurere Standardmodell der Grundversicherung wechseln. Ein ausserordentliches Kündigungsrecht habe er jedoch nicht, bestätigt Morena Hostettler Socha, Ombudsfrau Krankenversicherung: «Die Krankenkassen sind frei, wen sie auf der Hausärzteliste führen. Damit tragen die Versicherten ein gewisses Risiko. Wenn ein Hausarzt nicht mehr auf der Liste steht, müssen sie in die teurere Standard-Grundversicherung mit freier Arztwahl wechseln.»

Espresso, 22.02.2021, 08:13 Uhr

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26 Kommentare

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  • Kommentar von alfred maurer  (zeitgeist)
    gezielt werden kunden übers kleingedruckte reingelegt. hausarztmodel, wer denkt da an die aerzte der kassen. kassenarztmodel wäre weniger trügerisch. jetzt brauchen wir dann bald auch für den abschluss einer krankenkasse juristen. höchste zeit für eine einheitskasse.
  • Kommentar von Hans Fürer  (Hans F.)
    Unser Parlament hätte niemals ein Gesetz einführen sollen, mit dem die Krankenkassen ein Hausarztmodell kurzfristig annullieren dürfen, während die Prämienzahler die Krankenkasse nur auf Ende Jahr wechseln können. Umgekehrt sollte man in so einem Fall, statt über den Prämienaufschlag zu jammern, bereit sein, den Arzt zu wechseln, wenn der aus dem Hausarztmodell geworfen wird, was bestimmt seinen guten Grund hat.
    1. Antwort von Werner Gürr  (FrMu)
      Herr Fürer - da haben sie natürlich recht. Allerdings muss man sagen, dass die gesamte obligatorische KV, ein System in welchem der Staat befiehlt, aber die Privaten ausführen dürfen und wehe dem, der nicht spurt, niemals in dieser Art hätte eingeführt werden dürfen. Da ist ein Trickli wie das obige nur die Spitze des Eisbergs.
  • Kommentar von Peter Zuber  (Hä nuuh)
    Das wirklich wichtige, das heisst warum dieser Arzt wirklich von der Liste geflogen ist wird leider nicht genannt.
    Also spekulativer statt inverstigativer Journslismus.
    Liebes SRF, könnt ihr das nicht den Stümpern von 20Min und Co. überlassen, eigentlich seid ihr nämlich sonst ganz gut.
    Etwas linkslastig aber das geht in der heutigen Zeit völlig in Ordnung.
    1. Antwort von Marianna Stucki  (Mariannas)
      Warum Linkslastig? Was hat der Beitrag mit Links oder Rechts zu tun?