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Elektronisches Patientendossier im Aargau
Aus Tagesschau vom 05.04.2021.
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Kritik von Ärzten Digitales Patientendossier – veraltet, bevor überhaupt eingeführt

Nach jahrzehntelangen Geburtswehen sollen im Mai die ersten elektronischen Patientendossiers ausgestellt werden. Doch schon jetzt sei das Patientendossier heillos veraltet, kritisieren Ärzteverbände.

Es ist eine frohe Botschaft: «Wir werden Anfang Mai erstmals die Eröffnung von elektronischen Patientendossiers ermöglichen können», sagt Adrian Schmid, Leiter von E-Health Suisse.

In diesem Jahr soll es in den ersten Kantonen wie Aargau oder Graubünden losgehen, nachdem Politik und Gesundheitswesen bereits seit 2007 an der Digitalisierung von Patientendossiers herumdoktern. Doch noch bevor der erste Patient seine Gesundheitsdaten abgespeichert hat, hagelt es schon Kritik. «Das elektronische Patientendossier in der jetzigen Form ist hoffnungslos veraltet», sagt etwa Yvonne Gilli, Präsidentin des Berufsverbandes der Schweizerischen Ärztinnen und Ärzte FMH. «Es ist im Moment nicht mehr als ein Ablageordner für PDFs.»

Eine Wüste von Dokumenten

Auch der Präsident der Haus- und Kinderärzte Schweiz mfe bläst ins selbe Horn. «Bis jetzt ist es eine einfache Datensammlung», sagt Philippe Luchsinger, Präsident von mfe. «Eine Wüste von vielen Dokumenten, in denen der Arzt sehr viel Zeit braucht, um zu finden, was er braucht.» Die Ärzte möchten deutlich mehr.

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Aus dem Archiv: Elektronisches Patientendossier – darum geht's
Aus ECO vom 16.09.2019.
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Ein Wunsch der Ärzte wäre etwa, dass das Patientendossier den Medikationsprozess vereinfacht: So könnte das Tool etwa zur Verschreibung rezeptpflichtiger Medikamente dienen – in der Apotheke fiele das Vorweisen eines Zettels weg. Wechselt der Patient den Arzt, könnte auch der nächste sehen, von welchem Medikament wie viel verabreicht wurde. Und über die Software könnte der Arzt auch gleich auftretende Nebenwirkungen an die Behörden melden.

Auch in der Corona-Pandemie wäre ein funktionierendes, ausgebautes Patientendossier nützlich gewesen: Der Impfpass hätte im Dossier gespeichert werden können. Eventuell auch ein Impfzertifikat für Auslandreisen. All dies wird – zumindest zu Beginn – nicht möglich sein.

Nur Kosten und wenig Nutzen?

Trotzdem: Für die Patientinnen und Patienten bringt das E-Patientendossier klare Vorteile. Sie haben neu die Möglichkeit, persönliche Gesundheitsdaten wie Röntgenbilder oder Arztberichte an einem zentralen Ort zu speichern und können selber bestimmen, wer darauf Zugriff hat.

Für die Ärztinnen und Ärzte und das Gesundheitswesen ist der Nutzen des E-Patientendossiers in der heutigen Form aber noch unklar. Laut den Ärzteverbänden liegen die Nachteile hingegen auf der Hand. Heute funktioniert noch jede dritte Arztpraxis mit papierenen Patientendossiers. Um die Aktenschränke voller Papier-Register ins digitale System zu tippen und die Computer-Infrastruktur fit zu machen, entstehen Kosten von mehreren zehntausend Franken pro Praxis.

Die Digitalisierung ist im Gesundheitsbereich absolut im Steinzeitalter
Autor: Damian MüllerMitglied der Gesundheitskommission im Ständerat

Trotzdem werden die Ärzte nicht drum herumkommen, das elektronische Dossier anzubieten. Denn nach dem Nationalrat hat in der Frühlingssession auch der Ständerat den Ärzten ein Obligatorium aufs Auge gedrückt – dagegen hatten sie sich immer gewehrt.

Angesichts der Corona-Pandemie drängt die Politik nun vorwärts. «Die Digitalisierung ist im Gesundheitsbereich absolut im Steinzeitalter», sagt Damian Müller, Mitglied der Gesundheitskommission des Ständerates. Diese plädiert ebenfalls dafür, dass das elektronische Patientendossier rasch zu einer Plattform für Ärzte ausgebaut wird. «Es kann nicht sein, dass das neue Patientendossier nur eine PDF-Ablage ist.» Baldige Updates oder gar ein neues System sind absehbar.

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Tagesschau, 05.04.2021, 13 Uhr

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Stefan Gisler  (GiJaBra)
    Hätte der Bund und Organisationen gemerkt dass man ein solches Vorhaben (wie das seit ein paar Jahren schon Standart ist) agil entwickelt hätte man heute bereits eine funktionierende Lösung auf der aufgebaut werden kann. Aber in diesen veralteten Strukturen und verslteten Denkweisen von Bund, Krannkenkassen, Ärzteorganisatoren scheint das nicht möglich. Ein weiterer Beweis dass der Bund nicht die Fähigkeit dazu hat, so etwas zu führen, planen und umzusetzen.
  • Kommentar von Werner Vetterli  (KlingWe)
    Die Ärzte sind gut organisiert. Sie haben hoffentlich nicht einfach auf eine Lösung gewartet. Aktive Mitarbeit bringt entschieden mehr, wie nachträgliche Ablehnung.
  • Kommentar von Jörg Kaufmann  (jka)
    Der technologische Wandel in den letzten Jahrzehnten liess viele Systeme schnell veralten, teils bevor sie sich etablieren konnten. Mit einem elekronischen Dossier wäre es nicht anders gewesen. Wenn irgendo bereits ein solches existert heisst das nicht, dass es gut ist. Allerdings, mal digitalisiert lassen sich Daten besser verarbeiten und portieren.
    Man muss jetzt damit anfangen! Der Zeitpunkt ist gut. Speicherplatz und elektronische Hilfsmittel günstig, Personal meistens Digital-affin.