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Landwirtschaft in Kriegszeiten Syngenta-Chef fordert wegen Nahrungskrise Abkehr von Bio

  • Der Chef des Agrarkonzerns Syngenta hat angesichts einer drohenden Nahrungskrise eine Abkehr vom Biolandbau gefordert.
  • Reiche Länder stünden in der Pflicht, ihre Agrarproduktion zu erhöhen, um eine weltweite Hungerkrise zu verhindern, ist Erik Fyrwald überzeugt.
  • Die Erträge im Biolandbau könnten je nach Produkt um bis zu 50 Prozent tiefer ausfallen, sagt der 62-jährige US-Manager von Syngenta, einer Tochter der chinesischen ChemChina.
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Archiv: Weizenknappheit im Nahen Osten wegen des Ukraine-Kriegs
Aus Tagesschau vom 11.03.2022.
abspielen. Laufzeit 2 Minuten 42 Sekunden.

Der Biolandbau fördere den Landverbrauch, weil er grössere Flächen benötige, sagt Fyrwald in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag». «Bio schade auch dem Klima, weil die Äcker in der Regel gepflügt würden, was den CO2-Ausstoss erhöhe», behauptet er. Klimavorteile der Bio-Landwirtschaft sind der verringerte Düngemittel-Einsatz. Das Thünen-Institut zeigt, dass direkte Stickstoff-Emissionen wie Lachgas oder CO2 bei Biobauern niedriger sind. Experten wie Marco Springmann von der Oxford University sind sich zudem einig, dass vor allem ein reduzierter Konsum von Fleisch und Milchprodukten den CO2-Ausstoss in der Landwirtschaft verringern würde.

Syngenta: Nummer eins auf Pestizidmarkt

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Syngenta ist weltweit die Nummer eins auf dem Pestizidmarkt. Das Unternehmen verkauft auch hochumstrittene Substanzen wie Paraquat, Glyphosat, Lambda-Cyhalothrin und Atrazin.

Dass Fyrwald und Syngenta den Biolandbau aus Konzerninteressen bekämpfen, bestritt er im Interview. «Die ganze Branche erzielt mit Bio hohe Gewinne, weil die Konsumenten bereit sind, viel dafür zu zahlen.»

Die Leute sollen nach Ansicht von Fyrwald biologisch produzierte Produkte kaufen dürfen, wenn sie dies wollten, aber die Regierungen sollten darauf pochen, dass die Ertragsverluste nicht derart gross sind. Die EU-Landwirtschaftspolitik strebt demnach einen Bioanteil von 25 Prozent an. In der Schweiz beträgt der Marktanteil 11 Prozent.

Ukraine ernährte 400 Millionen Menschen

Fyrwald plädiert für einen dritten Weg in der Landwirtschaft, also weder nur konventionell noch rein biologisch. Sein Konzept der sogenannten «regenerativen Landwirtschaft» übernimmt vom Biolandbau die Fruchtfolge und setzt gleichzeitig auf «gezielten Pestizideinsatz» und Genom-Editierung, um die Erträge zu steigern.

Der Syngenta-Chef sieht eine grosse Gefahr für eine weltweite Ernährungskrise. Bereits vor dem Ukraine-Krieg seien die Preise für Mais, Soja und Getreide wegen Covid-19 und Wetterextremen gestiegen. Es habe eine Dürre in Südamerika und im Westen der USA gegeben, gleichzeitig sei es im Mittleren Westen kalt und nass gewesen. Zudem leide Indien unter einer Rekordhitze. Nun komme der Krieg in der Ukraine dazu, sagte Fyrwald. Die Ukraine ernähre 400 Millionen Menschen. Das UNO-Welternährungsprogramm decke den Bedarf von 125 Millionen Menschen, die Hälfte des Getreides komme aus der Ukraine. Dieses falle nun weg.

SRF 4 News, 8.5.22, 14 Uhr;

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100 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Liebe Community, wir schliessen die Debatte an diesem Punkt und wünschen eine gute Nacht! Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von René Balli  (René Balli)
    Es braucht ganz genau mehr Bio und viel weniger Syngenta!
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ René Balli: Und viel weniger Fleisch. Sonst ist Bio nicht globalisierbar.
    2. Antwort von René Balli  (René Balli)
      @Thomas Leu: Absolut, der Fleischkonsum muss drastisch zurück gehen, auch wegen dem Klima!
    3. Antwort von Maria Müller  (Mmueller)
      Der Konsument entscheidet, wieviel Bio in der CH gegessen wird.
      Kauft den Bio-Bauern die Gestelle leer und sie werden immer mehr davon anbieten.

      Aber kaufen Hr./Fr. Schweizer es?
  • Kommentar von Anita Rusterholz  (Anita Rusterholz)
    Ich empfinde Rage zu lesen... Syngenta-Chef sieht unsere Landwirtschaft im Gedeihen deren Vergiftung. So weit kommt es noch- beschämend ein solches Gedankengut!
    1. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Dummerweise für Sie hat er inhaltlich in seiner Aussage, dass die Biolandwirtschaft mehr Flächenverbrauch und weniger Ertrag bedeutet schlicht und ergreifend Recht, dem ist tatsächlich so. An sich ist das auch nicht negativ, allerdings ist es eben so, dass diese Fakten die Heileweltansicht gewisser, eher unbedarfter Mitmenschen stört! Deren einfache Welten funktionieren dann nicht mehr ....
    2. Antwort von Werner Gerber  (1Berliner)
      Herr Lang, im Gegenteil, Ihre Welt scheint doch recht einfach zu sein. Lassen Sie sich mal von einem modernen Ökobauern etwas von nachhaltiger Landwirtschaft erklären.
    3. Antwort von Anita Rusterholz  (Anita Rusterholz)
      @Ueli Lang: Die Chemie hat die Böden in der Landwirtschaft verändert. Notwendige
      Nährstoffe fehlen vermehrt. Ende mechanisierte Landwirtschaft! Bio Demeter Bauern arbeiten innovativ und leisten gewichtige Beiträge zur Erhaltung der Permakultur. Ohne Insekten keine Nahrung.
    4. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      @W.Gerber&A.Rusterholz
      An der Tatsache, dass der Ertrag pro Flächeneinheit bei Biolandwirtschaft kleiner ist, kommt niemand vorbei. Abgesehen davon zeigt der Umgang mit dieser Tatsache nur, wie landwirtschafts- und letztendlich bildungsfern gewisse Kreise sind! Daran ist nämlich an sich nichts schlechtes - gerade in der Schweiz wollen wir das ja! Die andere Frage ist aber, wer denn die in der Schweiz nicht produzierbare Nahrungsmenge wie (Demeter, Bio ..) herstellt,ist damit nicht beantwortet.