Zum Inhalt springen

Header

Audio
Grosshandel weist eine Tonne Erdbeeren zurück.
Aus Espresso vom 09.07.2019.
abspielen. Laufzeit 05:48 Minuten.
Inhalt

Lebensmittel-Verschwendung Eine Tonne Erdbeeren ist gerettet

Ein Emmentaler Bauer bleibt auf einer Tonne Erdbeeren sitzen. Der Handel will ihm die Ernte nicht abkaufen, die Beeren seien zu wenig homogen. Doch es gibt eine Lösung.

Im Zusammenhang mit der Hitzewelle im Juni seien die Erdbeeren zu reif und zu wenig homogen. So begründete der Grosshändler, der mehrere Grossverteiler beliefert, die Abfuhr. Erdbeeren-Produzent Bruno Spycher aus dem Emmental bleibt auf einer Tonne unverkaufter Erdbeeren sitzen. Er versteht die Welt nicht mehr: «Dass meine Ernte auf Null abgeklemmt wurde, habe ich noch nie erlebt!» Bauer Bruno Spycher kann die Beeren nun entweder vernichten oder in die Biogas-Anlage bringen. Ein finanzielles Desaster.

Leute stehen an
Legende: Dank der Internet-Aktion konnten die Beeren noch unter die Leute gebracht werden. SRF

Hilfe kommt aus Zürich

Der Emmentaler Bauer erhält aber Unterstützung, und zwar vom Verein «Grassrooted». Dieser wehrt sich schon seit Jahren gegen Foodwaste. Via soziale Medien finden sich innert Stunden Interessenten für die Erdbeeren. Die Tonne ist schnell verkauft. Mehr als die Hälfte des Verkaufserlöses geht an den Erdbeer-Bauern.

Erdbeeren in einer Kiste auf einem Fahrrad.
Legende: Für den Grosshandel sind die Beeren des Bauern zu wenig homogen, doch es haben sich zahlreiche Abnehmer gefunden. SRF

Der Schweizer Obstverband spricht gegenüber «Espresso» von einem Einzelfall. Dieser Einschätzung widerspricht Dominik Waser, Initiant von «Grassrooted»: «Es ist alltäglich, dass Früchte und Gemüse aus irgendwelchen Gründen nicht abgenommen werden.» Weitere Aktionen um die Vernichtung von Lebensmitteln zu verhindern, seien so gut wie sicher. Viel besser wäre es aber, wenn man solche Früchte zum Beispiel zu Konfitüre, Joghurt oder Glacé verarbeiten würde, statt sie wegzuwerfen.

Grössere Marge auf Import-Erdbeeren

Bauer Bruno Spycher erklärt sich die Ablehnung seiner Ernte mit den höheren Handelsmargen auf importierten Erdbeeren. Die Schweizer Bauern könnten nicht so günstig produzieren wie ausländische Produzenten. Deshalb setzten die Händler vermehrt auf ausländische Erdbeeren, kritisiert Spycher.

Marc Wermelinger von Swisscofel, der Branchenorganisation der Gemüse- und Früchtehändler relativiert: «Importe sind riskanter und umständlicher als der Einkauf im Inland. Zudem wünschen die Kunden Schweizer Erdbeeren.» In diesem Fall sei es aber in erster Linie um das äussere Erscheinungsbild von Spychers Erdbeeren gegangen. Der Konsument bevorzuge einfach Früchte, die schön aussehen: «Sonst weichen sie auf andere Produkte aus.» Er habe deshalb Verständnis dafür, dass der Grosshändler diese Erdbeeren zurückgewiesen habe.

Wer bestimmt die Importmengen für Erdbeeren?

Box aufklappenBox zuklappen

Die Schweizer Erdbeeren haben Vorrang. Die CH-Produktion ist in der Regel mit Zöllen auf Import-Erdbeeren geschützt. Die ausländischen Erdbeeren sind für den Handel ca. 25 Prozent günstiger im Einkauf. Kann die CH-Produktion die Nachfrage nicht mehr decken, werden die Grenzen für die ausländischen Beeren geöffnet. Marc Wermelinger, Geschäftsführer von Swisscofel, der Branchenorganisation der Gemüse- und Früchtehändler, erklärt den Ablauf im nachfolgenden Audio.

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

65 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Pascal Millischer  (Pascal Millischer)
    Ich wette Grosshandel wurde nicht an pranger gesstell und namentlich bloss gestellt....
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Peter Heckendorn  (Heck)
    Man kann es nicht oft genug wiederholen: Das Problem ist der Konsument selbst. So lange er für die Nahrung möglichst wenig Geld ausgeben möchte, damit es für Ferien im fernen Ausland und für das schicke Auto reicht, so lange liefert der Grossverteiler eben die günstigsten Produkte. Qualität hat leider ihren Preis und man kann es dem Grossverteiler nicht verübeln, wenn er das anbietet, was leider die grosse Mehrheit der Konsumenten auch kauft. Nämlich das günstigste Produkt.
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Der Konsumet ist kein Idiot. Er weiss längst, dass die hiesige Agrarmaffia ihn qualitativ betrügt. Viele einheimische Angebote halten nicht nur dem Preisvergleich, sondern vor allem dem Qualitätsvergleich mit ausländischen Agrarproduktena auf der ganzen Linie inkl Bio nicht stand. Der Konsument bezahlt mit Steuern Subventionen und anschliessend soll er noch einmal massiv mehr für miese Ware bezahlen! Faktisch soll er widerspruchslos die antibiodiverse Politik der Intensivagrarmaffia finanzieren!
  • Kommentar von marc rist  (mcrist)
    So sehr wählerisch kann der Konsument in der Schweiz gar nicht mehr sein. Trotz aller Effizienzsteigerungen produziert die hiesige Landwirtschaft gerade mal genug für etwa 4 Millionen Menschen. Was läuft also falsch?
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten