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«Velis Electro»: Erstes Elektromotor-Flugzeug zertifiziert
Aus 10 vor 10 vom 03.08.2020.
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Leise und umweltfreundlich Erstes Elektroflugzeug mit Schweizer Zulassung

Die Velis Electro des slowenischen Herstellers Pipistrel soll vor allem in Flugschulen eingesetzt werden.

Was in der Automobilindustrie bereits Einzug gehalten hat, kommt jetzt auch in der Aviatik an. Die Velis Electro ist das weltweit erste Flugzeug ohne Verbrennungsmotor, das in der Schweiz eine Zulassung erhalten hat.

Beschränkte Flugdauer

Aufgrund seiner kurzen Flugdauer von maximal 50 Minuten wird die Velis Electro in erster Linie als Schulungsflugzeug eingesetzt werden. Das kleine und 600 Kilogramm leichte Elektroflugzeug ist deutlich leiser als herkömmliche Flugzeugtypen – und es stösst keine Abgase aus.

Den notwendigen Strom für das Elektroflugzeug liefern zwei Lithium-Ionen-Akkus mit je 60 Kilogramm Gewicht. Das hohe Gewicht der Akkus ist einer der Faktoren, die die Reichweite von Elektroflugzeugen limitieren. Die Energiedichte der Batterien ist im Vergleich zu Kerosin 50 bis 60 Mal kleiner.

Tiefere Lärmbelastung

Die Velis Electro erzeugt dank des E-Motors lediglich einen maximalen Geräuschpegel von 60 Dezibel. Am Boden muss der Elektromotor nicht erst warmlaufen. Einmal in der Luft, ist das E-Flugzeug vom Boden aus kaum mehr zu hören.

Die tiefe Lärmbelastung ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil für die Akzeptanz der Freizeitfliegerei. Gerade während der Ausbildung erfolgen viele Kurzflüge im näheren Umfeld der Flugplätze. Der Einsatz von Elektroflugzeugen kann die Lärmbelastung für die Anwohnerschaft erheblich senken.

Komplexes Zulassungsverfahren

Für die Zulassung von Flugzeugen im europäischen Luftraum ist die europäische Agentur für Flugsicherheit Easa zuständig, bei der auch die Schweiz Mitglied ist. Da es bisher kein Zulassungsverfahren für Elektroflugzeuge gab, hat die Easa zusammen mit dem Bundesamt für Zivilluftfahrt Bazl und den französischen Flugsicherheitsbehörden die Zertifizierung an die Hand genommen.

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Bazl-Sprecher Christian Schubert: «Wir möchten die neue Technologie ermöglichen»
Aus News-Clip vom 31.07.2020.
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Dazu mussten die Bedingungen für den Betrieb, die Wartung und die Ausbildung von Piloten und Personal von Grund auf neu definiert werden. Diese Zertifizierung erfolgte in enger Zusammenarbeit zwischen dem slowenischen Flugzeughersteller Pipistrel sowie der Firma Alpine Airplanes, welche die Velis Electro in der Schweiz vertreibt. Das ganze Verfahren bis zur Zertifizierung durch die Easa und das Bazl dauerte rund drei Jahre. Angesichts der Herausforderungen, die das Team bewältigen musste, eine relativ kurze Zeitspanne.

Lernen aus Zwischenfällen

In diesem Prozess gab es immer wieder Rückschritte und auch Zwischenfälle: Im Januar musste ein Prototyp wegen eines defekten Kühlsystems notlanden, und im Mai entfachte während Unterhaltsarbeiten ein Kurzschluss bei einem der Akkus einen Brand.

Die Erkenntnisse aus diesen Zwischenfällen flossen umgehend in die weitere Entwicklung der Velis Electro ein. Laut dem Bazl sowie dem schweizerischen Importeur ist diese heute ebenso sicher wie konventionelle Flugzeugtypen dieser Kategorie, da er dasselbe Sicherheitsniveau erfüllen muss.

Ein Netz an elektrischen Schulungsflugzeugen

Der Schweizer Importeur Alpine Airplanes will insgesamt 14 E-Flugzeuge in den Schweizer Luftraum bringen. 10 über das ganze Land verteilte Flugschulen sollen damit ausgerüstet werden. An jeder dieser Flugschulen soll ein Solarpanel den notwendigen Strom für 1000 Flugstunden liefern. Dank den über das ganze Land verteilten Ladestationen werden auch Flüge von einer Flugschule zur anderen möglich sein.

Drei Fragen an Morell Westermann, Zukunftsforscher Aviatik

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Drei Fragen an Morell Westermann, Zukunftsforscher Aviatik
Legende: SRF

SRF: Welche Bedeutung hat die weltweit erste Zulassung eines Elektroflugzeugs für die Zukunft der Aviatik?

Mit der Elektrofliegerei stehen wir heute da, wo wir vor rund 10 Jahren mit den Elektroautos standen. Wir sind jetzt wirklich aus dem Prototypen- und Experimentalstadium raus. Jetzt geht es in die kommerzielle Anwendung dieser Flugzeuge. Das erste zugelassene Flugzeug bedeutet, dass ganz normale Piloten Ausbildung, aber auch Rundflüge durchführen können.

Welches Potenzial sehen Sie für die Elektrofliegerei, mal abgesehen von Schulungsflügen?

Die Reichweitendiskussion ist die Gleiche, die wir auch mit den Autos haben. Zum einen wächst sie jedes Jahr, die Batterieentwicklung ist ja noch in vollem Gange. Wir haben jedes Jahr mehr Kapazität, mehr Reichweite. Selbst für Sightseeing-Flüge, die selten länger als eine Stunde dauern, kann man schon einen grossen Anwendungsbereich mit abdecken. In Bezug auf Langstreckenflüge sind wir jedoch mit der Elektrofliegerei noch eingeschränkt.

Wird die Elektrofliegerei unser Mobilitätsverhalten verändern?

Mit den Elektroflugzeugen, die naturgemäss kleiner sind und eine geringere Reichweite haben, kann man jetzt auch Strecken anbieten, die vorher nicht sinnvoll waren. Wir können in den nächsten Jahren davon ausgehen, dass wir kleinere Regionalflugplätze wieder in den Verkehrsverbund einbinden und damit kürzere Strecken effizient anbieten können.

Das Interview führte: Simona Caminada

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Zukunftsforscher Morell Westermann: Neue Strecken können angeboten werden
Aus News-Clip vom 31.07.2020.
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10vor10, 3.8.2020; 21:50 Uhr

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Erich Weber  (weber26)
    E-Flugzeuge sind etwa gleich umweltfreundlich wie E-Autos, nämlich gar nicht!! Bitte informieren wo und wie Lithium gewonnen wird, Schande
  • Kommentar von Mike Steiner  (M. Steiner)
    Dieses Flugzeug hat eine Reichweite von 150km (max. Geschwindigkeit 180km/h, 50min). Das reicht nicht einmal für Kloten-Genf. Ich schliesse mich der Meinung vieler an, dass Elektroaviatik im Personenverkehrsmasstab eine Utopie bleibt.
  • Kommentar von Monique Wittwer  (Monique Wittwer)
    ...Nur Christian Schubert vom BAZL möchte „den emissionsarmen Flugzeugen eine Chance geben“ möchte, wobei nicht klar wird, ob auch er damit in erster Linie den zuvor besprochenen Lärm meint. Hat der existenzielle ökologische Gedanke die Journalist*in oder die interviewten Männer noch nicht erreicht? (2/2)