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Informatik-Branche: Der Prüfungsraum kann genauso gut zu Hause sein
Aus HeuteMorgen vom 23.04.2020.
abspielen. Laufzeit 02:32 Minuten.
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Lernende in Coronazeiten Lehrabschluss im Homeoffice

Abschlussprüfungen werden je nach Branche abgesagt oder verschoben. Die Informatiker legen sie zu Hause ab.

Regina Balakrishnan ist 24, bald hat sie ihre Berufslehre in Betriebsinformatik abgeschlossen. Die junge Frau macht ihre Lehre an der Berufsfachschule GIBB in Bern – wegen der Corona-Epidemie im Homeoffice. Von daheim hilft sie den Lehrerinnen und Lehrern der Berufsschule: «Ich mache hauptsächlich Support und berate die Lehrkräfte im Fernunterricht.»

Übernächste Woche steht ihre praktische Prüfung an. Zehn Tage hat sie Zeit, ein Informatikprojekt umzusetzen. Sie kennt ihre Aufgabe schon: «Ich muss eine Software, die wir bei uns im Betrieb haben, mit einem neuen Softwareprodukt vergleichen.» Dieses Projekt wird ihr Gesellenstück sein, ihre praktische Schlussprüfung.

Kein Nachteil auf dem Arbeitsmarkt

Anders in diesem Jahr ist: Die individuelle praktische Arbeit, die IPA, findet zu Hause statt. Lange Zeit war unklar, ob die Informatikerinnen und Informatiker überhaupt einen Abschluss machen können. Jetzt gibt es die praktische Prüfung – und die soll genau gleich streng sein wie in anderen Jahren.

Andy Bula ist Chefexperte vom Verband ICT-Berufsbildung im Kanton Bern: «Ihre Prüfung ist genau gleich ausgestaltet wie sonst auch. Sie findet auf Distanz statt, aber inhaltlich hat das genau die gleiche Qualität. Die Lernenden können damit bei einer Bewerbung auch zeigen, dass sie eine fachlich anspruchsvolle Arbeit realisiert haben», so Bula.

Spicken ist erlaubt, wenn man es deklariert

Sich telefonisch Hilfe holen beim Chef oder auch mal eine Lösung im Internet suchen, ist Teil dieser praktischen Prüfung. «Es ist bewusst so gestaltet, dass die Lernenden während der IPA ihre Ressourcen – das können auch externe Quellen sein – einbeziehen dürfen. Entscheidend ist, dass sie diese Quellen angeben», sagt Bula.

So soll der Informatik-Jahrgang 2020 auf dem Arbeitsmarkt keinen Nachteil haben. Regina Balakrishnan ist froh, kann sie zeigen, was sie gelernt hat. «Ich will nicht abgestempelt werden. Informatiker haben keine direkte Abschlussprüfung. Wenn wir jetzt aber die IPA machen, ist das der normale Abschluss.»

Balakrishnan schmiedet schon Pläne, wie es nach der Lehre weitergeht. «Ich will weiterstudieren und allenfalls die höhere Fachschule machen. Aber von der Informatik will ich nicht weg. Das ist eine sehr spannende Branche.» Trotz Corona-Krise: Die junge Informatikerin macht sich keine Sorgen über die Zukunft.

Heute Morgen, 23.4.2020, 6 Uhr

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Ichinkhorloo Stampa  (icho)
    Die Schuler sollten in Gruppen geteilt, mindestens 2 Mal in der Woche die Schule besuchen, damit sie den neuen Schulstoff vom Lehrer erklärt bekommen. Es reicht doch nur 2 Stunden, 5er Gruppe in einem Raum zu sitzen.
    Entweder alle, oder gar keiner ist ja bisschen extrem. Es hilft ja den Kindern auch, bisschen die Kollegen zu sehen und die Langeweile zu Hause zu mindern.
    Bisschen Flexibilität würde sehr viel bewirken!
    Und mit Maske!
  • Kommentar von Urs Dupont  (udupont)
    Warum nicht einfach auf den Herbst verschieben? Keine oder nur Schmalspurprüfungen wie "Homeofficeprüfungen, nur Vornoten, etc. werden diesen Jahrgang sonst immer benachteiligen, denn jedermann weiss, dass erst in den letzten Wochen vor der Prüfung der meiste Stoff richtig intus gebracht und verstanden wird. Ohne diesen Prüfungsdruck bleibt das Gelernte nur oberflächlich haften, wenn überhaupt.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Urs Dupont: Stimme 100% mit Ihnen überein. Jeder hier der über 20 ist weiss das. Wenn nicht, dann hätte man sich längst den Aufwand für Lehr- und Maturaabschlussprüfungen ersparen können. Wenn einige Bildungsdirektionen sagen, die Selektion vor den Abschlussprüfungen genüge, warum hatte man denn bis jetzt Abschlussprüfungen? Wenn man die Abschlussprüfungen jetzt einfach sausen lassen kann, war das bis jetzt nur Zeitverschwendung. Übrigens gibt es auch Kantone, z.B. LU, die es voll durchziehen.
    2. Antwort von Manuel Roth  (MRoth)
      Wer erst in den letzten Wochen vor der Prüfung richtig mit lernen beginnt und vorher nichts gemacht hat, kommt kaum oder mit sichtlich schlechteren Noten durch das QV.
      Zudem möchte ich im Herbst mein Studium beginnen. Da habe ich nicht auch noch Zeit für die Lehrabschlussprüfung. Und was soll mit den Lernenenden geschehen, die in die Arbeitswelt eintreten? Haben die einfach eine um 5 Monate längere Lehre oder werden sie als ausgelehrt angestellt um den Abschluss später noch zu machen?
    3. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Manuel Roth: Wenn die Abschlussprüfungen ausfallen, werden viele gar nichts mehr lernen, sondern mit Minimalaufwand durch den Abschluss kommen.
    4. Antwort von Andy Gasser  (agasser)
      @Dupont und Leu: Per Zufall bin ich als Experte für ebendiese Prüfungen tätig. Ihre Aussagen sind eine Beleidigung für alle beteiligten Personen. Prüfungsleitung, Experten sowie Betriebe tun alles Mögliche um eine faire Prüfung unter den Umständen zu bieten! Und die Kandidaten sind ebenfalls unter zusätzlichem enormen Stress! Da sind ihre Kommentare einfach nur Fehl am Platz! Es ist eine bemerkenswerte Leistung welche die Kandidaten trotz allem Zeigen!
    5. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Andy Gasser: Zufälligerweise habe ich auch schon Prüfungen abgenommen und weiss, wie man das organisiert. Das Beispiel hier zeigt ja, dass man auch unter Corona Prüfungen ablegen kann, wenn man will. Dass jetzt aber einige Kantone die Maturaprüfungen und LAP's einfach suspendieren statt verschieben wie alle anderen oder wenigstens ein Teil online durchführen wie die Hochschulen, grenzt an Arbeitsverweigerung und ist nicht im Interesse der Absolventen.
    6. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Andy Gasser: In einem Kommentar in der heutigen NZZ von Larissa Rhyn auf Seite 9 steht übrigens genau das, was ich heute hier geschrieben habe; einfach schöner und ausführlicher formuliert als ich.