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Eine tierfreundliche Schlossbeleuchtung, die dem Gesetz entspricht
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 23.09.2021.
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Lichtverschmutzung Kanton Aargau will künftig alle Schlösser nach Gesetz beleuchten

Seit 2007 ist die Beleuchtung von Gebäuden im Aargau geregelt. Der Kanton hält sich aber nicht an seine Vorschriften.

Schloss Lenzburg: Die grosse Burg thront über der Stadt und ist von weit herum sichtbar. In der Nacht wird Schloss Lenzburg beleuchtet, so wie die anderen Aargauer Schlösser auch. Allerdings sind diese Beleuchtungen in ihrer aktuellen Form gesetzeswidrig – und das seit mittlerweile 15 Jahren.

Legende: Die Beleuchtung von Schloss Lenzburg leuchtet nicht nur die alten Mauern an. Auch viele Sträucher und Felsen werden erhellt. ZVG/Stiftung Schloss Lenzburg

Als einer von wenigen Kantonen der Schweiz kennt der Aargau eigentlich gesetzliche Vorgaben zur Lichtverschmutzung (vgl. Box unten). Im Aargauer Umweltrecht ist seit 2007 festgehalten, dass Beleuchtungen so zu gestalten sind, dass sie keine störenden Immissionen für Tier- und Pflanzenwelt verursachen. Schloss Lenzburg, die Festung Aarburg oder das Kloster Wettingen erfüllen diese Vorgaben nicht. Beim Schloss Liebegg wurde vor vier Jahren zwar auf LED-Beleuchtung umgestellt, die eigenen Vorgaben hält der Kanton damit trotzdem nicht ein.

Regeln und Gesetze zur Lichtverschmutzung in der Schweiz

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Das Thema Lichtverschmutzung ist in der Schweiz aktuell noch eher spärlich und sehr unterschiedlich geregelt. Im Vergleich zu einigen Nachbarländern gebe es keine national bindenden Regeln, schreibt eine ETH-Forscherin in einer Masterarbeit zum Thema. In vielen Kantonen sei der Umgang mit Lichtverschmutzung alleine Sache der Gemeinden. Einige Kantone geben den Gemeinden dazu technische Hilfsmittel wie Merkblätter oder Checklisten zur Hand. An den meisten Orten existieren aber lediglich nicht-bindende Richtlinien.

Nur wenige andere Kantone (z.B. Freiburg oder St. Gallen) haben wie der Aargau das Thema Lichtverschmutzung in verpflichtende kantonale Gesetze und Verordnungen aufgenommen. Allgemein gebe es grosse Unterschiede beim Umgang mit Lichtverschmutzung, kommt die Forscherin zum Schluss. Das Thema sei eine der Herausforderungen für die künftige Raumplanung. Auch weil Lichtverschmutzung in der Schweiz in den letzten Jahren stärker zugenommen habe als in anderen Ländern und weil die blosse Sensibilisierung für das Thema eher keine signifikante Reduktion der nächtlichen Lichtimmissionnen bringe.

Am Beispiel Schloss Lenzburg zeigt sich die Problematik gut: Die heutigen veralteten Lampen strahlen nicht nur die Schlossmauern an, sie zünden auch in den Nachthimmel, an die Felsen, in Bäume und Gebüsche. Für Fledermäuse oder Insekten sei dies ein grosses Problem, erklärt Roland Bodenmann vom Verein Dark Sky Switzerland, welcher sich gegen Lichtverschmutzung einsetzt. Bodenmann war in der Jury, welche die neue Beleuchtung ausgewählt hat.

Veraltete Lampen im Einsatz

Auch dank Bodenmanns Engagement in der Jury wird beim Schloss Lenzburg nun erstmals im Aargau eine Schlossbeleuchtung installiert, bei deren Planung explizit Rücksicht auf die geltende Gesetzgebung und damit auf die Tiere genommen wurde. Das Baugesuch dazu liegt derzeit auf.

Die aktuellen Schlossbeleuchtungen im Aargau erfolgten meistens noch mit veralteten Halogenlampen. Der Kanton habe das Thema vernachlässigt, meint Lichtplaner Bodenmann. Es habe lange gedauert, bis der Kanton Aargau seine eigene Gesetzgebung von 2007 ernst genommen habe. Es sei daher höchste Zeit, dass Schloss Lenzburg nun als erstes Schloss eine gesetzeskonforme Beleuchtung erhalte. Dies sei auch ein Zeichen des Kantons, dass er dem Naturschutz mehr Gewicht gebe.

Kanton wartet, bis Beleuchtungen durch sind

Das Thema sei lange nicht akut gewesen, meint Urs Heimgartner, Leiter Immobilien beim Kanton Aargau. Heute sei man sich des Problems bewusst. Beleuchtungen würden aber erst am Ende ihrer Lebensdauer ersetzt. Dies auch wegen eines sorgsamen Umgangs mit Steuergeldern.

Legende: Das Schloss Lenzburg liegt oberhalb der Stadt, die nächtliche Beleuchtung wirkt dadurch noch stärker. Keystone

Beim Schloss Lenzburg kommt ab nächstem Jahr nun die neuste Generation der Beleuchtung zum Einsatz. Nur mit dem Austausch der alten Lampen durch LED sei es aber nicht getan, erklärt Roland Bodenmann vom Verein Dark Sky Switzerland. Bei der neuen Beleuchtung treffe das Licht dank Schablonen nur dort auf, wo es auch gebraucht werde. So gebe es kaum mehr Streulicht. Die neue Beleuchtung von Schloss Lenzburg wird zudem über 90 Prozent weniger Energie verbrauchen als die alte und damit deutlich tiefere Stromkosten aufweisen.

Der Kanton Aargau untersucht nun auch die Beleuchtungen der Schlösser Wildegg und Liebegg, um auch hier eine gesetzeskonforme Lösung zu finden.

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Insektenkiller Strassenlampe
Aus Schweiz aktuell vom 28.06.2021.
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Regionaljournal Aargau Solothurn, 23.09.2021, 17:30 Uhr;

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Patrick Janssens  (patrickjanssens)
    Es geht hier nicht um Lichtverschmutzung, es sollte gehen um sinnlose Energieverschwendung. Der Bürger soll Energie sparen, derweil sind die Burgen und Schlösser von Aargau nachts aus dem Weltraum zu bewundern in strahlender Helle : Absurdität vom schönsten.
  • Kommentar von Ernst Boller  (THINK)
    Die grösste Einsparung würde durch Ausschalten erzielt. Man sieht die Schlösser tagsüber, was völlig reicht.
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Weltweit nimmt die Lichtverschmutzung um zwei bis drei Prozent pro Jahr zu, in Europa sind es sogar zwischen 5-6 Prozent. Darunter leiden nicht nur Tiere, sondern auch wir Menschen. Alle Organismen richten sich nach dem Licht, die Zellreparatur ist auf den Hell-Dunkel- Rhythmus ausgerichtet. Und die Pflanzenvielfalt leidet, wenn nachtaktive Insekten weniger bestäuben. In der Tat bringen wir Menschen viel Unheil über den Planeten. 70 Tier- oder Pflanzenarten verschwinden unwiderruflich.
    1. Antwort von Andreas Diethelm  (Okapi)
      "70 Tier- oder Pflanzenarten verschwinden unwiderruflich." Aha!