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Linker Streit um SGB-Präsidium Geschlechterkampf beim Gewerkschaftsbund

Der Waadtländer Gesundheitsdirektor Pierre-Yves Maillard gilt als Kronfavorit fürs Präsidium des Gewerkschaftsbundes SGB. Doch Feministinnen und die Frauenkommission des SGB fordern ultimativ eine Frau an der Spitze.

Legende: Video Zoff um Mann an Gewerkschaftsspitze: Aufstand der Frauen abspielen. Laufzeit 09:28 Minuten.
Aus Rundschau vom 28.11.2018.

«Der Gewerkschaftsbund sollte mit gutem Beispiel vorangehen und eine Frau an die Spitze des grössten Arbeitnehmer/innen-Verbands wählen», sagt Michela Bovolenta, Zentralsekretärin des VPOD Romandie. Bovolenta ist Teil des Präsidiums der Frauenkommission des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes SGB – und diese ruft dazu auf, unbedingt eine Frau ins höchste Gewerkschaftsamt zu wählen. «Es wäre ein wichtiges Zeichen für unsere Gesellschaft».

«Ja, es ist Zeit für eine SGB-Präsidentin» – so der Titel des Apells. Die Frauenkommission kritisiert den Kandidaten Pierre-Yves Maillard nicht aufgrund seiner Positionen, doch «er ist ein Mann und wir wünschen uns eine Frau als Präsidentin des Gewerkschaftsbundes». Unter anderem weil die Gewerkschaften die wichtigste politische Kraft in der Frage der Gleichstellung seien.

Legende: Video Michela Bovolenta: «Eine Frau an der Spitze ist ein wichtiges Signal für unsere Gesellschaft» (frz.) abspielen. Laufzeit 00:14 Minuten.
Aus News-Clip vom 28.11.2018.

Am Samstag wählen die Delegierten die Nachfolge von Präsident Paul Rechsteiner. Zur Wahl steht neben Pierre-Yves Maillard auch eine Frau: Die St. Galler Nationalrätin und SP-Vizepräsidentin Barbara Gysi.

Frauenfrage vorher klären

Pierre-Yves Maillard zeigt im Interview mit der «Rundschau» Verständnis für die Geschlechter-Diskussion. Genau deswegen habe er sich eine Kandidatur sehr genau überlegt und zahlreiche Gespräche zu diesem Thema geführt, als er für den Posten angefragt worden sei.

Legende: Video Pierre-Yves Maillard: «Ich habe zuvor gefragt, ob das Amt für einen Mann offen sei» abspielen. Laufzeit 00:17 Minuten.
Aus News-Clip vom 28.11.2018.

Er habe in der Findungskommission die Frage gestellt, ob die Wahl für einen Mann offen sei. «Die Antwort war einstimmig Ja. Dann habe ich meine Kandidatur eingegeben». Man habe ihm gesagt, die Frage stehe nicht im Vordergrund. Denn die Frauen seien in den Führungen der grossen Gewerkschaften gut vertreten.

In der Tat hat Maillard viele Fürsprecher in den Gewerkschaften. Die grösste Gewerkschaft Unia und jene des Verkehrspersonals SEV haben ihn nominiert. Und die Gewerkschaft Syndicom hat ihm ihre Unterstützung zugesichert. Dass die Diskussion um die Frauenfrage jetzt, kurz vor der Wahl, hochkoche, findet Maillard reichlich spät – das hätte man vorher diskutieren müssen.

Feministinnen warnen

Die Forderung nach einer Frau an der Spitze der Gewerkschaften zieht derweil weitere Kreise. Kurz vor der Wahl wird die Stimme der Feministinnen lauter. Für 2019 planen gewerkschaftliche und feministische Kreise einen zweiten Frauenstreik.

Legende: Video Manuela Honegger Heller: «Das Frauenrentenalter betrifft Maillard ja nicht» abspielen. Laufzeit 00:22 Minuten.
Aus News-Clip vom 28.11.2018.

«Ein Mann an der Spitze der Gewerkschaften ist jetzt ein völlig falsches Zeichen», sagt Manuela Honegger Heller, Mitglied Frauenstreikorganisation Romandie. «Die Politik in der Schweiz ist immer noch so, dass alle für sich selber einstehen und für Bedürfnisse und Rechte kämpfen, die sie selbst betreffen.» Deshalb müsse eine Frau an die Spitze des SGB.

Maillard wehrt sich dezidiert gegen diesen Vorwurf. Er setze sich sehr wohl für Frauen ein – und habe das in seiner politischen und gewerkschaftlichen Tätigkeit auch immer wieder gezeigt. Wenn man jetzt die Männer ausgrenze, dünne man lediglich das Feld jener aus, die sich gegen soziale Ungleichheit auflehnen. «Ich habe noch nie gehört, dass ich, nur weil ich ein Mann bin, nichts für die Gleichstellung tun kann».

Legende: Video Pierre-Yves Maillard: «Dass ich mich als Mann nicht für Gleichstellung soll einsetzen können, erstaunt mich» abspielen. Laufzeit 00:20 Minuten.
Aus News-Clip vom 28.11.2018.

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Meier (Epikur)
    Dieser sogenannte Feminismus, ja per se sexisitisch veranlagt, welcher seine eigenen Prinzipien zumeinst nur als Alibi-Übung oder höchstens als beschwichtigende Geste auch für Männer gelten lässt (Und auch nur nach intensivem Nachhaken), zeigt hier sein wahres Gesicht. Es geht um selektiven Macht-Hunger. Die Damen merken, dass sie mit Sach-Argumenten oder einfach guten, qualifizierten Kandidatinnen ihr Regime nicht durchbringen. Dann halt mit der Brechstange. Und natürlich nur bei Chef-Posten.
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  • Kommentar von jean-claude albert heusser (jeani)
    Genau Frau Weber, und gerade die "Feministinnen" sind die "Totengräber" der Frauen Anliegen!
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  • Kommentar von jean-claude albert heusser (jeani)
    Haben die keine "grösseren Probleme"?
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    1. Antwort von Theresia Weber (Resi)
      Doch! Mit ihren Forderungen werden die Frauen selbst zu ihrem grössten Problem.
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    2. Antwort von Daniel Fuchs (Daniel Fuchs)
      @Resi: Ich gehe da völlig mit Ihnen einig möchte aber betonen dass man Frauen und Feministen auseinander halten muss. Nicht die Frauen sind das Problem sondern die Feministen die fälschlicherweise für sich in Anspruch nehmen für alle Frauen zu sprechen. Ich bin mir sicher dass Sie das auch so gemeint haben.
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    3. Antwort von Theresia Weber (Resi)
      Merci Monsieur Fuchs. Sie haben recht u. ich stimme zu. Als junge Frau habe ich für Frauenrechte gekämpft, wir sind aber Frau geblieben u. Mann, Mann sein lassen. Ich wurde in den letzten Jahren zur absoluten Anti-Feministin,für deren Auftreten ich mich als Frau oft schäme. Im tägl. Leben kann man feststellen, hauptsächlich in Erziehungsfragen, dass Mann seinen Platz als Vater nicht mehr hat.Zudem habe ich in meiner Familie erlebt,dass das jurist.System wegen den Frauen nicht mehr funtionniert.
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