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Mehr Spitalbetten allein genügen nicht
Aus Echo der Zeit vom 01.09.2021.
abspielen. Laufzeit 03:25 Minuten.
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Mangel an Fachkräften Ohne Pflegepersonal bringen auch mehr Intensivbetten nichts

Mehr Intensivbetten in den Spitälern, und dafür die Massnahmen lockern? So einfach ist es nicht, sagen Fachleute.

Auf den Schweizer Intensivstationen hat das Pflegepersonal wieder alle Hände voll zu tun. Die Zahlen belegen das: Von den 850 zertifizierten Intensivbetten sind 660 belegt, also mehr als drei Viertel. Und von all diesen Betten sind 264 mit Corona-Patientinnen und -Patienten belegt.

Dazu kommt: Laut der Schweizerischen Gesellschaft für Intensivmedizin können gar nicht alle zertifizierten Intensivbetten betrieben werden – weil das Fachpersonal fehlt.

Abgänge während der Pandemie

Dazu eine weitere Zahl, die Yvonne Ribi, die Geschäftsführerin des Schweizer Berufsverbandes der Pflegefachpersonen, erstmals am Dienstagabend gegenüber SRF genannt hatte. «Gemäss Schätzungen von Expertinnen aus der Intensivpflege haben wir einen Rückgang von rund zehn bis fünfzehn Prozent bei Pflegenden mit einer Spezialausbildung in Intensivpflege. Das heisst, die Personaldecke auf den Intensivstationen ist dünner geworden als noch zu Beginn der Pandemie.»

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Der Pflegeberuf wird in der Pandemie zum Verschleissjob
Aus 10 vor 10 vom 31.08.2021.
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Und hier sind wir beim Kern des Problems. So hatte etwa die SVP am Dienstag vorgeschlagen, die Zahl der Intensivbetten auf 1200 bis 1300 zu erhöhen. Das gehe aber nicht so einfach, widerspricht Anne Bütikofer, die Direktorin des Spitalverbandes H+. «Die Zahl der Intensivbetten mit Ad-Hoc-Betten zu erhöhen wäre nicht das Problem. Es fehlt das Fachpersonal, um solche Betten zu betreuen.»

Für Intensivstationen braucht es normalerweise gut qualifiziertes Pflegepersonal mit einer speziellen Fachausbildung. Zwar hatte die Schweiz in den ersten beiden Corona-Wellen noch mehrere Hundert nicht-zertifizierter Ad-Hoc-Intensivbetten geschaffen. Dort wäre aber laut Fachleuten die Behandlungsqualität niedriger gewesen.

Yvonne Ribi vom Berufsverband des Pflegepersonals ergänzt: «Selbstverständlich kann man sich mit Kurzausbildungen Kompetenzen aneignen.» Das hätten einige Institutionen auch gemacht und Leute aus anderen Bereichen geschult, um die Intensivstationen während einer Welle zu unterstützen. «Dieses Personal fehlt dann aber zum Beispiel auf der Anästhesie, im Operationsbereich oder auf den Abteilungen.»

Die Diskussion wird weitergehen

Mittelfristig muss es also darum gehen, wieder mehr Frauen und Männer zu gewinnen, die bereit sind, als Pflegefachpersonen auf Intensivstationen zu arbeiten. Über den richtigen Weg dahin wird es noch viele Diskussionen geben – das wird schon bald die Abstimmung über die Pflege-Initiative zeigen.

Und was hilft kurzfristig? Die Fachleute sagen: Je mehr Leute geimpft sind, desto weniger Corona-Patienten landen auf den Intensivstationen. Aber auch dieses Thema polarisiert.

Echo der Zeit, 01.09.2021, 18 Uhr;

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52 Kommentare

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  • Kommentar von Ernst Siegenthaler  (Sigi1)
    Vielleicht sollten die Pflegenden mehr Gehalt bekommen. Aber ja das geht ja nicht, so würden die Gesundheitskosten steigen, ausser - die gutbezahlten Ärzte verzichten auf einen Teil ihrer Einnahmen.
    In anderen Ländern werden Pflegende ähnlich gut bezahlt, wie die Ärzte, sie leisten auch mehr zur Wiedergesundung der Patienten.
    1. Antwort von Katharina Bleuer  (Blk)
      Auch mit mehr Gehalt können Sie nicht jahrelang die Arbeit von zwei Leuten machen und zwar im Schichtbetrieb.
  • Kommentar von Philipp Notter  (Phil1)
    Die ständige Wohnbevölkerung in der Schweiz wächst und wächst seit Jahren, insbesondere bei den Älteren. Ergo wächst der Bedarf an Pflege/medizinische Versorgung. Wird dem nicht genügend Rechnung getragen, braucht es nicht viel und unser Gesundheitssystem ist am Anschlag - wie bei der schweren Grippewelle 2017/18.

    Die Warnungen der Spitäler und des Personals wurden offenbar von allen ignoriert…
    1. Antwort von Katharina Bleuer  (Blk)
      Es fehlt nicht an Ausbildungsplätzen, aber diese können nur zu 2/3 überhaupt besetzt werden.
      Zudem verlassen die Hälfte der Pflegenden den Beruf in den ersten 10 Jahren nach der Ausbildung wieder.
    2. Antwort von Sascha Ehring  (MountainmanSG)
      Freu Bleuer, ich kann leider unter meinem Kommentar nicht antworten. Aber allein hier lese ich das sie wissen worum es geht, darum versteh ich Ihren Kommentar unter meinem nicht. "Es fehlen europaweit ca 200'000 qualifizierte Pflegefachleute. Wo genau sollen die Leute herkommen?" Genau darum schrieb ich man muss Geld in die Hand nehmen, mit anständigen Gehältern würden mehr die Ausbildungen machen und bleiben.
  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Es geht hier um eine Priorisierung! Wenn COVID nach oben geht, müssen logischerweise Kräfte aus anderen Bereichen umgelagert werden. Selbstverständlich wollen die Schönheitschirurgen ihre Pflegekapazität nicht hergeben, weil sie dann ihren Laden dichtmachen müssten. Es ist natürlich ein Unterschied, ob man einen Verdienst von 86'000.-/J hat (Verdienstausfall) oder mehr als eine halbe Million garniert, wie viele Spezialärzte. Aber längstens nicht alles was da operiert wird, ist notwendig!
    1. Antwort von Nora Zahnd  (NoZ)
      Eine Pflegende die bei einem Schönheitschirurge arbeitet ist nicht ausgebildet für die Intensiv. Und kann damit diese arbeit nicht einfach so übernehmen.
      Zudem möchte das die Pflegende vil auch nicht. Nicht alle welche eine Ausbildung in der Pflege haben können oder wollen auf einer Abteilung wie Intensiv arbeiten. Dies ist nochmals eine ganz andere Art zum arbeiten.
      Mann kann nicht einfach Pflegende nach belieben hin und her schieben.
    2. Antwort von Katharina Bleuer  (Blk)
      Sicher. Und der Informatiker kann als Maschinenmechaniker arbeiten. Hat ja beides irgendwie mit Technik zu tun.
      Ernsthaft: Sie reden hier davon, verschiedene Berufe auf FH-Niveau einfach auszutauschen.