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Corona-Ausbruch in Coop-Grossbäckerei
Aus Kassensturz vom 03.11.2020.
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Mangelhafter Schutz? Corona-Ausbruch in Coop-Grossbäckerei

  • Die Coop-Grossbäckerei in Schafisheim (AG) ist überdurchschnittlich von Corona betroffen.
  • Bislang wurden 45 Angestellte positiv auf das Coronavirus getestet.
  • Angestellte kritisieren, eine Maskenpflicht herrsche trotz engsten Platzverhältnissen erst seit Kurzem. Und Angestellte würden trotz Kontakt mit Erkrankten nicht nach Hause geschickt.
  • Coop widerspricht der Kritik, hat inzwischen die Schutzmassnahmen aber ausgeweitet.

Die Vorwürfe sind happig: Mehrere Angestellte der Grossbäckerei von Coop im Aargauischen Schafisheim schildern gegenüber «Kassensturz» anonym Missstände im Zusammenhang mit Corona-Schutzmassnahmen. Die Arbeit sei seit längerem «regelrecht gefährlich», erzählt eine Person. Sie fühlten sich zu wenig vor Corona geschützt. Denn Dutzende von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern seien inzwischen an Corona erkrankt. «Ein Teamleiter erzählte, allein in einer Schicht seien 40 Leute krank. Und es gibt drei Schichten, da kann man hochrechnen.»

Expertenchat: Coronasituation am Arbeitsplatz

Expertenchat: Coronasituation am Arbeitsplatz

Hier geht es zum Protokoll.

Fehlende Schutzwände und Masken

Rund 700 Personen produzieren im Grossbetrieb täglich Hunderttausende Brote, Törtchen und Wähen – zum Teil in sehr engen Platzverhältnissen: «An gewissen Fliessbändern stehen bis zu zehn Personen mit vielleicht einem halben Meter Abstand. Und bis vor zwei Wochen trug dort niemand eine Maske. Schon damals gab es mehrere bestätigte Coronarfälle.» Erst Mitte Oktober führte der Betrieb eine allgemeine Maskenpflicht ein.

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«Ein Teamleiter erzählte, in einer Schicht allein seien 40 Leute krank. Und es gibt drei Schichten. Da kann man hochrechnen.»
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Zwar wurden an den Bändern im März Plexiglas-Scheiben montiert, jedoch nur zum Schutz vor den Mitarbeitern, die gegenüber stehen. Zum Nachbarn oder der Nachbarin links und rechts am Band gab es langezeit keine Trennwände. Sie wurden erst während des letzten Wochenendes montiert.

Stellungnahme Dr. Yvonne Hummel, Kantonsärztin Kanton Aargau

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«Der Kanton Aargau erhält täglich mehrere Hunderte Mails, welche individuell bearbeitet werden. Im vorliegenden Fall wurde die Meldung […] mit einem allgemeinen Verweis auf die BAG-Informationen beantwortet. Im Rahmen der Aufarbeitung des Falles kommen wir zum Schluss, dass eine Weiterleitung der Anfrage an den kantonsärztlichen Dienst sinnvoll gewesen wäre.

Nach dem Auftreten von mehreren Covid-19-Fällen im Coop Verteilzentrum/Bäckerei Schafisheim wurde am 25.10.2020 eine Überprüfung durch den kantonsärztlichen Dienst eingeleitet. Es wurden Massnahmen zur Verbesserung des Infektionsschutzes und insbesondere Massnahmen zur Um- und Durchsetzungskontrolle angeordnet. Eine erste Kontrolle durch die Industrie- und Gewerbeaufsicht fand am 30.10.2020 vor Ort statt.

Die vom kantonsärztlichen Dienst angeordneten Massnahmen wurden bisher gut umgesetzt. Eine abschliessende Kontrolle durch den kantonsärztlichen Dienst beziehungsweise die Industrie- und Gewerbeaufsicht steht noch aus.»

Trotz Kontakt mit Infizierten nicht in Quarantäne geschickt

Was die Angestellten besonders beunruhigt: Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen würden mit Krankheits-Symptomen zur Arbeit erscheinen. Offenbar aus Angst, sie könnten bei Absenzen die Stelle verlieren. Ausserdem würden die Vorgesetzten schlecht informieren, so die Quelle.

SRF Investigativ-Box

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Coop bestätigt 45 Corona-Fälle im Betrieb

Inzwischen bestätigt Coop, dass die Grossbäckerei überdurchschnittlich stark von Corona betroffen ist. Bislang seien 45 Angestellte positiv auf das Virus getestet worden, so Sprecherin Rebecca Veiga.

Zu den Vorwürfen der Angestellten, sie seien lange zu wenig geschützt worden, sagt Veiga: Vor der Einführung der generellen Maskenpflicht habe im Betrieb die Weisung gegolten, eine Maske zu tragen, wenn der Mindestabstand nicht gewahrt sei. Diese Weisung sei offenbar nicht überall umgesetzt worden, gibt Veiga zu.

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Interview mit Coop-Sprecherin Rebecca Veiga
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Deshalb habe man jetzt nachgeschult. Und auch andere Massnahmen ergriffen, wie etwa zusätzliche Trennwände an den Laufbändern oder Temperaturmessungen bei den Angestellten. Ausserdem seien Mitarbeitende, die problematischen Kontakt zu Infizierten gehabt hätten, stets in Isolation geschickt worden. Dies widerspricht allerdings den Aussagen verschiedener Angestellter, mit denen «Kassensturz» gesprochen hat.

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Studiogespräch mit Gabriela Baumgartner, Rechtsexpertin «Kassensturz/Espresso»
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Die wichtigsten Informationen zum Coronavirus:

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Kassensturz, 03.11.2020, 21:05 Uhr

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