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ETH-Professor Finger: Genfer Smog-Massnahme ist ein Schnellschuss
Aus SRF 4 News aktuell vom 07.11.2019.
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Massnahme gegen schlechte Luft «Genf hat es verpasst, den ÖV auszubauen»

ETH-Verkehrsexperte Matthias Finger kritisiert das Genfer Fahrverbot bei Smog als Schnellschuss. Es brauche andere Konzepte.

«Genf hat keine andere Wahl, als bei schlechten Luftwerten den Privatverkehr einzuschränken», sagt der Verkehrsexperte Matthias Finger von der ETH in Lausanne. Die Luftqualitätsziele würden von der EU vorgegeben. Und weil sich der Grenzkanton in einer regionalen Vereinbarung zu den Zielen bekannt habe, müsse er jetzt handeln.

Genf habe es verpasst, andere Massnahmen gegen den überbordenden motorisierten Individualverkehr zu ergreifen, sagt Fringer. So sei auf einen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs verzichtet worden. Damit aber hätten viele Genfer gar keine Alternative, als mit dem eigenen Auto von A nach B zu fahren.

Schnellschüsse bringen nichts

Immerhin: An Tagen, an denen ein Fahrverbot für gewisse Autos ausgerufen wird, soll der öffentliche Verkehr in der Genfer Innenstadt gratis sein, beschloss die Genfer Regierung. Doch das bringe nichts, kritisiert Finger: «Nur weil er gratis ist, wird der ÖV nicht besser.» Die Leute wären laut Fringer gerne bereit, etwas dafür zu bezahlen – wenn sie dafür auch auf ein besser ausgebautes ÖV-Netz zugreifen könnten.

Ob die in Genf beschlossenen Fahrverbote bei schlechter Luftqualität in anderen Schweizer Städten Schule machen könnten, bleibt gemäss Finger offen. Viel wichtiger als solche Schnellschüsse wären seiner Ansicht nach sowieso Bemühungen, den Autofahrern gute Alternativen – wie einen besseren öffentlichen Verkehr – anzubieten.

Bundesrat will keine Fahrverbote

Auf nationaler Ebene sind Einschränkungen des privaten Verkehrs bislang chancenlos. So hat der Bundesrat in den letzten Jahren zwei entsprechende Motionen abgelehnt. Er begründete dies damit, dass Einschränkungen im Privatverkehr nicht gewünscht und auch nicht umsetzbar seien.

Die Politik wagt sich gar nicht, zu handeln.
Autor: Matthias FingerVerkehrsexperte an der ETH Lausanne

Dies zeige ein grundsätzliches Phänomen, sagt Fringer: Die Probleme mit der Luftverschmutzung durch den Verkehr zeigten sich in den Ballungsgebieten, also in Städten und Agglomerationen. Deshalb würden sich Staatsregierungen – nicht nur in der Schweiz – zurückhalten, in diesem Bereich Verbote zu erlassen.

Hinzu kommt, dass Einschränkungen im Individualverkehr bei der Bevölkerung äusserst unbeliebt sind. Deshalb gehöre es schon fast zur Taktik der Politik, auf Smogsituationen zu hoffen – damit der Verkehr eingeschränkt werden dürfe. «Die Politik wagt sich – auf Druck der Bevölkerung – gar nicht, zu handeln. Sie hofft, dass Smog eintritt, damit man handeln kann.»

Wie genau nehmen es die Genfer mit dem Smog?

Wie genau nehmen es die Genfer mit dem Smog?

In den letzten Jahren wurden in Genf an jeweils rund zehn Tagen pro Jahr Smogalarm ausgerufen. ETH-Professor Fringer zweifelt jedoch an, dass die Schadstoffe in der Luft tatsächlich an bloss so wenigen Tagen die entsprechenden Grenzwerte überschritten. So gebe es auf der anderen Seite der Grenze in Frankreich viel mehr Tage, an denen eine Smogsituation deklariert werde. «Man müsste überprüfen, ob nicht auch in Genf an viel mehr Tagen pro Jahr eigentlich Smog herrschen würde», so Finger.

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28 Kommentare

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  • Kommentar von jean-claude albert heusser  (jeani)
    Ausser der U-Bahn ist das Tram das einzige Verkehrsmittel in unseren Städten, welches eine grosse Kapazität bewältigen kann! Z ürich, cBasel und Bern hätten ohne Tram einen Verkehrs Kollaps!
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    1. Antwort von Max Wyss  (Pdfguru)
      Sie vergessen die S-Bahn!!
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    2. Antwort von jean-claude albert heusser  (jeani)
      Herr Wyss, die S-Bahn ist nur ein Zusatz, deckt aber die City nich voll ab!
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    3. Antwort von M. Gall  (Galli)
      Gelenkbusse können um die 100 Personen befördern, die Doppelgelenkbuss sogar gegen 200 Personen. Das sind beachtliche Kapazitäten und die Busse sind ausseerdem flexibler als Trams, falls es mal eine Störung oder dergleichen gibt.
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    4. Antwort von Max Wyss  (Pdfguru)
      @Galli: Ein Doppelgelenkbus ist etwa das Maximum, was mit "Bus" kapazitätsmässig möglich ist. Das ist aber die "Einsteigergrösse" für Trams.

      Es gibt eine Überlappung, aber "Tram" ist eine Kapazitätsklasse höher.
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  • Kommentar von Kurt Siegenthaler  (Küre Siegenthaler)
    Warum wird nirgends erwähnt, was alles Dreckschleudern sind? Der alte Diesel sei an allem Schuld. Wie sieht es mit modernen Verbrennungsmotoren aus? Auch moderne 2-Räder (Roller) dürften selten besser als EURO 0-3 Motoren haben. Diese dürfen immer fahren, jedoch ein PKW mit Euro6d-temp wird dann verboten. Seltsame Sicht- und Denkweise von Fachpersonen und (noch) zuständigen Politikern. Dies ist auch in anderen Städten zu bestaunen....
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  • Kommentar von Roman Angermann  (Roman Angermann)
    Liebe SRF,

    warum fragen Sie einen Deutschweizer Experten (der möglicherweise einige Entwicklungen der letzten Jahre nicht auf dem Schirm hat) und nicht einen Experten der EPF Lausanne oder der Uni Genf zu diesem Thema?
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    1. Antwort von SRF News (SRF)
      @Roman Angermann Matthias Finger ist Professor an der ETH Lausanne (EPFL) und damit durchaus mit den Problemen der Region vertraut. Dass er im Video Schweizerdeutsch spricht, zeugt allenfalls von seiner Sprachgewandtheit.
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    2. Antwort von Martin Meier  (M.Meier)
      @SRF News: Naja, solch ein wahrer Experte scheint er ja nicht zu sein. Sieht man an den Kommentaren. Da wäre ein lokaler Experte wohl besser gewesen.
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    3. Antwort von SRF News editor
      @Martin Meier Die Antwort des Autoren Andreas Stuedli auf die Frage nach der Qualität des Genfer ÖVs: «Genf steht an einem Wendepunkt. Per Fahrplanwechsel wird der Léman Express eingeführt, eine Art grenzüberschreitender S-Bahn mit einer Linie, wie Zürich in den 1990er-Jahren, und zugleich eine neue Tramlinie, um die Pendlerströme in der Stadt besser fliessen zu lassen. Das zeigt, dass beide Ansichten (guter/schlechter ÖV) nicht Unrecht haben. Derzeit ist der Genfer ÖV sicherlich kompliziert, das zeigt der notwendige Ausbau. Dieser zeigt aber zugleich, dass Genf viel tut für den ÖV. Ein abschliessendes Urteil mahne ich mir nicht an, denn jede Stadt ist eigen und Genf kann man wirklich nicht mit Zürich, Basel oder Bern vergleichen.»
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    4. Antwort von Martin Meier  (M.Meier)
      @SRF News: Danke für Ihre Ausführungen und der qualitativ guten Antwort von Herrn Stuedli.
      So ist das Ganze Interview mit Herr Finger bereits realtiviert und entspricht eher den Tatsachen vor Ort.
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