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Bundesrat Alain Berset gibt Antwort zu den aktuellsten Massnahmen
Aus 10vor10 vom 04.03.2020.
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Massnahmen gegen Coronavirus «Es tut weh, solche Massnahmen treffen zu müssen»

Gesundheitsminister Alain Berset bekräftigt die Massnahmen der Behörden zum Schutz der verletzlichsten Risikogruppen.

Alain Berset

Alain Berset

Bundesrat

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Der 47-jährige Sozialdemokrat leitet seit 2012 das Departement des Innern (EDI) und war 2018 Bundespräsident. Zuvor war er als Ständerat für den Kanton Freiburg tätig und übte dort 2008/2009 das Amt als Ständeratspräsident aus.

Auch Anlässe mit mehr als 150 Personen sollen in den Kantonen überprüft werden. Warum ist das nötig?

Alain Berset: Die Kantone haben auch das Bedürfnis gehabt, eine Koordination zu finden. Der Bundesrat hat eine Verordnung vorbereitet für Anlässe mit über 1000 Teilnehmern. Aber bei unter 1000 Personen bleibt die Überprüfung Sache der Kantone.

Dieses Veranstaltungsverbot für über 1000 Personen gilt noch bis Ende nächster Woche. Wie lange wird es dauern, bis sich die Lage wieder normalisiert?

Es ist nicht einfach vorherzusagen, was kommt. Aber wir sehen, dass die Anzahl der Fälle steigt und wir werden kommende Woche im Bundesrat darüber diskutieren müssen. Wie es weitergeht, ist Sache des Gesamtbundesrats.

Gesundheit hat für den Bundesrat oberste Priorität.

Beim BAG spricht man davon, es dauere noch ein paar Tage und dann könne man die Infektionsketten nicht mehr nachverfolgen. Auf welche Schritte müssen wir uns danach gefasst machen?

Wir sehen jetzt, wie sich diese Krankheit in der Schweiz entwickelt. Es werden viel mehr Leute getestet und wir versuchen, die Leute zu schützen. Gesundheit hat für den Bundesrat oberste Priorität. Wenn es sich weiter so entwickelt, müssen wir auch an die verletzlicheren Bevölkerungsgruppen denken und Informationen geben, wie man sich am besten schützen kann. Man muss ehrlich sagen: von heute aus gesehen steigen die Infektionen. Das Ziel muss sein, dies zu bremsen, wo es möglich ist, damit der Druck auf die Spitäler nicht zu gross wird. Wir müssen mit Entschlossenheit arbeiten, aber auch mit Ruhe, und einen Schritt nach dem anderen machen.

Massnahmen wie in Italien, etwa Schulen zu schliessen, wäre das auch in der Schweiz aktuell bei einer Corona-Ausbreitung?

Nie ist etwas ausgeschlossen in einer solchen Situation. Was wir vom Coronavirus bis jetzt wissen zeigt, dass es nicht ein Problem für die Kinder ist. Bei der saisonalen Grippe sind Kinder eine Risikogruppe mit vielen Fällen. Beim Coronavirus scheinen sie geschützt zu sein. Das heisst, die Problematik ist anderswo. Darum müssen wir vor einem solchen Schritt auch zeigen, dass es wirkt, dass es etwas bringt. Wenn es nur darum geht, die Kinder nach Hause zu schicken zu den Grosseltern – die eine Risikogruppe sind – ist das vielleicht kein grosser Vorteil, um die Situation beseitigen zu können.

Es tut weh, solche Massnahmen treffen zu müssen.

Beim geltenden Veranstaltungsverbot fürchten ganze Branchen um ihre Existenz. Was sagen sie diesen Menschen?

Wir sind uns dieser Situation sehr bewusst. Es tut weh, solche Massnahmen treffen zu müssen. Ich kenne solche Anlässe, und bei gewissen Anlässen verschwindet damit die Arbeit von einem ganzen Jahr. Aber Gesundheit hat oberste Priorität und wir müssen auch die negativen Seiten dieses Virus, wirtschaftlich und sozial gesehen, beseitigen können. Wenn wir jetzt nichts machen würden, dann passiert etwas viel Schwierigeres, wie wir das in anderen Ländern gesehen haben. Wir versuchen, die negativen Folgen dieser Entwicklung zu mindern.

Das Gespräch führte Arthur Honegger.

Die Regelung für Veranstaltungen

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Bundesrat Alain Berset hat sich mit Vertretern der Kantone auf Entscheidungshilfen geeinigt für den Umgang mit noch zulässigen Veranstaltungen. Ziel war eine gewisse Vereinheitlichung der Kantonalen Regimes.

  • Die Durchführung von Anlässen mit 1000 oder mehr Teilnehmern in einem Raum bleibt bis am 15. März untersagt.
  • Bei Veranstaltungen mit weniger als 1000 aber mehr als 150 Personen sollen die Kantone zusammen mit den Veranstaltern eine Risikoabschätzung vornehmen. Bei 150 Besuchern könne ihre Identität noch erfasst werden kann.
  • Weiter wurde auch festgelegt, was überhaupt als Veranstaltung anzusehen ist. Dazu gehören Kongresse, Theater, Kino oder Zirkusse. Nicht darunter fallen der Schul- und Ausbildungsbetrieb, Bahnhöfe, Märkte oder öffentliche Verkehrsmittel.
  • Ältere Menschen sowie Personen mit beispielsweise hohem Blutdruck oder Diabetes seien besonders gefährdet, am Coronavirus zu erkranken. Ihnen wird empfohlen, nicht an Veranstaltungen teilzunehmen. Und: «Wer sich krank fühlt, soll aufgefordert werden, die Veranstaltung nicht zu besuchen.»

«10vor10» 04.03.2020; 21:50 Uhr; kurn;blac

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86 Kommentare

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  • Kommentar von Marc Puschmann  (mp.)
    In der Unibibliothek Basel wird jeder zweite Platz mit Absperrband blockiert und gleichzeitig sollen in den engen Hörsaalen, Vorlesungen mit 300 Leuten stattfinden.
    Eine einheitliche Regelung sollte doch möglich sein. Ausserdem ist es doch relativ wahrscheinlich dass irgendein Student sich den neuen Coronavirus in den Skiferien infiziert hat (auch in einem nicht betroffenen Gebiet gemäss BAG)
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  • Kommentar von Margrit Berger  (mberger)
    @ A.E. (weiterdenken) 08:27 - Das Eine tun, ohne das Andere zu lassen, meine ich. Der Klimawandel sollte uns zwar beschäftigen, doch wenn der Coronavirus nicht unter Kontrolle gehalten wird, werden noch weniger Mittel und Menschen als bisher zur Verfügung stehen, den Folgen des Klimawandels und dem Elend der Drittweltländer mit geeigneten Massnahmen zu begegnen.
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    1. Antwort von Andrea Esslinger  (weiterdenken)
      Wenn man NUR für den Klimawandel denkt, dann wäre es am besten, wenn SARS-CoV-2 oder ein wirklich gefährliches Virus möglichst viele Menschenleben kostet. Ihre Überlegung zielt deshalb in die falsche Richtung.
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    2. Antwort von Andrea Esslinger  (weiterdenken)
      Frau Berger, jeden Winter gibt es eine Grippepandemie. Die beginnt in der südlichen Hemisphäre, wenn dort Winter ist und endet in der nördlichen Hemisphäre, wenn bei uns Winter ist. Dabei sterben jährlich 290'000 bis 650'000 Menschen (WHO) ohne das die kriminalität steigt, Versorgungsengpässe entstehen oder Chaos ausbricht.
      Zudem: Jeder 10. Mensch leidet auch heute, ohne Versorgungsengpässe, an Hunger und uns kümmert's wenig.
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    3. Antwort von Margrit Berger  (mberger)
      @Frau oder Herr Esslinger, wer denkt denn NUR an den Klimawandel? Mir unverständlich, wie Sie aufgrund meines Eintrags zu diesem Schluss kommen!

      Was den weltweiten Hunger betrifft, ist mir die Hilfe sehr wohl ein Anliegen. Im Gegensatz zu dem von Ihnen genial befundenen Text des Landbotes (weiter unten 08:27) finde ich richtig, dass für "Drittweltländer Milliarden bereitgestellt werden".
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  • Kommentar von Margrit Berger  (mberger)
    @ A.E. (weiterdenken) 08:27 - Das Eine tun, ohne das Andere zu lassen, meine ich. Der Klimawandel sollte uns zwar beschäftigen, doch wenn der Coronavirus nicht unter Kontrolle gehalten wird, werden noch weniger Mittel und Menschen als bisher zur Verfügung stehen, den Folgen des Klimawandels und dem Elend der Drittweltländer mit geeigneten Massnahmen zu begegnen.
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