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Legende: Audio Hilfe bei der Dosierung finden Kinderärzte bei der Datenbank «SwissPedDose» abspielen. Laufzeit 04:32 Minuten.
04:32 min, aus SRF 4 News aktuell vom 15.04.2019.
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Medikamente für Kinder Kinderärzte helfen sich jetzt selber

Darum geht es: Die Pharmaindustrie testet kaum Medikamente für Kinder, weil es zu wenig lukrativ ist. Kinderärztinnen und -ärzte helfen sich in der Schweiz deshalb selber: Seit einem Jahr gibt es den Verein «SwissPedDose». Er betreut eine nationale Datenbank, die Empfehlungen sammelt, welches Medikament für welches Alter in welcher Dosis verabreicht werden kann. Jetzt zieht der Präsident des Vereins, Professor Christoph Berger vom Kinderspital Zürich, ein positives Fazit.

Kinder reagieren anders auf Medikamente: «Kinder sind nicht einfach kleine Erwachsene», sagt Berger. Deshalb könne man für die Dosierung eines Medikaments nicht einfach das Gewicht des Kindes als Massstab nehmen – man müsse auch die Entwicklung des kindlichen Körpers berücksichtigen. Bis vor Kurzem konnten sich die Kinderärzte wegen fehlender Studien bloss auf gesammelte Literatur und die Erfahrung stützen. Mit der Datenbank «SwissPedDose» könne jetzt Expertenwissen gezielt gesammelt und ausgewertet werden, so Berger.

Viel mehr Informationen: Im Rahmen der Datenbank besprechen sich die Experten der acht grossen Kinderkliniken der Schweiz regelmässig und tauschen ihre Erfahrungen aus. Auf diese Weise stellen sie etwa fest, dass ein gewisses Medikament in Genf und Zürich für Kinder unterschiedlich dosiert wird – und suchen aufgrund der vorhandenen Grundlagen und Argumente eine gemeinsame Dosierungsempfehlung. Inzwischen liegen in der Datenbank rund 200 Dosierungsempfehlungen für 60 Wirkstoffe vor, auf welche die Schweizer Kinderärzte zurückgreifen können.

Pharma ist gefordert: Trotz der Datenbank «SwissPedDose» betont Professor Berger, wie wichtig es wäre, dass mehr Studien über die Verabreichung von Medikamenten an Kinder durchgeführt würden. Es herrsche Konsens, dass hier mehr getan werden müsse. Auch die Behörden haben das erkannt und verlangen von Pharmaunternehmen im Rahmen des Zulassungsprozesses von Medikamenten zunehmend auch Studien über die Kinderverträglichkeit.

Aufwendig und teuer: Grundsätzlich ist es schwierig, Medikamentenstudien für Kinder durchzuführen: «Es gibt Neugeborene, Säuglinge, kleine Kinder, ältere Kinder – für jede Altersgruppe braucht es Studien», sagt Berger. Es sei für die Pharmafirmen deshalb finanziell nicht interessant, solche durchzuführen. Deshalb gehe es nur langsam voran. Trotzdem geht Berger davon aus, dass die Zahl der Studien und Unterlagen künftig zunimmt. Eine weitere Quelle für Informationen ist die internationale Zusammenarbeit – denn das Problem mit der Medikamentendosierung für Kinder haben auch andere Länder.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Klaus Waldeck (kdwbz)
    Bei kassieren ist die Pharmaindustrie auf jeden Fall immer ganz vorne dabei. Es stimmt schon sehr traurig das es erst die (lobenswerte und verantwortungsbewusste) Initiative der Kinderärzte braucht um etwas zu bewegen. Was macht eigentlich die SwissPharma und das BAG um solche Lücken zu schliessen ?
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    1. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      Ich finde es gut, auch eine Demokratie enthebt uns nicht Eigeninitiativen zu starten, Herr Waldeck. Je mehr die Menschen sich bewusst werden, dass, auch die Medikamentendosierung nicht in Stein gemeisselt ist, und das weniger ausser eben bei AB und ein paar wenig weiteren Medis, oft mehr ist und die gute Dosierung oft erst gefunden werden soll und darf .... sind wir schon um einige Schritte weiter. Denn Jeder und Jede ist einzigartig. Das nennt sich in meiner Sprache Autogestion.
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Ein gute Idee, die noch um folgende Gruppen erweitert geht, die Alten und die Frauen. Das wäre dann die Aufgabe der inneren Medizin, der Altersmedizin und der Frauenheilkunde.
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    1. Antwort von T. H. Isaak (cuibono)
      Und die multimorbiden, chronisch kranken Patienten, über die es gar keine Daten gibt.
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    2. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      Sie haben völlig recht Frau/Herr Isaak. Oft wäre da weniger mehr und regelmässige Standortbestimmungen, was es denn wirklich braucht und von dem sowenig als nötig und was weggelassenwerden kann, wichtig. Altersmedizin, ist ja oft mit ‚unterschiedlichen‘ Erkrankungen konfrontiert, die aber genaugenommen verschiedene Krankheiten nur sind, weil die Medizin den Zusammenhang nicht macht oder machen will. Der gemeinsame Nenner ist der Mensch, der diese Symptome hat. Das wäre eine andere Geschichte.
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  • Kommentar von Beat. Mosimann (AG)
    Es erstaunt wirklich, dass das HEUTE ein Tema ist.!. E. V. habe ich meine Kinder überdossiert behandelt, und ihr wundert EUCH, warum sich junge ELTERN, IMPFUNGen der nächsten Generation genauer überlegen. Die genauen Inhaltsstoffe und deren Wirkung sollten verständlicher Beschriftet werden, auch die Konservierung - Stoffe, die mit injiziert werden.
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    1. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      Da kann ich Ihnen nur zustimmen Herr Mosimann. Ausser bei Antibiotika kann man gut auch mit ganz wenig anfangen .... und beobachten. Sicher bei uns Erwachsenen, gerade BD-Senker da darf man sich der richtigen Dosierung annähern .... Das Gleiche gilt es natürlich auch bei der Naturheilkunde zu berücksichtigen, weniger ist wirklich mehr und gar nichts ist oft sogar noch besser . Das Beste ist oft, Ausnahmen bestätigen die Regel, Ärzte weiträumig umfahren.
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