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Mehr Geld für den Staat Eine Erbschaftssteuer für die Klimajugend?

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Anstieg bei Erbschaften
Aus Tagesschau vom 13.12.2019.
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95 Milliarden Franken werden im nächsten Jahr in der Schweiz vererbt. Fünf Mal mehr als noch 1990. Aber wenig gestiegen sind seither die Einnahmen aus der Erbschaftssteuer: Viele Kantone haben sie für direkte Nachkommen ganz abgeschafft.

Über die Erbschaftssteuer lässt sich stundenlang und trefflich streiten. Darüber, was denn eigentlich Gerechtigkeit ist. Darüber, was Chancengleichheit ist. Darüber, weshalb Reiche immer reicher werden. Oder darüber, ob gute Eltern etwas für ihre Kinder beiseite legen oder ob gute Kinder keine Almosen brauchen.

Erbschaften für Alte

Fakt ist: Die meisten Erbschaften in der Schweiz gehen nicht an Kinder, sondern an Leute, die selber fast im Rentenalter stehen, schreibt der Ökonom Marius Brülhart diese Woche. Einfach darum, weil deren Eltern auch älter werden. Das mit der Chancengleichheit kann man bezüglich Erbschaften also wegräumen.

Fakt ist auch: Reiche werden nicht wegen Erbschaften reicher. Dafür gebe es kaum Hinweise, weiss Brülhart weiter und bezieht sich dabei auf etliche Studien, unter anderem auf den linken Ökonomen Thomas Piketty.

95 Milliarden Franken werden im nächsten Jahr in der Schweiz vererbt. Die Summe wird nochmals beeindruckend zunehmen, wenn die Babyboomer ihre Vermögen vererben – Vermögen, die in einer womöglich historisch einzigartigen Epoche der Vermögensakkumulation entstanden sind. Verlockend für die Allgemeinheit, sich davon ein Stück in die Staatskasse zu holen.

Verlockend – aber auch gerecht?

Sind Erbschaftsteuern gerecht? Es handelt sich um Vermögen, das bereits besteuert worden ist. Es ist tatsächlich schwer verständlich, weshalb der Staat nochmals hinlangen soll, wenn dieses Geld von der Mutter zur Tochter oder dem Vater zum Enkel fliesst.

Selbst urliberale Geister wie John Stuart Mill, Milton Friedmann oder die Schweizer FDP-Spitzenkraft Vreni Spoerry hielten dagegen: Wer erbt, hat nichts dafür tun müssen – das ist wie ein Lottogewinn. Während die Besteuerung der Arbeit eigentlich eine Bestrafung von Fleiss ist.

Wenn es also eine gerechte Steuer gibt, dann die Besteuerung des Erbes. 2015 jedoch hat das Schweizer Volk eine nationale Erbschaftssteuer an der Urne wuchtig verworfen.

Gegen einseitigen Generationenvertrag

Jüngere Menschen aber müssen von Lohnstagnation und von sinkenden Renten ausgehen. Sie bezahlen bereits heute mehr für die AHV als die Senioren – ganz zu schweigen von den Krankenkassen-Beiträgen. Der Generationenvertrag wird immer einseitiger. Er bedeutet heute: Jung subventioniert alt – Geld fliesst dahin, wo es schon ist.

Mit einer neuen Erbschaftssteuer könnte dieser Trend gebrochen werden. Ein wenig zumindest. Wie käme es beim Volk an, wenn eine neue Erbschaftssteuer als Teil des Generationenvertrags verstanden würde? Zur Senkung der AHV-Beiträge zum Beispiel. Oder für das Jugend- und Zukunftsprojekt schlechthin, die Rettung des Klimas.

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99 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    Ich habe ein paar Franken gespart. Ja gespart, nichts ist vom Himmel gefallen. Für jeden Franken habe ich gearbeitet und jeden habe ich versteuert, zuerst als Einkommen und anschliessend als Vermögen. Sollen nun, wenn ich dereinst nicht mehr da bin, diese Franken ein drittes Mal versteuert werden?
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    1. Antwort von Lukas Gubser  (Mastplast)
      Genau dass ist das Ziel der Diebe die das fordern.
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    2. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Kleine Erbschaften sollen unangetastet bleiben. Jedoch Erbschaften im zweistelligen Mio. Bereich sollten moderat besteuert werden.
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    3. Antwort von Michele Balotelli  (Balo)
      Nein, wenn Sie nur ein paar Franken gespart haben, müssten Sie gar keine Erbschaftssteuer bezahlen. Ohne hohen Freibetrag ist diese chancenlos.
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    4. Antwort von antigone kunz  (antigonekunz)
      Genau Herr Planta, gut, dass Sie das klarstellen. Es geht hier um Vermögen ab einer gewissen Höhe. Was darunter liegt wie auch kleinere Einkommen sollten steuerfrei sein. Wichtig dabei auch dass alle Formen von Einkommen besteuert werden auch die, die bisher immer sehr special und mit Samthandschuhen behandelt worden sind, wie die Gewinne und Dividenden. Denn es dürfte auch sauer aufstossen, dass wer durch Arbeiten Einkommen generiert mehr zu steuern hat als wer von anderer Arbeit profitiert?
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  • Kommentar von D. Zeller  (jaro)
    Die Bevölkerung durch Erbschaftssteuern zu plündern ist nicht redlich. Er reicht schon, dass u.a. durch hohe Krankenkassenprämien der Wohlstand, vor allem von Familien, geschmälert wird.
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  • Kommentar von Enrico Dandolo  (Doge)
    Erbschaftssteuern sind Sippenenteignung. Der Staat soll nur dort geld einziehen, wo er etwas dafür bietet, und ersteres auch nur ein Mal. Ob einer viel oder weniger für sein Geld geleistet hat, spielt dabei keine Rolle, denn der "Wert" einer persönlichen Leistung hat nicht der Staat zu bestimmen. Jedenfalls solange wir nicht den Sozialismus einführen. So gesehen: Einkommensteuer ja (Infrastruktur, Bildung, Rechtswesen)/ Kapitalsteuer ja (Schutz)/ Erbschaftssteuer nein.
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