Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Kaum verdichtetes Bauen in den Städten abspielen. Laufzeit 03:00 Minuten.
03:00 min, aus Rendez-vous vom 26.03.2019.
Inhalt

Mehrwertabgabe in der Schweiz So könnte Städten verdichtetes Bauen schmackhaft gemacht werden

Durch die Mehrwertabgabe soll in Städten mehr verdichtet gebaut werden. Vorzeigebeispiel ist der Stadtstaat Singapur.

In den Schweizer Städten herrscht grosse Wohnungsnot. Eine mögliche Verbesserung soll das verdichtete Bauen schaffen. Neue Zahlen der Zürcher Kantonalbank zeigen nun aber, dass das vorderhand ein Wunsch bleibt. Im Gegenteil: Die Baugesuche für Mietwohnungen in den Städten sind im zweiten Halbjahr 2018 drastisch eingebrochen.

In Genf wurden beispielsweise zwei Drittel weniger Baugesuche bewilligt, in Zürich ein Drittel weniger und in Basel und Lausanne um die 20 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum 2017. In ländlichen Gegenden hingegen wird weiter wie wild gebaut – dort, wo niemand mieten will.

Wenn verdichteter gebaut wird, verursacht dass natürlich auch Kosten.
Autor: Ursina KubliImmobilienexpertin

Hohe Kosten

Ursina Kubli leitet bei der ZKB die Abteilung Immobilien-Research. Einen Grund für den Bau-Krebsgang in den Städten sieht sie darin, dass die Städte zurückhaltend seien im Ermöglichen von verdichteten Quartieren.

Freies Land ist in den Städten ja nicht mehr vorhanden. Um dichter zu bauen, müssen bestehende Bauzonen sogenannt aufgezont werden. «Wenn verdichteter gebaut wird, verursacht das natürlich auch Kosten», so Kubli. Diese Kosten, die die Städte scheuen, würden sich aus vielen Faktoren zusammensetzen. «Es sind mehr Menschen, die da wohnen. Es braucht Strassen, Anbindungen an den öffentlichen Verkehr.»

Wenn gute Projekte rauskommen, hilft das sicherlich, den Leuten gewisse Ängste vor verdichtetem Bauen nehmen zu können.
Autor: Ursina KubliImmobilienexpertin

Um diese Kosten abzudecken, schlägt die ZKB vor, dass jene, denen das Bauland gehört, überall in der Schweiz eine gleich hohe Abgabe zahlen. Die Begründung: Bauzonen, auf denen man verdichtetes Bauen erlaubt, sind plötzlich viel mehr wert. Diese Abgabe nennt sich Mehrwertabgabe – an bestimmten Orten gibt es sie schon. Aber eben nicht überall und oft zu tiefen Sätzen, findet Kubli.

Wozu dient die Mehrwertabgabe?

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Wird ein Grundstück neu als Bauland eingezont, gewinnt es stark an Wert. Kantone müssen künftig mindestens 20 Prozent dieses Mehrwerts abzuschöpfen. Diese Zahlung wird aber nicht sofort fällig, sondern erst, wenn das neu eingezonte Grundstück verkauft oder überbaut worden ist und die Eigentümer den Gewinn erzielt haben. Die Kantone und Gemeinden verwenden die Mehrwertabgabe, um jene Eigentümer abzugelten, die Anspruch auf eine Entschädigung haben, weil ihre Grundstücke aus der Bauzone rückgezont wurden und dadurch an Wert verloren haben. Je nach Situation kann das Geld auch für die Gestaltung öffentlicher Plätze, Pärke oder von Strassen eingesetzt werden. Ein gutes Beispiel dafür ist Bern-Brünnen. Aufgrund von Verträgen, welche die Stadt mit Grundeigentümern abgeschlossen hatte, entstanden attraktive Parkanlagen und Plätze. In Bern-Brünnen wird neben dem bekannten Einkaufszentrum Westside Wohnraum für gut 2‘500 Personen geschaffen.

Weniger Skepsis vor verdichtetem Bauen

Für die Spezialistin ist diese Mehrwertabgabe nicht nur ökonomisch sinnvoll, sondern bezweckt noch etwas anderes: «Wenn gute Projekte rauskommen, hilft das sicherlich auch, den Leuten gewisse Ängste vor verdichtetem Bauen nehmen zu können.»

Die verdichteten Wohnprojekte würden in der Bevölkerung mehr Akzeptanz erhalten, weil die indirekte Mehrwertabgabe nicht etwa in den allgemeinen Haushalt fliesst, sondern in den Quartieren investiert wird, wo verdichtet gebaut wird. Zum Beispiel für Grünanlagen, Horte, Schulen und so weiter.

Skyline von Singapur.
Legende: In Singapur funktioniert die Mehrwertabgabe; der Stadtstaat kann als Vorbild gesehen werden. Keystone

Die Stadt Singapur zeigt, dass das Instrument funktioniert. Die Stadt schöpft seit den 90er-Jahren 70 Prozent ab. An einem sehr hohen Satz haben die Baulandbesitzer natürlich keine Freude. Sie müssen die Abgabe ja bezahlen. Ist sie zu hoch, hält sie das eventuell davon ab, verdichtete Bauprojekte umzusetzen. Aber: «Ist der Satz zu gering, könnten die Gemeinden zurückhaltend sein mit Aufzonungen», so Kubli.

Wo der richtige Satz für diese Abgabe liegt, damit in den Städten verdichteter gebaut wird, darüber wird zum Beispiel im Kanton Zürich zur Zeit heftig gestritten.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

30 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Peter Singer (P.S.)
    Verdichtung kann durchaus die Lebensqualität erhöhen. Beispielsweise ist eine Altstadt sehr dicht gebaut und meist auch sehr beliebt. Es gibt ein gutes Angebot an Kultur und Gastronomie, alles ist in Gehdistanz. Wenn man mehr Verdichtung zulassen würde, dann würde sich auch das Problem der Wohnungsnot erledigen und die Mieten würden endlich sinken. Ganz zu schweigen davon, dass die Zersiedelung gestoppt wird und die Pendlerwege kürzer werden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Peter Amthauer (Peter.A)
      Das mit dem Verdichten müssen die Menschen auch wollen. Dichtestes ist nicht zu unterschätzen. Zudem muss darauf geachtet werden, dass das Mikroklima zumindest nicht schlechter wird. Mit der Verdichtung nimmt auch die Verschärfung zu. Alles Faktoren, die man berücksichtigen muss.
      MfG
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Ruedi Hammer (Ruedi Hammer)
    Zahlen tut es ja immer noch nur der Mieter. Wer denn sonst?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Ueli Lang (Wochenaufenthalter)
    Bisschen komisch die ganze Verdichtungssache! Pausenlos wird geschrieben, dass alle das wollen. Nur wenns dann um die Umsetzung geht findet sich niemand, der es noch will. Wer hat schon Lust in eine Wand zu stieren! Verdichtung JA, aber bitte schön nur dort, wo es uns selbst nicht betrifft, also beim anderen! So wird das nicht funktionieren, ebensowenig wie sich die Probleme die damit verbunden sind, wegreden lassen! Die sind eben grösser und wesentlich zahlreicher, als die wenigen Vorteile!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Peter Singer (P.S.)
      Stimmt nicht ganz. Sehen Sie sich beispielsweise mal Zürich an: Fie besonders dicht gebauten Quartiere wie Kreis 4/5 und die Altstadt sind extrem beliebt. Verdichtung kann durchaus die Lebensqualität erhöhen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen