Zum Inhalt springen

Header

Inhalt

Mindestlohn im Tessin Alle Arbeitnehmer sollen würdig leben können

  • Der Grosse Rat des Kantons Tessin stimmt der Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns mit 45 zu 30 Stimmen zu.
  • Der vereinbarte Mindestlohn soll in den nächsten vier Jahren Schritt für Schritt erhöht werden.
  • Der Mindestlohn-Betrag wird als Medianlohn nach Tätigkeiten und Branchen festgelegt.
  • Der Tessin ist nebst Neuenburg und Jura der dritte Kanton, der das «würdige Leben» seiner Arbeitnehmer auf Gesetzesstufe regelt.
Video
Mindestlohn in der Schweiz: Fluch oder Segen?
Aus Handelszeitung Standpunkte vom 16.02.2014.
abspielen

Nur gut die Hälfte der Angestellten ist in der Schweiz durch einen GAV geschützt. Von den 5 Millionen Erwerbstätigen unterstehen nur 1.7 Mio. einem GAV-Mindestlohn. Im Kanton Tessin regelt nun der Gesetzgeber, wo die Untergrenze für ein würdiges Einkommen liegt. Nach einer mehrstündigen, teils gehässigen Debatte stimmte der Tessiner Grosse Rat einem dynamischen Minimallohn zu und setzt so den Volkswillen von 2015 um.

Der debattierte Vorschlag der Regierung sieht einen Mindestlohn für alle Arbeitnehmer zwischen 18.75 und 19.25 Franken vor.

Der «misslungene Kuchen»

Der Mindestlohn im Kanton Tessin soll nicht wie in den Kantonen Neuenburg und Jura «fix» sein, sondern in den nächsten vier Jahren sukzessive erhöht werden. Es handle sich um einen «differenzierten Mindestlohn», betonten die Vertreter der Regierung.

Dem Entscheid war eine rund vierstündige Debatte vorausgegangen – mit zum Teil heftigem Schlagabtausch. Mehrere Parteienvertreter verglichen den Vorschlag der vorberatenden Kommission mit einem «misslungenen Kuchen».

Wirkt sich positiv auf Arbeitslosigkeit aus

Im Juni 2015 hatte das Tessiner Stimmvolk die Volksinitiative «Salviamo il lavoro in Ticino!» angenommen. Der geplante Verfassungsartikel sieht vor, dass jede Person ein Recht auf einen Mindestlohn hat, der einen «würdigen Lebensstil» sichert.

Zudem verlangt die Initiative, dass die Regierung einen Mindestlohn in einem Verhältnis zum Medianlohn je nach Tätigkeit und Branche festlegt, wenn dieser nicht durch einen Gesamtarbeitsvertrag bestimmt ist. Am Ende der Legislatur möchte die Regierung den Effekt des Mindestlohnes auf den Tessiner Arbeitsmarkt überprüfen.

Laut der Gewerkschaft Unia hat sich die Einführung einer gesetzlichen Lohnuntergrenze 2017 im Kanton Neuenburg entlastend auf die Arbeitslosenquote ausgewirkt. Auch die Ausgaben für Sozialhilfe gingen 2018 in Neuenburg gegenüber dem Vorjahr zurück. Besonders profitieren sollen gemäss Arbeitsexperten Frauen, da sie überdurchschnittlich oft in Tieflohnbranchen und Teilzeit arbeiten.

Kampf dem Lohndumping

Das Tessin gilt generell als Tieflohn-Kanton. Fast ein Viertel aller Stellen im Kanton sind Tieflohnstellen. Der Mittelwert für die gesamte Schweiz liegt bei zehn Prozent.

Die Mindestlöhne in Neuenburg und im Jura wurden auf Basis der Richtlinien für die Ergänzungsleistungen (EL) ermittelt. Diese gehen von dem aus, was ein erwachsener Mensch braucht, um über der Armutsgrenze leben zu können.

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

7 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Lothar Drack  (samSok)
    Mir scheint klar, dass beim Thema Mindestlohn man im Tessin dazu neigt, für seinesgleichen plus Familienangehörige zu denken, Grenzgänger aber gedanklich ausschliesst. Sein/Ihr Chef stellt derweil gerne ebendiese Grenzgänger/-innen zu Dumpinglöhnen ein (teilweise gar ohne die obligat. Sozialversicherung, wie es Lega-Chefs jahrelang praktiziert haben).

    Die Haltung „wir schon, die aber nicht“ überwiegt oft im Alltag, während man abends „drüben“ gern noch schnell günstig einkaufen geht...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von A. Keller  (eyko)
    Es geht um Missbrauch, Lohndumping und europäische Billigkonkurrenz. Im Tessin sind das längst Top-Themen. Italienische Grenzgänger verdienen im Tessin oft nur 3.000 Fr. pro Monat, das reicht nicht für ein Leben in der Schweiz. Sehr wohl aber für eines in Italien. Universitätsabgänger aus Italien, die im Tessin für 1.000 Franken pro Monat als Praktikanten angestellt werden. Handlanger die immer häufiger Fachkräfte ersetzen. Ein Missbrauch mit dem der Tessiner nicht konkurieren kann.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Eva Werle  (Eva Werle)
      ganz offensichtlich greifen die flankierenden massnahmen nicht oder man will arbeitgebern diese möglichkeit, personalkosten zu sparen nicht nehmen. beides eine aufgabe der politik.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von A. Keller  (eyko)
    Momentan fahren täglich 63 000 italienische Grenzgänger ins Tessin zur Arbeit. Damit machen sie etwas mehr als einen Viertel der Werktätigen im Südkanton aus. Ohne die Frontalieri würden etliche Strukturen kaum funktionieren, gleichzeitig verstärkt sich durch ihre Präsenz der Lohndruck auf Einheimische. Zudem besteht das Risiko, dass neu geschaffene Stellen oder Arbeitsaufträge direkt an Italiener vergeben werden. Lohndumping und Billigkonkurrenz beschäftigen Politiker und Bevölkerung. PFZ?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen