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Aus Schweiz aktuell vom 14.05.2019.
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Mindestlohn-Trick in Genf Büezer müssen Mindestlohn mit dem Chef teilen

Lohndumping auf einer Grossbaustelle des Kantons Genf: Ein Chef bedient sich nachträglich an korrekt gezahlten Löhnen.

310 Millionen Franken. So viel kostet das neue Tram- und Busdepot im Kanton Genf, an dem über 200 Arbeiter bauen. Trotzdem gebe es teilweise «Hungerlöhne», reklamiert nun die Gewerkschaft Unia: «Hier haben wir es mit einer besonders skrupellosen Elektrofirma zu tun, welche nach unserem Wissen ihren Arbeitern statt 25 Franken Mindestlohn nur gerade acht bis zehn Franken pro Stunde bezahlt», empört sich Alessandro Pelizzari, Sekretär Unia Genf.

Auf den Lohnabrechnungen, welche die Firma Zaffaroni ausstellt, habe alles seine Ordnung: 4350 Franken Monatslohn, was dem Mindestlohn entspreche.

Mann vor Mikrofon.
Legende: «Hier haben wir es mit einer besonders skrupellosen Elektrofirma zu tun», so Alessandro Pelizzari, Sekretär Unia Genf. Keystone

Holt sich Firma Löhne zurück?

Ein betroffener Arbeiter: «In Italien mussten wir Bankkonten eröffnen, wohin unsere Löhne überwiesen worden sind. Unser Chef aber konnte direkt von diesen Konten einen Teil des Lohnes wieder abziehen, also zurückholen. Das war der Deal. Wäre ich den Deal nicht eingegangen, hätte ich den Job in der Schweiz nicht bekommen.»

Ein italienischer Geschäftspartner der Baufirma Zaffaroni hat mit einer Bankkarte Zugang zu den Lohnkonten und das Geld abgehoben. «Je nach Monat sind so 1000 bis 1500 Euro direkt vom Lohnkonto verschwunden», sagen mehrere Zaffaroniangestellte.

Nus auf Strasse.
Legende: Die Verantwortlichen bei den Genfer Verkehrsbetrieben TPG schreiben: «Die Genfer Verkehrsbetriebe haben einen Sozialfonds für die betroffenen Arbeiter eingerichtet. Ausbezahlte Gelder werden von fehlbaren Baufirmen zurückgefordert.» Keystone

Laut Unia sollen 50 Mitarbeiter von Zaffaroni betroffen sein. Alle aus Süditalien, alle sind auf die Genfer Baustelle des Tram- und Busdepots korrekt «entsandt» worden. So, wie das in den bilateralen Verträgen mit der EU geregelt ist. Pelizzari zu SRF: «Dass eine Firma einen Drittel des ausbezahlten Lohnes wieder einzieht, so einen Fall gab es noch nie in Genf. Wir haben dies nur dank lückenlosen Kontrollen erfahren.»

Ein ähnlicher Trick, wie ihn auch die Gipserfirma Goger in der Deutschschweiz angewendet haben soll. Ebenfalls die Firma IL Plattenleger Ignat GmbH mit Sitz in Feuerthalen/ZH. Sie präsentierte den Kontrolleuren korrekte Verträge, aber bezahlte die Löhne in dieser Höhe gar nicht erst aus, wie der «Kassensturz» berichtet.

«Wir haben keine Ahnung von diesen Praktiken. Die italienischen Elektriker haben wir über eine Temporärfirma in Italien angestellt. Sollten die Arbeiter um ihr Geld gebracht worden sein, müssen sie Anzeigen einreichen», sagt Salvatore Amore, Sprecher von Zaffaroni in Gingins (VD) gegenüber Schweiz aktuell.

Fabrice Berney sitzt in der sogenannten paritätischen Arbeitskommission. Mittels diesem Gremium kontrollieren Arbeitgeber und Gewerkschaften gemeinsam die Einhaltung der Löhne. Berney ist sauer: «Wenn eine Baufirma die Lohnbestimmungen verletzt, schädigt sie damit auch die Konkurrenz, denn sie holt sich einen Wettbewerbsvorteil.» Die Kommission erwarte von den Genfer Verkehrsbetrieben, Zaffaroni die Arbeit zu entziehen.

Baustelle
Legende: Laut Unia sollen 50 Mitarbeiter von Zaffaroni betroffen sein. Alle aus Süditalien, alle sind auf die Genfer Baustelle des Tram- und Busdepots korrekt «entsandt» worden, so, wie das in den Bilateralen Verträgen mit der EU geregelt ist. SRF

Die Verantwortlichen bei den Genfer Verkehrsbetrieben TPG wollen «Schweiz aktuell» kein Interview geben, schreiben aber: «Die Genfer Verkehrsbetriebe haben einen Sozialfonds für die betroffenen Arbeiter eingerichtet. Ausbezahlte Gelder werden von fehlbaren Baufirmen zurückgefordert.»

560’000 Franken war die Offerte von Zaffaroni an die Genfer Verkehrsbetriebe tiefer als die nächst höhere, dafür sind nun Dutzende von Arbeitern geschädigt und ein langer Rechtsstreit ist nicht ausgeschlossen. Bis heute haben die Arbeiter nichts vom fehlenden Lohn gesehen.

Legende: Video Fälle von Lohndumping in der Schweiz: Was tut die Politik? abspielen. Laufzeit 05:28 Minuten.
Aus 10vor10 vom 14.05.2019.
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39 Kommentare

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  • Kommentar von Werner Christmann  (chrischi1)
    Die neoliberalen Kolonialverträge mit der EU laden ja förmlich zu solchem Treiben ein. Europaweite öffentliche Ausschreibung von Aufträgen + PFZ. Die Aufträge gehen an den billigsten Ausländer, der dann seine Arbeiter nicht bezahlt weil für ihn ansonsten kein Profit herausschaut. Habhaft kann man diesen Gaunern auch nicht werden. Die hochgelobten flankierenden Massnahmen sind doch einzig ein Valium für die Gutgläubigen.
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  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    Tolle Perspektiven für das RA mit der EU: Die Löcher zum Durchschlüpfen für fieses Lohndomping würden noch grösser. Die Idee der EU ist ja, die Meldezeit für ausländischen Firmen von 8 auf 6 oder sogar nur auf 4 Tage zu reduzieren. Ergo hätten die Kontrolleure noch weniger Zeit, um Unregelmässigkeiten und den geplanten "Bschiss" zu erkennen. Beschämend.
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  • Kommentar von Adrian Flükiger  (Ädu)
    Was für eine lausige Situation. Irgendwie auch nicht weiter erstaunlich, dass dieser Fall im Kanton Genf aufgedeckt wird. Ein Kanton ausser Rand und Band wegen eines völlig unhaltbaren RR Namens Maudet.
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    1. Antwort von L. Leuenberger  (L.L.)
      "Ein ähnlicher Trick, wie ihn auch die Gipserfirma Goger in der Deutschschweiz angewendet haben soll. Ebenfalls die Firma IL Plattenleger Ignat GmbH mit Sitz in Feuerthalen/ZH. Sie präsentierte den Kontrolleuren korrekte Verträge, aber bezahlte die Löhne in dieser Höhe gar nicht erst aus, wie der «Kassensturz» berichtet."...etc. Es ist ein gewaltiger Fehler im System EU, der sich mit den falsch abgewickelten Bilateralen Verträgen auch in der CH eingenistet hat. Flankierende leider ausgedient.
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    2. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      @Leuenberger: Das hat weder mit der EU noch mit den Bilateralen Verträgen das Geringste zu tun. Wenn Betrüger unterwegs sind, ist es immer eine Frage ob auch jemand da ist, der ihnen wirksam das Handwerk legt. Das ist in der CH Aufgabe der CH- Behörden und nicht der EU. Das gilt in allen 3 geschilderten Fällen, weil in all den Fällen das Vergehen auf CH- Boden begangen wurde. Die betroffenen Arbeitnehmer müssen den Lohn vor dem Arbeitsgericht einfordern. Das ist nicht aufwändig.
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