Zum Inhalt springen

Header

Audio
EDA verschiebt 35 Stellen ins Aussennetz
Aus HeuteMorgen vom 05.02.2021.
abspielen. Laufzeit 01:50 Minuten.
Inhalt

Mini-Vertretungen im Ausland Kleine Schweizer «Laptop-Botschaften» sollen aufblühen

Die Schweiz will ihre Vertretungen im Ausland stärken: Das EDA verschiebt 35 Stellen aus Bern in die weite Welt.

Rund 170 Botschaften, Konsulate, Kleinstvertretungen auf der ganzen Welt: Die Schweiz ist mit einem vergleichsweise dichten Netz von Vertretungen im Ausland präsent. Das engmaschige Aussennetz habe sich gerade in der Krise bewährt, schreibt nun der Bundesrat in seinem Aussenpolitischen Bericht. Allerdings seien manche Vertretungen «personell zu wenig durchhaltefähig».

Daher reagiert der Bund jetzt mit einem Ausbau. Das Eidgenössische Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) schreibt auf Anfrage von Radio SRF: «Geplant ist, 35 Stellen in den kommenden vier Jahren von der EDA-Zentrale ins Aussennetz zu verschieben.» Zum Vergleich: Insgesamt arbeiten rund 6000 Angestellte in der EDA-Zentrale und der ganzen Welt.

Rascherer Einsatz in Krisensituationen

Der Nutzen des Schweizer Aussennetzes habe sich gerade in der Corona-Pandemie gezeigt, schreibt das EDA: Die Vertretungen im Ausland halfen im letzten Frühling bei der Rückführung von über 7000 Personen aus der Schweiz im Ausland. Es war die grösste Rückholaktion der Schweizer Geschichte.

Aber auch bei der humanitären Soforthilfe in Entwicklungsländern, wo die Folgen der Pandemie am schwerwiegendsten seien, hätten sich die Schweizer Vertretungen bewährt. Profitieren von der Stellenverschiebung sollen nun gemäss der aussenpolitischen Strategie des Bundesrats einerseits Vertretungen in «schwierigen Kontexten», also in Ländern etwa, die von Konflikten und Gewalt geprägt sind.

Klein- und Kleinstvertretungen (...) müssen in der Lage sein, einsatzfähig zu bleiben, auch wenn eine Krise wie die gegenwärtige Pandemie andauert.
Autor: Stellungnahme des EDA

Andererseits sollen nach Angaben des EDA auch gezielt Kleinstvertretungen aufgestockt werden – die sogenannten «Laptop-Botschaften», auf denen manchmal nur ein einziger Botschafter, eine einzige Botschafterin mit ein paar lokalen Angestellten arbeitet. «Es handelt sich um Klein- und Kleinstvertretungen, die über zu wenig versetzbares Personal verfügen. Sie müssen in der Lage sein, einsatzfähig zu bleiben, auch wenn eine Krise wie die gegenwärtige Pandemie andauert», schreibt das EDA.

Von der Finanzkontrolle einst kritisiert

Das ist eine Kehrtwende: Just mit diesen Kleinstvertretungen wollte das EDA ursprünglich sparen. Die auf ein Minimum reduzierten Vertretungen weckten vor zwei Jahren allerdings die Kritik der Eidgenössischen Finanzkontrolle: So würden bloss Ressourcen breit gestreut, ohne dass damit Grösseres bewirkt werde. Den Kleinstvertretungen fehle es an Profil und Sichtbarkeit.

Dass nun die eine oder andere Kleinstvertretung aufgewertet werden könnte, begrüsst die Präsidentin der Aussenpolitischen Kommission (APK), die Grünliberale Nationalrätin Tiana Angelina Moser, auch wenn dafür Stellen in der Berner EDA-Zentrale verschwinden: «Ich befürworte eine Stärkung des Schweizer Aussennetzes grundsätzlich, weil ich überzeugt bin, dass dies für die global orientierte Schweiz sehr wichtig ist.»

Das müsse nicht zwingend eine Schwächung der Zentrale bedeuten, so Moser. «Es wird an der Aussenpolitischen Kommission sein zu diskutieren, wie eine Win-win-Situation sichergestellt werden kann.» Welche Vertretungen in welchen Ländern gestärkt werden, lässt das EDA offen.

Moser im Interview: «Neuausrichtung ergibt Sinn»

Tiana Angelina Moser
Legende: Tiana Angelina Moser (GLP/ZH), Präsidentin der APK, begrüsst die Stellenverlegung ins Ausland. Keystone/Archiv

SRF News: Das EDA möchte 35 Stellen aus der Zentrale in die Vertretungen im Ausland verschieben – eine gute Idee?

Tiana Angelina Moser: Ich befürworte sehr, dass der Bund eine engagierte Aussenpolitik anstrebt, und damit auch, dass er das Aussennetz stärken möchte. Es ist sinnvoll, dass man auch das diplomatische Personal entsprechend platziert. Wir werden dann diskutieren, was das für die Zentrale in Bern konkret bedeutet.

Mit den Kleinstvertretungen wollte das EDA Sparvorgaben umsetzen. Ist ihre Stärkung nun nicht eine Abkehr davon?

Es ist insofern eine Neuausrichtung, als explizit das Aussennetz gestärkt werden soll und nun Kleinstvertretungen aufgewertet werden – womit man weniger solcher Kleinstvertretungen hat. Das ergibt Sinn. Ich lese das auch ein Stück weit als eine personelle Folge der Aussenpolitischen Strategie 2020-2023 des Bundesrats: Diese sieht ausdrücklich eine Präsenz auch in neuen, teilweise auch in krisenanfälligen Regionen vor.

Welche Vertretungen in welchen Ländern müssten Ihrer Meinung nach gestärkt werden?

Die Stärkung müsste sich an der Aussenpolitischen Strategie orientieren. Diese legt klar einen gewissen Fokus auf die Beziehungen zu den europäischen Ländern; sie sieht aber auch eine Stärkung der MENA-Region vor, also des Nahen und Mittleren Ostens sowie Nordafrikas. Ich gehe davon aus, dass man diese Regionen entsprechend in den Fokus nehmen wird.

HeuteMorgen, 05.02.2021, 06:00 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Urs Petermann  (Rhf)
    Ich freue mich dann auf die Mikro-Botschaften; die benötigen nur noch ein Smartphone! (Ironie off)
  • Kommentar von René Rohr  (Bergbiber)
    Die Idee finde ich super.
    Wenn es aber eine NICHT funktionierende Botschaft ist, dann wäre es nur verschleudertes Geld.
    Am 16.März 2020 begab es sich, dass wir in Riga schlagartig unsere Ferien abbrechen mussten, da eine Pandemie ausbrach.
    Ab dem 17.März wäre kein Flug in Richtung Schweiz zu bekommen gewesen.
    Der Herr in der Botschaft wusste gar nichts und empfahl uns auszuharren!
    Die Heimreise organisierten wir dann selber. Per Flugzeug!
    Ich möchte mir nicht eine echte Krise vorstellen!!!
    1. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Mal ehrlich, was hätte denn der Herr vom EDA für sie tun sollen - nachdem ja selbst am 16. März 2021 in der Schweiz die Situation mehr oder weniger unklar war? Ihnen die Heimreise organisieren? Sie anhalten heimzureisen - ohne aus der Zentrale, sprich vom Gesamtbundesrat konkrete Weisungen erhalten zu haben, wie mit den Schweizern auf Reisen im Ausland umzugehen ist? Nachdem Sie ja selber zu einem Zeitpunkt ins Ausland gereist sind, an dem schon längstens klar war, dass so was Risiken birgt!
    2. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Lang: der 6. März 2021 ist tatsächlich noch unklar:-)
  • Kommentar von Adrian Müller  (Andymüller)
    Ich finde es gut das es mehr vertretungen von der schweiz gibt im ausland. Ich wohne jetzt seit knapp 34 jahre in spanien. Da ja viele meiner schweizer landsleute der spanischen sprache nicht mächtig sind, wurde ich schon viel gefragt zum helfen. Aber ich musste zum glück no nie bis jetzt hilfe für mich beanspruchen bei einer schweizer vertretung. Nur für pass und id karte erneuern musste ich nach barcelona oder madrid. Aber ich weiss von anderen das die vertretungen einen guten job machen.