Zum Inhalt springen

Header

Video
Gefahr Mischkonsum
Aus Schweiz aktuell vom 31.03.2021.
abspielen
Inhalt

Mischkonsum bei Jugendlichen Wodka mit Xanax: Polizei bekämpft Medikamenten-Missbrauch

Der tödliche Konsum von Medikamenten mit Alkohol hat bei Schweizer Jugendlichen zugenommen. Luzern setzt auf Prävention.

«Ich wollte nicht nüchtern sein, in meinem Leben waren damals zu viele Dinge im Arsch. Mit den Medikamenten zauberte ich mir einen Rausch heran, der alles wieder gut machte.» So beschreibt ein junger Mann namens Leandro seine Sucht nach Medikamenten gegenüber SRF Virus. Es sei darum gegangen, die Gefühle zu betäuben. Wie Leandro geht es auch vielen anderen Jugendlichen in der Schweiz. Der missbräuchliche Konsum von Beruhigungsmitteln wie Xanax oder Hustensirups wie Makatussin – besser bekannt als Benzos und Codein – hat zugenommen.

Es droht der Erstickungstod

Richtig gefährlich wird es, wenn die Medikamente zusammen mit Alkohol konsumiert werden. Allein im letzten Jahr starben in der Schweiz acht Jugendliche wegen sogenanntem Mischkonsum. Xanax etwa kann in Kombination mit Alkohol zu Blutdruckabfall, Schwindel und Bewusstlosigkeit führen. Im schlimmsten Fall löst es eine sogenannte Atemdepression aus, die im Ersticken enden kann.

Der Kanton Luzern scheint vom Mischkonsum besonders betroffen. Er verzeichnete 3 der 8 Todesfälle. Die Polizei hat deshalb eine Präventionskampagne gestartet, bei der Schülerinnen und Schüler flächendeckend über den gefährlichen Trend aufgeklärt werden.

Corona als Katalysator

Das Ziel der Polizei: Die jungen Menschen aufzuklären, welche Gefahren der Mix der verschiedenen Substanzen hat. «Wir wollen die Jugendlichen schon vom Einstieg abhalten», sagt Präventionschef Erwin Gräni. «Es ist wichtig, dass sie sich getrauen, Nein zu sagen und sich abgrenzen können.» Stand heute habe die Luzerner Polizei mit ihrer Kampagne bereits 7000 Schülerinnen und Schüler erreicht. Schlussendlich wolle man auch zeigen, wo sie sich Hilfe holen können.

Eine Packung Xanax
Legende: Das Medikament Xanax wird zur kurzzeitigen Behandlung von Angst- und Panikstörungen eingesetzt, oft jedoch auch als Droge missbraucht. Es kann bereits nach kurzer Zeit zur Abhängigkeit führen. SRF

Einer dieser Orte ist die Fachstelle Akzent in der Stadt Luzern. Aktuell gehen da viele Anfragen zum Thema Mischkonsum ein. Dies hänge einerseits sicher mit der Coronapandemie zusammen, sagt Präventionsleiterin Jacqueline Mennel. «Verschiedene Studien haben gezeigt, dass Jugendliche unter der Pandemie besonders leiden. Viele Aktivitäten sind nicht mehr möglich. Das führt zu einem Frust.»

Rapper als Vorbilder

Dieser Frust ist ein möglicher Grund, weshalb der Mischkonsum unter Jugendlichen zunimmt. Ein anderer ist die Verherrlichung in der Populärkultur – in Filmen und in Liedtexten. Besonders Rapper prahlen mit ihrem Medikamentenkonsum. Der amerikanische Künstler Future etwa singt, er sei «Codeine crazy» – verrückt nach Codein. Rapper Lil Peep starb selbst unter Einfluss von Xanax und dem Opiat Fentanyl.

Junge rMann mit Hustensaft-Flasche in der Hand
Legende: Rapper prahlen seit Jahren mit dem Konsum von verschreibungspflichtigen Medikamenten. So etwa der deutsche Musiker «negatiiv OG». Youtube / negatiiv OG

«Diese Musiker haben sicher einen Einfluss», bestätigt Jacqueline Mennel. «Wenn Jugendliche sich einen Rapper zum Vorbild nehmen, verführt dies natürlich zum Nachahmen.» Auch Leandro hat die Musik zum Medikamentenkonsum verführt. «Ich hörte viel amerikanischen Rap und da ist immer wieder von Xanny (Xanax) und Percy (Percocet) die Rede. Das machte mich Neugierig», sagt er gegenüber SRF Virus.

Die Neugierde führte ihn schliesslich in die Sucht. Drei Entzüge brauchte Leandro, um von den Medikamenten loszukommen. «Ich wusste, wenn ich nicht aufhöre, dann sterbe ich.»

Schweiz aktuell, 31.03.2021, 19:00 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

15 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Alfons Bauer  (frustriert)
    Es ist völlig in Ordnung, andere Musik als Rap zu hören und sich nicht davon beeinflussen zu lassen. Obwohl, ich glaube die anderen Musikszenen wollen diese menschlichen Abstürze nicht haben.
  • Kommentar von Niklaus Schöpfer  (Nik Schöpfer)
    So lange wir den dank Corona-Massnahmen um einige Wochen hinausgezögerte Tod einer betagten Person über die Bewegungsfreiheit eines Kindes und vor allem eines Jugendlichen stellen, können solche Phänomene nicht ernsthaft angepackt und gelöst werden. Das Leben ist halt schlicht und einfach weniger lebenswert zur Zeit - das fördert den Drogenkonsum in allen Altersklassen!
  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Unsere Gesellschaft ist hochgradig "überhitzt"; und es geht ihr materiell im Durchschnitt gut, vielleicht zu gut, weil viele von uns sich ihren Lebensinhalt im Materialismus holen: Teuere Domizile, teure Autos, die teuerste Kaffeemaschinen, vormals immer wieder Malediven, um etwas zu karikieren. Das alles muss bezahlt und durch grosse Leistungsarbeit beglichen werden. Ob das zu Gunsten der Kinder ist, mag angezweifelt werden. Die müssen diese Hochleistungsübertreibungen mitmachen. Schon mit 13.