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Das sagt Marco Schnydrig, Mitinitiant der Idee, zum Vorstoss: «Wir wollen nicht einfach nur zuschauen müssen»
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 14.09.2022. Bild: Keystone/ARNO BALZARINI
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Mit Schrot gegen den Wolf Bewaffnete Hirten? «Gute Idee», findet das Walliser Parlament

Der Kanton Wallis soll eine nationale Vorreiterrolle bei der Wolfsbekämpfung einnehmen und den «tir de défense» erlauben.

«Tir de défense» heisst das Konzept, bei dem nicht nur eine Jägerin, sondern auch ein Hirte ein Gewehr zücken darf. Und zwar dann, wenn seine Schafe von einem Wolf angegriffen werden. Mit einer Ladung Schrot dürfte das Tier in diesem Falle vergrämt oder gar abgeschossen werden.

Dieses Konzept ist in Frankreich bereits in gewissen Gebieten etabliert. Nun also will auch das Walliser Kantonsparlament den Wolf auf diese Weise bekämpfen. Ein entsprechendes Postulat der Oberwalliser SVP (SVPO) wurde am Mittwoch mit grosser Mehrheit an die Regierung überwiesen.

Das Postulat «Sicherheit im Berggebiet steigern»

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Trotz der riesigen Anstrengungen stiegen die jährlichen Risszahlen durch Wölfe, auch auf geschützten Weiden und Alpen, schreiben die drei Politiker der SVPO. Da müsse man unmittelbar reagieren können, nicht erst, wenn der Wolf eine gewisse Anzahl Tiere gerissen habe.

Deshalb schlagen sie das in Frankreich bekannte «tir de défense» vor. Dabei können beispielsweise Hirten, Tierhalter, die Wildhut oder weitere zugezogene Fachkräfte bei Wolfsangriffen Wölfe abschiessen.

Die Politiker fordern, dass sich die Walliser Regierung beim Bund für ein entsprechendes Pilotprojekt einsetzt. Und: Der Kanton Wallis solle in der Schweiz eine Vorreiterrolle einnehmen und das Projekt «tir de défense» gleich selbst lancieren.

«Es kann doch nicht sein, dass wir immer nur zuschauen müssen», begründet Marco Schnydrig (SVPO) seinen Vorstoss. Ausgewählte Jäger und Hirten sollen – unter gewissen Voraussetzungen – Schaden stiftende Wölfe entnehmen können.

Linke und grüne Parteien wehrten sich gegen «die schnelle und gefährliche Lösung des direkten Abschusses mit scharfer Munition», unterlagen aber deutlich – keine Seltenheit beim Thema Wolf im Wallis. Es gebe zwar eine Notwendigkeit, Wölfe gegenüber Menschen scheu zu halten, aber das gehe nur über eine Verstärkung der Vergrämungsstrategien, «damit die Wölfe lernen können».

Das Postulat, das mit 85 zu 31 Stimmen bei 2 Enthaltungen unterstützt wurde, wurde an den Staatsrat überwiesen, der sich nun zu dieser Idee positionieren muss.

Sich bewaffnen zum Schutz, das ist in der Schweiz bisher nicht üblich. Da stellen sich Fragen zur Sicherheit. «Das haben wir berücksichtigt», so Schnydrig. «Es würden sicher nicht alle Hirten bewaffnet, wenn überhaupt welche.» Der Kanton solle jetzt mit dem Bund die beste Option aushandeln.

Ein Jäger.
Legende: Bisher dürfen in der Schweiz nur Jägerinnen und Jäger Wölfe abschiessen und das auch nur mit Bewilligung. Keystone/ARNO BALZARINI

Laut Bundesamt für Umwelt (Bafu) leben in der Schweiz rund 180 Wölfe in 19 Rudeln. Für die Verfügung von Abschüssen einzelner Tiere sind die Kantone zuständig. Bei einem Eingriff in ein Rudel braucht es jedoch die Zustimmung des Bafu.

Abschusserlaubnis in der Waadt

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In der Waadt ist ein Rudel gerade sehr aktiv. Der Bund hat dem Kanton Waadt just am Mittwoch die Bewilligung zum Abschuss dreier Jungwölfe des Marchairuz-Rudels erteilt.

Als Grund für die Regulierungsmassnahme werden zunehmende Angriffe auf Rinderherden angeführt. Mindestens vier Kälber sollen von den Wölfen gerissen worden sein, weitere Fälle sind in Abklärung, wie das Bundesamt für Umwelt (Bafu) mitteilte.

Der Bundesrat hat sich gerade vor zwei Wochen auch mit dem Thema Wolf beschäftigt. Er ist für eine «proaktive Regelung» der Wolfspopulation. Konkret bedeutet dies, dass Wölfe bereits erlegt werden dürfen, bevor sie Schäden anrichten. Damit könnten beispielsweise Wölfe erlegt werden, die ihre natürliche Scheu verlieren und zunehmend in Siedlungen auftauchen. Als Nächstes berät der Ständerat dieses Geschäft, noch in der aktuellen Session.

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 14.09.2022, 17:30 Uhr;

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30 Kommentare

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  • Kommentar von SRF (SRF)
    Vielen Dank für die angeregte Debatte, liebe Community. Wir schliessen die Kommentarspalten an dieser Stelle und wünschen einen schönen Abend. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Marco Brunner  (Gaistli)
    Übrigens gibt es ganz neu eine italienische Studie. Findet man problemlos beim googlen. Es geht um nicht-tödliche Vergrämungsmassnahmen beim Leitwolf. Anscheinend, so sagt zumindest die Studie, viel effizienter als das töten. Es ist nur eine Studie, aber trotzdem spannend. Was spricht denn dagegen unseren Hirten die nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen. Einfach als kleiner der Teil einer grossen, ganzen Lösung..
  • Kommentar von Marco Brunner  (Gaistli)
    Je nach Schätzung ist der Alpenraum in vielleicht 5 oder 7 Jahren voll, vielleicht früher oder später. Momentan haben wir etwa die Hälfte. Die meisten leben in de französischen Alpen. Wir brauchen also dringend eine Lösung um unsere Herden noch besser schützen zu können. In der Schweiz ist noch bei weitem nicht die Hälfte des Platzes belegt. Sowas wie Alpenraum ohne Wolf wird bald schon vorbei sein. Ich denke den Umgang mit dem Woöf langfristig vernünftig zu lösen wird eine schwierige Aufgabe.
    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Ja, niemand hat gesagt es sei einfach.
  • Kommentar von Stefan Huwiler  (huwist)
    Ob man nun für oder gegen den Wolf ist ... ihn durch Jagdlaien mit Schrot anzuschiessen ist auf jeden Fall die wohl schlechteste Idee
    Überhaupt gehören Schusswaffen mu in die Hände von ganz wenigen Personen. Nicht einmal alle Jäger können damit adäquat umgehen.