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Kinder und die Langzeitfolgen von Corona
Aus Schweiz aktuell vom 30.12.2020.
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Multi-Organversagen Corona-Spätfolge bei Kindern: Mehr Fälle in der Schweiz

Die Krankheit PIMS ist selten, aber gefährlich. Jetzt reagieren die Intensivstationen. Und eine betroffene Familie erzählt.

«Das Wort ‹selten› verliert jede Bedeutung, wenn es das eigene Kind trifft», sagt Beat Wüthrich aus Matt (GL). Sein 8-jähriger Sohn schwebte im November in Lebensgefahr – als Spätfolge einer Coronainfektion. «Er hatte hohes Fieber, war immer müde, musste erbrechen. Seine Lippen und Augen wurden tiefrot», erzählt Mutter Jayne Wüthrich. Nach dem Gang ins Spital wird bald klar: Auch dem Herz geht es nicht gut.

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Beat Wüthrich: «Es war ein dramatisches Erlebnis»
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Mit dem Helikopter muss der Junge auf die Intensivstation des Kinderspitals Zürich geflogen werden. Dort bestätigt ein Antikörpertest den Verdacht der Ärztinnen: Eine unerkannte Corona-Infektion zwei Wochen zuvor war wohl Auslöserin der Krankheit. Diagnose: Pädiatrische Immunologische Multisystem-Erkrankung, kurz Pims.

Neu, rätselhaft – und lebensgefährlich

Bei Pims handelt es sich um eine überschiessende Reaktion der körpereigenen Abwehrkräfte auf ein eigentlich schon besiegtes Virus. Vom Herz über die Haut bis zum Gehirn können diverse Organe betroffen sein. Das Phänomen ist neu und wurde erstmals während der ersten Corona-Welle in Grossbritannien und den USA dokumentiert.

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Immunologin Jana Pachlopnik: «Wir wissen nicht, warum das Immunsystem überschiessend reagiert»
Aus News-Clip vom 30.12.2020.
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Der Zusammenhang mit Corona ist noch nicht endgültig belegt, aber sehr wahrscheinlich. Das sagt Immunologin Jana Pachlopnik, die am Kinderspital Zürich zum Thema forscht. «Wir glauben, dass eine Kombination aus drei Faktoren zu dieser Überreaktion führt: das Virus, genetische Faktoren und das sich noch entwickelnde Immunsystem von Kindern.»

Über 60 Fälle in der Schweiz

Pims ist nun auch endgültig in der Schweiz angekommen, wie SRF-Recherchen zeigen. Laut dem Kinderspital Zürich haben die Pims-Fälle in der zweiten Welle deutlich zugenommen – analog zu den Corona-Infektionen. Bisher gab es landesweit über 60 Fälle eines solchen Multi-Organversagens, die meisten in den letzten Wochen.

Betroffen sind Kinder zwischen sechs und 16 Jahren, Jungen häufiger als Mädchen. Wenn der Verlauf der Corona-Pandemie sich fortsetze wie bisher, müsse nächstes Jahr mit etwa 100 Pims-Fällen gerechnet werden, so die Schätzung des Spitals. Gemessen an der Schwere der Krankheit sind das viele – gemessen an den bisher fast 40'000 bestätigten Coronafällen unter Kindern und Jugendlichen sind es wenige.

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Christoph Berger, Covid-Taskforce: «Wichtig, dass man die Kinder mit PIMS erkennt und richtig behandelt»
Aus News-Clip vom 30.12.2020.
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Deshalb brauche es auch keine Anpassung der Corona-Richtlinien, findet Christoph Berger von der Science-Taskforce des Bundes. «Es ist wichtig, dass wir Kinder mit Pims erkennen und richtig behandeln. Kinder sind aber insgesamt von Corona wenig betroffen und sollen deshalb weiterhin in die Schule.»

«Traumatisches Erlebnis»

Wer hingegen reagiert, sind die Intensivstationen der Kinderspitäler. Sie wollen, dass betroffene Kinder schnell erkannt und richtig behandelt werden. Deshalb haben sie Richtlinien für den Umgang mit Pims erarbeitet, die heute erscheinen. Sie sollen sicherstellen, dass in der Schweiz – anders als in anderen Ländern – weiterhin kein Kind an der Krankheit stirbt.

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Jayne Wüthrich: «Es wird von Tag zu Tag besser»
Aus News-Clip vom 30.12.2020.
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Auch beim Sohn von Beat und Jayne Wüthrich schlägt die gezielte Behandlung an. Nach vier Tagen auf der Intensivstation kann er verlegt, nach weiteren sechs entlassen werden. «Es war ein traumatisches Erlebnis», sagt der Vater, «aber gleichzeitig auch ein schönes – wegen der grossen Hingabe und Kompetenz der Ärztinnen und des Pflegepersonals.»

Was löst die Pandemie in Ihnen aus?

Die zweite Corona-Welle hat die Schweiz fest im Griff. Während die Schweiz im Frühling die erste Welle verhältnismässig gut überstanden hat, zeigt die zweite Welle ein anderes Bild: Kaum irgendwo in Europa sterben im Verhältnis zur Bevölkerung so viele Menschen an den Folgen von Covid-19 wie in der Schweiz. Der Corona-Tod ist ein einsamer Tod. Angehörige dürfen die Sterbenden nur in Schutzkleidung besuchen und direkter Körperkontakt ist nicht möglich.

Erzählen Sie uns: Was lösen die vielen Todesfälle bei Ihnen aus? Was empfinden Sie bei den hohen Fallzahlen? Was hätte die Schweiz anders tun sollen?

Senden Sie uns Ihre Gedanken per WhatsApp Textnachricht oder via Sprachnachricht an: 079 878 65 04

Schweiz aktuell, 30.12.2020, 19 Uhr

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38 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Wunschdenken von Menschen. Corona-Virus und entsprechende Virus-Mutationen, haben die Menschheit weiter "fest im Griff" - Impfstart hin oder her! Auch 2021 geht es NUR mit disziplinierter, rücksichtsvoller Umsetzung aller, jedes/r einzelnen Menschen und BürgersIn der - mittlerweile - klaren Massnahmen, Anforderungen!
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  • Kommentar von Simon Johannes  (johannes.simon)
    Nichts verstehen: aber impfen. Kinder zuerst als Risikogruppe ausschliessen, spielt aber zugeben dass man eigentlich nichts weiss. Maske auf. Skifahren an. Kopfschüttelnd schaue ich mir das grausige Schauspiel an.
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    1. Antwort von Martin Weiss  (MWe)
      Nichts verstehen: aber kommentieren. Ist einfach dastehen und nichtstun besser? Bei einem neuen und bisher unbekannten Virus hilft es nur, zu behandeln und aus den Reaktionen der Behandelten zu lernen. Bis das Virus dann eben nicht mehr so unbekannt ist. Pflegen und im Ernstfall beatmen war der erste Schritt. Nur sind wir beim zweiten Schritt, der Impfung. Macht Sinn, oder?
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  • Kommentar von Daniel Bachmann  (@danibachmannch)
    Danke SRF Team das Ihr hier mal über LongCovid bei Kindern berichtet. In USA gibts bereits viele Tausende Kinder die darunter leiden. Ich verstehe nicht weshalb man den Präsenzunterricht nicht optional und/oder digital machen kann, wo Eltern einverstanden sind. Der Rest kann sich ja schützen aber Kleinkinder verdienen kein Longcovid und da versagt die Schweizer Corona Politik. Löst man nur diesen Punkt, gewinnen wir auch die Pandemie denn Organversagten und MIS-C will niemand haben.
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    1. Antwort von Mihai Löchli  (Siebenbürgen)
      Tausende Herr Bachmann sollte mindestens zwei davon voraussetzen, viele Tausende weit mehr, aber es sind 1163 Fälle in der USA. Warum schüren Sie unbegründet Panik?
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    2. Antwort von David López Garcia  (David López)
      @Mihai Löchli also ist es weitaus weniger schlimm, wenn es weniger als tausende sind? Zahlen kann man schnell verwechseln und nur der Umstand, dass Kinder so schwer in Mitleidenschaft gezogen werden können ist schrecklich.

      Weltweit werden es wohl tausende sein, wir können ja gemeinsam Excel Listen erstellen, wenn Ihnen nur die reinen Zahlen Aussagen liefern.
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