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Filmwochenschau vom 26.12.1947
Aus News-Clip vom 25.02.2020.
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Munitionsunglück in Mitholz Als der Berg explodierte

Vor rund 72 Jahren detonierte das Munitionsdepot in Mitholz im Berner Oberland. Noch immer droht im Berg die Gefahr.

«Die Explosion ist so stark, dass die Seismographen im fernen Zürich ein Erdbeben registrieren.» So berichtete die «Neue Zürcher Zeitung» über das Unglück im Dorf Mitholz im Berner Oberland.

In der Nacht auf den 20. Dezember 1947 kommt es im militärischen Munitionslager im Kandertal zu mehreren Explosionen. Im Lager sind rund 7000 Bruttotonnen Kriegsmaterial eingelagert: Patronen, Geschosse, Tretminen, Splitterbomben, Fliegerbomben.

Das Tal sei schon kurz vor der ersten grossen Explosion von einer grau-grünen Gasflamme taghell erleuchtet worden, erzählt ein Augenzeuge. Die erste grosse Explosion um 23.30 Uhr löst eine Kettenreaktion aus. Bis zu 30 Meter hohe Stichflammen schiessen aus den Zugängen zum Munitionslager. Das BLS-Stationsgebäude von Blausee-Mitholz wird dem Erdboden gleich gemacht.

Fünf Minuten später kommt es zu einer zweiten, stärkeren Detonation. Zehn Minuten nach Mitternacht erfolgt die grösste Explosion. 35 Tonnen schwere Felsbrocken werden 150 Meter weit durch die Luft geschleudert. Auf hundert Metern Länge stürzt die Fluh ein, in der sich das Munitionslager befindet. Eine Fliegerbombe legt eine Strecke von zwei Kilometern zurück.

Das Munitionsdepot Mitholz

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Das Munitionsdepot Mitholz

Im Zweiten Weltkrieg war in Mitholz (Gemeinde Kandergrund/BE) ein unterirdisches militärisches Munitionslager gebaut worden. Der Standort: ein auffälliger Felskopf mit einer praktisch senkrechten Wand von etwa 200 Metern Länge und 50 bis 100 Meter Höhe. Gebaut wurden sechs Munitionskammern von je 150 Metern Länge und 8.5 Metern Breite.

Die Kammern mündeten auf einer Seite in einen Verladetunnel, in dem ein Gleisanschluss an die nahe gelegene Station Blausee-Mitholz der BLS bestand. Der Verladetunnel war ausserdem durch zwei Tore für Lastwagen befahrbar. Am hinteren Ende waren die Munitionskammern durch einen Stollen untereinander verbunden. In einem Maschinenraum befand sich eine Notstromanlage mit Dieselgeneratoren. Ausserhalb der unterirdischen Anlage befanden sich ein Wärterhaus und weitere Gebäude.

Etwa die Hälfte des eingelagerten Materials wird in den nächsten 24 Stunden explodieren. Noch Tage später werden kleinere Explosionen registiriert. Und mitten drin die Bewohner von Mitholz. Neun Menschen sterben, darunter vier Kinder. Viele werden zum Teil schwer verletzt. Überlebende berichten von der Flucht durch den Schnee, teils barfuss und im Nachthemd.

Alle Gebäude in Mitholz werden zerstört oder beschädigt. Die Aufräumarbeiten gestalten sich schwierig, weil im ganzen Tal scharfe Munition verstreut liegt und von Schnee bedeckt wird.

Geklärt ist die Ursache bis heute nicht. Es wird angenommen, dass eine chemische Reaktion in einem Zünder zu einer Selbstauslösung führte.

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Räumung in Mitholz kostet rund eine Milliarde Franken
Aus Tagesschau vom 25.02.2020.
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«Tagesschau» 19.30 Uhr; 25.02.2020; srf/vbs/schj; kurn

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Volkart  (Lex18)
    Wenn das Militär eine Firma wäre würde ich sagen dass Sie auch sämtliche Kosten tragen muss, doch hier ist der Fall komplizierter den das Militär hat sein Geld vom Bund und der Bund von uns Steuernzahler. Solch eine Umweltsünde hätte man bie zulassen sollen. Eigentlich sollte dies auch Folgen haben für die, die dafür verantwortlich waren.
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  • Kommentar von Markus Feierabend  (Quantenmechanik)
    Und die Munition im Greifensee ? Gehört die zum Naturschutzgebiet?
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  • Kommentar von Olivier Wetli  ("nicht von dieser Welt")
    Wie steht es eigentlich mit den 4‘000 Tonnen Munition im Thunersee. Wird da bezüglich austretenden Schadstoffen und Korrosion von Zündern regelmässig untersucht oder hofft Bundesbern auf das Nichteintreten eines Tages X ??
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