Muslime in der Schweiz Fernziel Deutsch statt Arabisch in der Moschee

Imame sollten in einer Schweizer Landessprache predigen, fordert die SVP. Fachleute finden das sinnvoll, sind aber gegen einen gesetzlichen Zwang.

Immer wieder wird kritisiert, dass Imame in der Schweiz auf Albanisch, Türkisch oder Arabisch predigen, so sei keine Kontrolle möglich. Von Parallelwelten ist die Rede. Vertreter der SVP haben kürzlich gefordert, dass die Predigt in Schweizer Moscheen in einer Schweizer Landessprache gehalten werden soll.

Damit ist im Prinzip auch Önder Günes einverstanden, der Sprecher der Föderation islamischer Dachorganisationen Schweiz (Fids). Er sagt: «Grundsätzlich finde ich die Idee als Fernziel gut. Es ist auch unser Ziel, dass vermehrt in den Moscheen in den Landessprachen gesprochen und gepredigt wird.»

Das sei wichtig für die Integration und für das Zusammenleben in der Schweizer Gesellschaft. Ähnlich sieht das auch Hansjörg Schmid, Professor am Schweizerischen Zentrum für Islam und Gesellschaft der Universität Freiburg.

«Es zeigt, dass die Muslime hier zu Hause sind»

Dass in Moscheen in einer Landessprache gepredigt werden soll, sei ein berechtigtes Anliegen. «Das wäre ein gutes Zeichen, weil es zum Ausdruck bringt, dass die Muslime hier zu Hause sind und sich auf den Kontext der Schweiz einlassen. Dazu gehört auch die Sprache.» Und Predigten auf Deutsch in Moscheen in der Deutschschweiz könnten auch ein Ausdruck für mehr Transparenz sein.

In der Realität sieht es häufig anders aus. Die meisten Moschee-Gemeinden in der Schweiz sind ethnisch geprägt und entsprechend wird dort – je nach Ausrichtung – auf albanisch, bosnisch, arabisch oder türkisch gepredigt.

Zwang wäre falsch

Doch gesetzlich erzwingen, dass die Imame in den Moscheen deutsch predigen, das wäre für Schmid wie auch für Günes der falsche Weg, gerade mit Blick auf die erste Generation der Einwanderer aus muslimischen Ländern. Dies sind häufig Menschen aus der Arbeiterschicht, die nicht so viele Möglichkeiten hatten, Sprachen zu lernen.

«  Wenn wir eine Landessprache erzwingen, grenzen wir die erste Generation aus. »

Önder Günes
Sprecher der Föderation islamischer Dachorganisationen Schweiz

«Wenn wir eine Landessprache erzwingen, grenzen wir die erste Generation aus. Sie würden die Predigt nicht verstehen, oder jedenfalls nicht so, wie sie sie verstehen sollte.» Und damit wäre ja niemandem gedient, meint Günes.

Verschiedene Modelle

Gleichwohl ermuntere die Fids als Dachorganisation die Moschee-Gemeinden, vermehrt auch auf Deutsch zu predigen. Und er sei zuversichtlich, dass dies dank der jüngeren Generation der Muslime in der Schweiz mehr und mehr passieren werde. Dieser Prozess brauche einfach etwas Zeit, sagt Günes.

Hansjörg Schmid, der als Forscher die islamischen Gemeinden in der Schweiz eng beobachtet, bestätigt, dass eine solche Entwicklung bereits begonnen hat. Moscheen, in denen nur auf Deutsch gepredigt wird, seien zwar noch Ausnahmen. Aber er sagt, dass sich diesbezüglich etwas verändere. In vielen Moscheen sei es schon so, dass es eine Kompromisslösung gebe. «Die Predigt in der Herkunftssprache und es gibt eine deutsche Zusammenfassung oder die Predigt ist halb in einer Landessprache, halb in der Herkunftssprache.» Da gebe es verschiedene Modelle.

Sprachkurse für Imame

Hansjörg Schmid sieht auch Möglichkeiten, diesen Prozess von aussen zu unterstützen. Er erwähnt etwa Weiterbildungskurse, um Imame mit den hiesigen Verhältnissen vertraut zu machen, wie sie die Universität Freiburg organisiert.

«  Vielleicht gibt es sogar einen Bewusstseinswandel auf muslimischer Seite. »

Hansjörg Schmid
Schweizerisches Zentrum für Islam und Gesellschaft

Solche Angebote für Imame sollten noch ausgebaut werden, «damit diese wirklich die Sprachen lernen können und dass es so vielleicht sogar einen Bewusstseinswandel auf muslimischer Seite geben könnte.» Damit könnte auch ein verstärktes Interesse in der Gesellschaft einhergehen.

Denn die Landessprache zu sprechen sei wichtig. Nicht nur wegen der Predigten in der Moschee. Sondern auch, damit Imame Kontakte zu staatlichen Behörden oder anderen Religionsgemeinschaften pflegen könnten.

Einen gesetzlichen Sprachzwang lehnen die Experten ab. Aber ein Bewusstseinswandel bei vielen Imamen wäre integrationspolitisch wichtig.

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