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Weiteres Vorgehen der Gegner des Covid-Gesetzes
Aus 10 vor 10 vom 29.11.2021.
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Nach dem Abstimmungssonntag Spaltung? Nein, aber…

Gross war in diesem Land die Besorgnis vor der Abstimmung am Sonntag, dass sich die Gesellschaft spaltet, dass das Abstimmungsergebnis wider den Voraussagen knapp würde. Auf dem Massnahme-kritischen Telegram-Channel von «Stiller Protest» war noch vor kurzem zu lesen: «Es wird sehr knapp.»

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SRF-Reporter Matthias Rusch über die Situation am Bundesplatz
Aus News-Clip vom 28.11.2021.
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Nun sehen die Skeptiker und Skeptikerinnen deutlich: Sie sind eine Minderheit. Jene, welche die Pandemiemassnahmen gutheissen, eine bedeutende, auch demokratisch legitimierte Mehrheit.

Skeptiker antizipieren Niederlage schon

Die behördlichen Massnahmen bauen zusätzlich zu den Fakten auch auf die stille Unterstützung der Bevölkerung.

Alles gut im Schweizer Land? Nicht ganz. Führende Kreise der Skeptiker-Szene haben diese zweite Niederlage an der Urne schon lange antizipiert und starten durch. Denn sie wissen, dass sie in der Minderheit sind. Und richten sich danach.

Bestes Beispiel dafür ist Michael Bubendorf, Vorstandsmitglied der «Freunde der Verfassung». Zweimal haben die «Freunde» das Covid-Gesetz an die Urne gebracht. Noch im März 2021 stellte sich Bubendorf vor die SRF-Kamera. Seine Botschaft damals: Ihm sei es «mega wichtig, dass wir die Spaltung der Gesellschaft nicht weiter betreiben».

Brücken sprengen ist angesagt

Heute, zwei Abstimmungsniederlagen später, lautet seine Botschaft: Mit «Systemmedien» rede ich nicht. Punkt. Bubendorf und seine «Freunde» wollen nicht mehr Brücken bauen wie damals – jetzt ist Brücken sprengen angesagt: Die «Freunde» setzen auf ein neues Online-TV (TTV), welches gestern aus einem eigenen Abstimmungsstudio streamte. Bubendorf moderierte gekonnt. Ab 2022 sollen täglich Nachrichten folgen. Ziel ist eine eigene Subkultur, eine Gegenöffentlichkeit. Das Trennende steht jetzt im Vordergrund und soll kultiviert werden.

Wie Bubendorf sind viele radikale Skeptiker keineswegs Radikale im landläufigen Sinn. Sie schmeissen keine Steine und rennen nicht an gegen Gitter vor dem Bundeshaus. Sie kehren sich vielmehr gegen innen oder eben hin zu all jenen, welche das Gleiche postulieren: Dem Staat kann man nicht trauen, die Demokratie steht sich selber im Weg – wir schaffen uns unsere eigene Welt.

Eigene Partei, eigene Spitex, eigene Schulen

Auch Caroline Jockel geht einen eigenen Weg. Die Lehrerin aus dem Kanton Basel-Land stellt sich zwar den Fragen von SRF, aber sie bricht so weit wie möglich mit dem Staat, dem herkömmlichen System. Sie sucht eine Alternative. «Ich gehe in eine andere Richtung», sagt sie, «und ganz viele denken so wie ich». An der Volksschule arbeitet sie nicht mehr, jetzt lehrt sie an einer Privatschule.

Gleichzeitig künden Exponenten der Skeptiker-Szene eine eigene, politische Partei an, sogar eine eigene Spitex wird angedacht, eigene Schulen oder eigene Krankenkassen. Vernetzung ist das Skeptiker-Gebot nach der zweiten Niederlage, «zusammenstehen», wie Jockel sagt. Unter dem Hashtag «#AlleMenschensindWillkommen» schliessen sich Zertifikats-feindliche Handwerker und Gastronominnen zusammen. «Manchmal», sinniert die Baslerin Jockel, «trennen sich die Wege». Gemeint ist: von der demokratischen Mehrheit im Land.

Die Vernünftigen sitzen an der Macht

Die Massnahmengegner kapseln sich ab und stehen enger zusammen. Sie bilden ein neues Auffangbecken für all jene, die mit dem demokratischen Staat Schweiz nichts (mehr) anfangen wollen. Das Anti-Staat-Gefühl verbindet langfristig, selbst wenn Corona Geschichte ist.

Was heisst das für das Land, was für die Mehrheit der 62 Prozent «Ja-Sager» (Skeptiker-Jargon)? Der Sonntag hat wiederum gezeigt, dass der Schweizer Souverän sich auch in lärmigen Zeiten von nüchterner Vernunft leiten lässt. Die vernünftige Mehrheit ist kräftig und sitzt an den Hebeln der Macht, Volks-legitimiert. Es steht dieser Mehrheit gut an, jene Brücken aufrecht zu halten, welche eine Minderheit hinter sich abreissen will.

Michael Perricone

Michael Perricone

Stv. Leiter Inlandredaktion, SRF

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Michael Perricone ist stellvertretender Leiter der Inlandredaktion von SRF TV. Zuvor arbeitete er als Autor und Produzent bei der «Rundschau» und war stellvertretender Redaktionsleiter von «10 vor 10».

SRF 1, 28.11.2021, 19:30 Uhr

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394 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Liebe Community. Es gab zahlreiche und unterschiedliche Meinungen zur Analyse von Michael Perricone. Wir bedanken uns für die vielen Voten und die Debatte. Wir wünschen Ihnen eine gute Nacht.
  • Kommentar von Franz Peter Lehmann  (nashorn19)
    M.E. wird vielen" Ploderi " zum Thema Impfen und Vorsichts-massnahmen in den Medien bei uns einfach zu viel Raum gelassen, anstatt diese im Sinne der Volksgesundheit entspannt zu ignorieren, schade!
  • Kommentar von Karl Kirchhoff  (Charly)
    Von Ausländern, Immigranten und Eingebürgerten wird verlangt das sie akzeptieren, tolerieren, anpassen, sich fügen. Teile der schweizerischen Bevölkerung verlangen aber ausgenommen zu werden. Was ist das für ein Rechtsverständnis?
    1. Antwort von Thomas Rüegger  (Thomas Rüegger)
      Die Frage ist, was Sie unter anpassen verstehen: Gesetze und Rechtsnormen einhalten? Oder sich noch darüber hinaus anpassen? Letzteres wird von Ausländern und Eingebürgerten nicht erwartet ...
    2. Antwort von Michael Fuchs  (mfuchs)
      @Thomas Rüegger. Die Schweizer Gesellschaft erwartet vieles, das nicht im Gesetz steht. Höflichkeitsfloskeln ("Ich krieg ein Brot." vs "dörft i äch bitte es brot ha?"), Sprache (chasch öppe immer no nid schwizerdütsch?), grosse Pünktlichkeit (10min z'spät, geits no?), Kleidung anpassen, nie jemanden fragen wie viel er verdient, leise telefonieren im Zug (sagen tut niemand was, siehe Höflichkeit, aber alle schauen böse:), St.Galler Bratwurst NIE mit Senf essen, ...
    3. Antwort von Thomas Rüegger  (Thomas Rüegger)
      @Fuchs
      Da bin ich teilweise einverstanden. Zwei Dinge gibt es zu bedenken:
      1. "Die Schweizer Gesellschaft" ist (zum Glück!) vielschichtiger, und gerade solche Erwartungen werden auch von vielen kritisiert.
      2. Charly fragt in seinem Kommentar nach dem Rechtsverständnis.
    4. Antwort von Peter Holzer  (Peter Holzer)
      Richtig Herr Fuchs, das wird oft verlangt. Was halten sie von den "Schweizern" welche dann mit dem Finger auf den mit Senf auf der Bratwurst zeigen und ihn abschätzig "*Seehund" nennen und das wegen ihm unsere schöne schweizerische Kultur etc. kaput geht?

      So in etwa klingt es ja hier oft ungeimpften gegenüber.

      Ich frage für einen Freund :)
    5. Antwort von Kris Kronig  (Kris)
      Herr Rüegger

      Ein Rechtsverständnis muss nicht zwingend das juristisch Rechtsverständnis meinen. Ich verstehe es eher als moralisches Rechtsverständnis à la «Wie kann ich von anderen erwarten, sich anzupassen, während ich mich selber nicht anpasse?» Mir liegt keine andere Leseart näher.

      Fraglich ist nur, ob es die selben sind, welche Anpassung von anderen einfordern, diese aber selber ablehnen.
    6. Antwort von Thomas Rüegger  (Thomas Rüegger)
      @Kris
      Für mich wäre das dann eher "Gerechtigkeitsempfinden". Aber darüber brauchen wir uns ja nicht zu streiten.
      Zum zweiten Punkt: Diese Frage ist tatsächlich interessant, ich weiss aber nicht, ob sie sich beantworten lässt.
    7. Antwort von Michael Fuchs  (mfuchs)
      @Peter Holzer. Ein sehnensprengender Spagat, diese Analogie: Kulinarische Vorlieben und Impfen/Nicht-impfen für tödlichen Virus...

      Aber ich bin trotzdem neugierig, welche Ausdrücke entsprechen denn Ihrer Meinung nach dem "Seehund" für Ungeimpfte?
    8. Antwort von Karl Kirchhoff  (Charly)
      @rügger. Unabhängig vom Begriff, bin ich mir sicher das sie wissen was ich meine. Auch unabhängig von Corona, gibt es nicht wenige, gerade in der diskutierten Bevölkerungsgruppe, die meinen gewissen Regeln gelten nicht für sie. Da ist es egal ob jemand eine Maskenpflicht ignoriert, einen Abstand nicht einhält oder bewusst bei rot über die Ampel fährt. Würde das Nichteinhalten von Regeln keine Konsequenzen haben, bräuchten sie nicht aufgestellt werden.
    9. Antwort von Peter Holzer  (Peter Holzer)
      Herr Fuchs: Sie haben doch diese Dinge hier genannt die man moralisch von anderen in der Schweiz erwartet?

      - Die Impfung ist freiwillig und Sinnvoll. Korrekt?
      - Nicht Impfen verstösst gegen kein geltendes Gesetz. Korrekt?
      - Alle dürfen ihre Meinung sagen solange sie gegen kein Gesetz verstossen. Korrekt?

      Soweit alles klar, wenn sich nun alle gegenüber anderen die keine Gesetze verletzen etwas zurückhalten mit Beschuldigungen etc, dann klappt's auch wieder mit dem Nachbarn ;)
    10. Antwort von Kris Kronig  (Kris)
      Herr Holzer

      Fällt Ihnen auf, dass Sie oft erst die Impfung ins Spiel bringen, obwohl davon gar nicht die Rede war, bis Sie sie erwähnten?
    11. Antwort von Thomas Rüegger  (Thomas Rüegger)
      @Charly
      Ich bin vollkommen einverstanden, was Einhalten von Regeln und Konsequenzen betrifft.
      Ein Fragezeichen mache ich bei der "diskutierten Bevölkerungsgruppe". Was Sie erwähnen trifft, so meine ich, auch auf andere Gruppen zu. Ich denke da etwa an Klimaaktivisten ... Vielleicht ist das eher ein Phänomen unserer Zeit als einer gewissen Gruppierung.
    12. Antwort von Peter Holzer  (Peter Holzer)
      Herr Kroning: „ Fällt Ihnen auf, dass Sie oft erst die Impfung ins Spiel bringen.“

      Naja, einer muss den Ball ja in‘s Spiel bringen, denn Schiedsrichter haben wir doch bereits zur Genüge :)

      Einen schönen Abend allerseits wünsche ich.
    13. Antwort von Michael Fuchs  (mfuchs)
      @Peter Holzer. Es scheint schwierig, mit Ihnen eine andere Unterhaltung alas genau diese zu führen... Jawohl - Impfung freiwillig, sinnvoll, nicht im Gesetz, Meinungsfreiheit.

      Genauso darf sich jeder engagieren, jeder darf seine Meinung sagen, jeder darf versuchen andere von den grossen Vorteilen der Impfung zu überzeugen. Das dürfen Sie akzeptieren, müssen aber nicht ;)...

      Wie heisst der ungeimpfte "Seehund", was sind die schlimmen Beschuldigungen?
    14. Antwort von Peter Holzer  (Peter Holzer)
      Herr Fuchs:

      Mein Punkt ist die despektierliche Art wie in unserer Gesellschaft zum Teil mit Menschen umgegangen wird die zu einem Thema eine andere Meinung haben.

      Wenn ich mich nur für jene Minderheiten einsetze welche ihr Leben genau nach meinem Gusto gestallten, dann wäre Selbstreflektion wichtig.

      Ich hoffe sie sind Willens diese Problematik und Misstöne z.B. hier im Forum zu erkennen? Zum „Rest“ habe ich oft genug Stellung bezogen und bin mit den Regeln einverstanden.
    15. Antwort von Kris Kronig  (Kris)
      Herr Holzer

      Und Sie haben nicht den Eindruck, dadurch Stimmen für Impfungen oder gegen Impfablehner zu provozieren? Was versprechen Sie Sich denn davon, so viele Kommentar auf die Impffrage zu lenken?
    16. Antwort von Michael Fuchs  (mfuchs)
      @Peter Holzer. Diese Kommentarspalte hat eine recht streng durchgesetzte Netiquette. Ich finde sowohl den Umgang als auch die Art und Weise der meisten Kommentare absolut im Rahmen. Oft leider faktenbefreit, aber der Anstand ist so gut wie immer gewahrt.

      Mein Eindruck ist, Sie sind sehr dünnhäutig zu diesem Thema. Man darf absolut streiten. Einander auch Vorwürfe machen für Dinge, die man nicht versteht oder goutiert. Gehört zu Debatte, Diskussion, Konfliktfähigkeit und gesunder Streitkultur.