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Neue Frauenpower im Bundeshaus zeigt Wirkung
Aus Echo der Zeit vom 01.02.2021.
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Nach der Frauenwahl Frauen haben im Bundeshaus nun mehr zu sagen

Noch nie sassen so viele Frauen im Schweizer Parlament. Sie erzielen Erfolge, die so bisher nicht möglich waren.

50 Jahre ist es her, seit die Schweiz das Frauenstimmrecht auf Bundesebene eingeführt hat. Weitere 48 Jahre ging es, bis zum ersten Mal mehr neue Frauen als Männer ins nationale Parlament gewählt wurden – also bis zu den eidgenössischen Wahlen 2019.

Frauen in den Fraktionen stehen zusammen ein für ihre Anliegen.
Autor: Kathrin BertschyNationalrätin der Grünliberalen Partei (BE)

Diese Wahl wurde als Frauenwahl bezeichnet. Über 40 Prozent Frauen politisieren seither im Nationalrat, 26 Prozent im Ständerat – so viele wie noch nie. Die Frauen seien im Bundeshaus nun nicht nur besser sichtbar, sondern auch erfolgreicher als früher, sagt die grünliberale Nationalrätin Kathrin Bertschy: «Frauen in den verschiedenen Fraktionen – gerade auch in bürgerlichen Fraktionen – stehen zusammen ein für ihre Anliegen.»

Das heisst auch: Frauen mobilisieren über die Parteigrenzen hinweg und linken Frauen gelingt es, auch bürgerliche Frauen auf ihre Seite zu ziehen. So erzielen sie Erfolge, die bis jetzt nicht möglich waren.

Neu finden Gleichstellungsanliegen eine Mehrheit, und zwar in beiden Räten.
Autor: Kathrin BertschyNationalrätin der Grünliberalen Partei (BE)

Als Co-Präsidentin der Frauenorganisation Alliance F ist Kathrin Bertschy sehr zufrieden mit dieser Entwicklung: «Die Legislaturplanung des Bundesrates wurde überarbeitet mit klassischen Gleichstellungsanliegen, die überparteilich von Frauen seit Jahren eingefordert werden – bisher aber ohne Chancen. Neu finden diese eine Mehrheit, und zwar in beiden Räten.»

Überparteilich wird auch Fussball gespielt: Bundesrätin Viola Amherd (Mitte) posiert mit dem FC Helvetia, dem Frauenfussballturnier des Parlements. Dabei sind Frauen von links bis rechts – und auch Kathrin Bertschy (rechts neben Viola Amherd).
Legende: Überparteilich wird auch Fussball gespielt: Bundesrätin Viola Amherd (Mitte) posiert mit dem FC Helvetia, dem Frauenfussballteam des Parlaments. Dabei sind Frauen von links bis rechts. Keystone

Konkret muss der Bundesrat nun zum Beispiel Lösungen zur Einführung einer Individualbesteuerung und zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf vorlegen. Dazu arbeitet er auch an einem Umsetzungsplan für das Abkommen gegen häusliche Gewalt.

Die Schwäche der SVP stärkt die Anliegen

Die höhere Präsenz der Frauen ist aber nicht der einzige Grund für die Erfolge. Politologe Michael Hermann stellt fest, dass der Druck aus der Gesellschaft zu einem Stimmungswandel in den bürgerlichen Parteien geführt habe. Das liege auch an der Schwäche der SVP: «Seit ein paar Jahren, in denen die SVP nicht mehr so dominant ist, haben nun auch Themen wie Gender oder das Klima im bürgerlichen Spektrum Akzeptanz bekommen.»

In den Kantonen ist der Wandel allerdings noch nicht überall angekommen; im Tessin, Aargau, Graubünden, Uri, Luzern und Appenzell Ausserrhoden sind die Regierungen sogar reine Männerclubs. Auch in den kantonalen Parlamenten hat sich der Frauenanteil nicht deutlich erhöht.

Wir sehen hier eine Polarisierung zwischen links-geprägten Orten und den bürgerlichen.
Autor: Michael HermannPolitologe

Zwar gab es etwa in Basel-Stadt und der Stadt Bern grosse Erfolge für die Frauen, aber die konservativ geprägten Regionen der Schweiz wollen nicht mitziehen. Politologe Michael Hermann sagt dazu: «Wir sehen hier eine Polarisierung zwischen eher links-geprägten Orten und bürgerlichen, wo wir beobachten, dass die Bereitschaft, Frauen zu wählen, sogar wieder etwas gesunken ist.» Männer seien dort offenbar nicht zu mehr Zugeständnissen bereit.

Die Pandemie stellt sich Frauen in den Weg

Doch auch die Pandemie behindert den Siegeszug der Frauen in der Politik. Corona bestimmte die politische Agenda weitgehend, das Klimathema trat in den Hintergrund. Laut Nationalrätin Kathrin Bertschy hat Corona die strukturellen Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern besonders deutlich gemacht, weil Frauen öfter in Berufen mit tiefen Löhnen arbeiten oder kein Homeoffice machen können.

Auch Homeschooling und die fehlende Kinderbetreuung im Shutdown im Frühling hätten die Berufstätigkeit der Frauen stärker eingeschränkt als jene der Männer. Das zeigt auch eine Untersuchung des eidgenössischen Gleichstellungs-Büros.

Echo der Zeit, 1.2.2021, 18 Uhr

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Andy Gasser  (agasser)
    Gleichberechtigung heisst: gleiche Chance trotz unterschiedlicher Ausgangslage. Diese wurde in vielen Punkten für die Frauen erreicht. Klar, es gibt noch Punkte, da fehlt die Gleichberechtigung, bei dem Lohn zB. Hier besteht noch Handlungsbedarf. Die Agenda linker Politikerinnen zielt aber inzwischen häufig auf eine Besser- statt Gleichstellung. Hier sehe ich ebenso eine Gefahr für die Gleichberechtigung, da eben dann die Chancen nicht mehr gleich sind.
    1. Antwort von Takeshi Kovacs  (Envoy)
      Wo wollen sich denn Frauen besser stellen, Herr Gasser?
  • Kommentar von Gabriella Itin  (Salat)
    Es wird Zeit dass jemand sich für s Volk einsetzt und nicht Egoistisch,Habgierig etc.für sich selbst regiert. Egal ob Frau oder Mann.
  • Kommentar von Andreas Hug  (AndiHug)
    Es war klar das es irgendwann mehr Frauen als Männer in den Parlamenten hat.
    Die Förderung war und ist auch sehr gross.
    1. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Von mehr Frauen als Männern in den Parlamenten sind wir teilweise noch weit entfernt. Es wäre halbe, halbe anzustreben. Zur Zeit NR 42% Frauenanteil, im SR 26% Frauenanteil.
    2. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Warum wird mein Votum für Gleichberechtigung, also 50/50 in Parlamenten abgelehnt? Warum getraut sich niemand seine Einstellung zu äussern? Ich stehe zu meiner Meinung, auch öffentlich. Gegen Gleichberechtigung zu sein, ist für mich sexistisch, egal ob Mann oder Frau, hinterwäldlerisch, ewiggestrig. Zu meinen Mann sei einer Frau überlegen nur weil man Mann ist, oder zu meinen frau wolle bestimmte Frauenprivilegien nicht verlieren. Diese Denkweise gibt mir zu denken. Wir sind eine! Gesellschaft.
    3. Antwort von Paolo Berwert  (FamPapi)
      @Meyer, mein Votum: es sollen qualifizierte und engangierte Personen ins Parlament. Unabhängig von Geschlecht, Religion, Hautfarbe etc. Wir fokusieren heute so sehr auf "muss" Frau sein, dass a) die Männeranliegen tabu sind, man darf ja gar nicht darüber sprechen und b) sich die Frauen auf längere Sicht damit einen Bärendienst erweisen. Quoten, egal wo, haben niergends & nie Fairness gebracht. Wir müssen eingestehen, dass wir nicht gleich sind & unsere Stärken in einem "Zusammen" ergänzen.
    4. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Genau unsere Stärke ein «Zusammen» und dies kann nicht stattfinden, wenn in Parlamenten vorwiegend Männer oder Frauen sitzen. Ich spreche nicht von Quote, aber es gibt noch viel zu viele Männer, die ihre Macht nicht abgeben, oder auf ihre Pfründe verzichten wollen. Männeranliegen tabu? Hängt das nicht vielleicht zusammen, weil es Männer gibt, die das nicht interessiert? Die Männer sind seit 1848 in Bern in der Überzahl. Warum kriegen sie es denn nicht hin, Männeranliegen vor- und durchzubringen?
    5. Antwort von Paolo Berwert  (FamPapi)
      @Meyer bitte, es sind immer wieder diese Argumente, das böse Patriachat. Ein Unrecht kann nicht durch ein weiteres Unrecht ausgeglichen werden. Mann sollte einfach aufhören mit solchen haltlosen Anschuldigungen. Männer von heute können nichts für die Machenschaften der Männer in der Vergangenheit. Anliegen der Menschen müssen immer ernst genommen werden, unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Religion etc. es darf niemand davon ausgeschlossen werden, den sonst wird neues Unrecht geschaffen.
    6. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Was hat das mit bösem Patriachat zu tun? Es ist schlichtweg immer noch Realität. Ja, die heutigen Frauen/Männer sind nicht für frühere Machenschaften verantwortlich. Darum wäre es um einiges sinnvoller die Anliegen, wie Sie sagen, aller Menschen ernst zu nehmen. Das wäre eben auch Gleichberechtigung im Rahmen von 50/50 in Parlamenten um gemeinsam Männeranliegen vorzubringen und durchzusetzen. Oder haben Sie das Gefühl, es gibt weniger Frauen als Männer, die für dieses Amt qualifiziert sind?
    7. Antwort von Martin Egger  (Martin Egger)
      @Felix: Wenn mehr Frauen an der Macht sind, bedeutet das nicht, dass die Politik dann besser ist. Genauso wie Männer können auch Frauen einfach die Pfründen ihres Amtes geniessen, ohne etwas für das Volk zu tun. Deshalb: es gibt viel wichtigere Dinge als eine Frauenquote.
    8. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Ich schreibe nirgends etwas von Quote. Warum wird das zum wiederholten Mal versucht mir zu unterstellen? Ich schreibe ganz klar, dass ich für einen 50/50 Anteil bin. Ich schreibe auch nirgends, dass die Frauen nun eigentlich das «Recht» hätten genau so lange alleine zu regieren, wie es die Männer taten. Ich bin für eine Gleichstellung in jeder Lebenslage. Um gleiche Voraussetzungen, gleiche Chancen, gleiche Rechte, gleiche Pflichten. Was daran ist abwegig und warum sollte das nicht möglich sein?
    9. Antwort von Martin Egger  (Martin Egger)
      @Felix: Unter Quote versteht man eben (auch) Ihr "50/50".