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Bergbahnen im Toggenburg: Streit endet mit Trennung
Aus Echo der Zeit vom 10.02.2020.
abspielen. Laufzeit 04:08 Minuten.
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Nach langem Streit Skigebiete im Toggenburg gehen getrennte Wege

In den meisten Schweizer Skigebieten schliessen sich die Bahnbetreiber zusammen. Nicht aber im Toggenburg im Kanton St. Gallen.

19 Jahre lang zogen die beiden Bergbahnunternehmen in Wildhaus und Unterwasser am gleichen Strick. Die Toggenburger Bergbahnen AG und die Bergbahnen Wildhaus AG boten ein gemeinsames Ticket an. Zudem waren die beiden Skigebiete in Unterwasser und Wildhaus dank einer Traverse miteinander verbunden. Die Devise: Mehr Pistenkilometer für gleich viel Geld.

Touristen werden vergrault

Doch genau am Geld ist diese Zusammenarbeit nun gescheitert. Zum ersten Mal gibt es kein gemeinsames Skiticket mehr. Die Touristen sind verärgert: «Ohne Kinder würde ich nicht mehr hierherkommen», sagt eine Frau. «Ich bezahle doch nicht für zwei Billette!», findet ein älterer Herr. Und ein junger Skifahrer bedauert, dass die beiden Gebiete nicht mehr miteinander verbunden sind.

Schlange vor dem Ticketschalter der Toggenburger Bergbahnen
Legende: Die Bergbahnunternehmen Toggenburger Bergbahnen AG und die Bergbahnen Wildhaus AG haben nach langem Streit entschieden, nicht mehr zusammenzuarbeiten. SRF

Auslöser des Streits ist der Verteilschlüssel bei den Einnahmen. Dank eines stark frequentierten Lifts bekam das kleinere Skigebiet prozentual mehr aus den Einnahmen als das grössere. Das grössere Skigebiet – das der Toggenburger Bergbahnen AG – machte daraufhin den Besitzern des kleineren Gebiets – den Bergbahnen Wildhaus AG – ein Übernahmeangebot per Inserat.

Verwaltungsratspräsidentin Mélanie Eppenberger von den Toggenburger Bergbahnen – also dem grösseren Unternehmen – sieht darin nichts Falsches. Sie sagt: «Wir wurden im Laufe der Zeit gezwungen, uns an die Aktionäre zu wenden. Denn mit der Verwaltung war kein Gespräch möglich. Ich glaube es ist wichtig, dass man mit denen spricht, die das finanzielle Risiko tragen.»

Ich musste feststellen, dass diese beiden Partner im Moment einfach nicht vermittelbar sind.
Autor: Bruno DamannSt. Galler Volkswirtschaftsdirektor

Das Übernahmeangebot per Inserat ist den Besitzern der Bergbahnen Wildhaus in den falschen Hals geraten. Geschäftsführer Urs Gantenbein spricht von einer «feindlichen Übernahme»: «Es darf nicht sein, dass der eine uns erwürgen will, und dann an den Tisch sitzen und darüber reden möchte.»

Er sei offen für Verhandlungen. Aber das feindliche Angebot müsse zurückgezogen werden, so Gantenbein weiter. Der St. Galler Volkswirtschaftsdirektor Bruno Damann versuchte noch zu schlichten. Vergeblich. «Ich habe aufgegeben. Ich musste feststellen, dass diese beiden Partner im Moment einfach nicht vermittelbar sind.» So geht man diese Saison getrennte Wege.

Wirtschaftliche Einbussen als Folge

Es liegen zwar noch keine Zahlen vor, das Geschäft mit dem Wintertourismus dürfte aber deutlich schlechter ausfallen als in anderen Jahren. Die Touristen bleiben aus. Die Hotels verzeichnen weniger Buchungen. Und auch die Sportgeschäfte leiden – etwa das Skigeschäft von Ex-Skiprofi Karl Alpiger.

Es liegt beim Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent zurück. Bei den Bergbahnunternehmen beharrt man auf dem jeweiligen Standpunkt. Der Schaden für den Wintertourismus im Toggenburg ist längst angerichtet.

Echo der Zeit, 10.02.2020, 18:00 Uhr

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Verena Bensaddik  (V. Bensaddik)
    @Patrick Louis: so ganz nüchtern betrachtet, leidet der Skifahrer finanziell nicht. Ich fahre seit Jahren im Toggenburg. Bei guten Verhältnissen nutzte ich die Verbindungspisten tatsächlich. Oft war dies aber gar nicht möglich. Nun beschränke ich mich halt von vornherein, dafür sind aber zumindest in Wildhaus günstigere Tarife möglich. Schade ist es. Aber eigentlich nicht weiter schlimm.
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  • Kommentar von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
    Wie kleine Kinder, nun in einigen Jahren ist die Schneesicherheit auch im Toggenburg nicht mehr gegeben, dann wären die Herren sicher froh, wenn dann die Defizite geteilt würden.
    Wie kann der Mensch nur so egoistisch sein.
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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Anstatt dass man sich einsichtigerweise zusammentut für die Zukunft, zeigen sich die Herrschaften unfähig, da uneinsichtig und unkooperativ - "jedem sein eigenes Süppchen"!
    Schreitet der Klimawandel weiter in diesem Tempo voran, gibt es für den Ski-etc-Tourismus , sowieso bald entsprechende Probleme...
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