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Nach Millionengewinn Als Konkurrenz zum WEF? «Leadership Event» in Basel geplant

Gute Zahlen geben dem Messe-Konzern Spielraum. Wie MCH diesen nutzt, bleibt teils unklar – was zu Spekulationen anregt.

Dank der weltweit wichtigsten Kunstmesse «Art Basel» samt Ablegern in Miami, Hongkong, Paris und Doha geht es dem Messekonzern MCH Group besser: Für 2025 weist MCH deutlich mehr Gewinn und Cashflow aus. Davor lagen schwierige Zeiten mit der Pandemie und dem Aus für das frühere Standbein, die Uhrenmesse «Baselworld».

Mehr Rendite bei weniger Umsatz

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Die weltweit tätige MCH Group mit Sitz in Basel, zu dem auch die Messe Zürich gehört, hat 2025 mit 429.6 Millionen Franken 1.4 Prozent weniger umgesetzt als im Vorjahr. Wechselkursbereinigt läge der Umsatz zwei Prozent über dem Vorjahr, teilte der Konzern mit.

Der Betriebsgewinn (EBITDA) stieg um fast die Hälfte, auf 51.2 Millionen. Unter dem Strich blieb ein Reingewinn von 18.6 Millionen, nach 3.0 Millionen im Jahr 2024. Die deutlich bessere Profitabilität sei insbesondere auf einen stärkeren Fokus auf margenstärkere Aktivitäten zurückzuführen. Auch sei das Betriebsmodell verbessert worden.

So hat der Konzern jetzt nicht nur Platz in seinen grossen Hallen am Rheinknie, sondern auch Mittel, diese besser zu bespielen. Mit der Publikation der Zahlen hat MCH heute unter anderem eine neue «globale Veranstaltungsreihe» namens «Futurific Institute» angekündigt, die 2027 starten solle.

Messehalle über Tramhaltestelle in Basel
Legende: 2013 wurde die neue Basler Messehalle der Architekten Herzog und de Meuron eingeweiht, die einen Teil des Messeplatzes überdeckt und einen markanten Lichtschacht offen lässt. Im Hintergrund ist die denkmalgeschützte Rundhalle mit der Uhr über dem Eingang. Keystone / Peter Klaunzer

Was von den Plänen dazu durchgesickert war, löste schon seit Tagen Spekulationen aus. Als erstes hatte das US-Magazin «Vanity Fair» berichtet, MCH wolle eine grosse Veranstaltung zu Ideen für die Zukunft lancieren: Das neue Format werde auf Topniveau Kultur mit Technik, Politik und Wirtschaft zusammenbringen.

Die Anspielung dieses Artikels auf Davos zielte wohl auf das World Economic Forum (WEF), wo sich Mächtige und Reiche jedes Jahr im globalen Medienscheinwerferlicht treffen. Für diverse Medien lagen die Bezüge zur Kunstmesse-Glitzerwelt auf der Hand, und so war auch von einer Basler Konkurrenz zum WEF die Rede.

Zum Interesse beigetragen haben dürften die Köpfe dahinter: Mitgründerin des Futurific Institute ist Kathryn Murdoch, Ehefrau des MCH-Hauptaktionärs James Murdoch, seinerseits Sohn des australischen Medientycoons Rupert Murdoch.

Projekt erst in sehr frühem Stadium

Konzernchef Andrea Zappia lässt sich in der Medienmitteilung zu den Jahreszahlen nur vage zitieren: «Unsere Ambition ist es, global relevante Plattformen zu entwickeln und gleichzeitig tief in Basel verwurzelt zu bleiben.»

Im SRF-Interview spielt Zappia Futurific herunter als «momentan nicht wirklich wichtig»: Das sei erst ein Projekt in einem sehr frühen Entwicklungsstadium. Als Joint Venture solle unter der Leitung der Amerikanerin Rachel Goslins in Basel ein «Leadership Event» entstehen – mehr sagen könne er noch nicht.

Messehallen während der Art 2025 in Basel
Legende: Während der Art Basel 2025 war die Rundhalle am Messeplatz in ein silbernes Tuch gehüllt. Keystone / Georgios Kefalas

Basel sei für einen Spitzenanlass ein «wunderbarer Ort wegen seiner Geschichte», sagte Zappia. Seit James Murdochs Einstieg bei MCH sei seine Absicht, Basel zu einem zentralen Veranstaltungsort für MCH zu machen.

Probleme für Art Basel Qatar wegen Iran-Krieg

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Die erste Art Basel in Katar fand Anfang Februar 2026 statt. Ende Februar griffen die USA und Israel den Iran an, und dieser schlug in der Folge in mehreren Ländern der Golfregion zurück.

Laut MCH-Konzernchef Andrea Zappia war die Kunstmesse in Doha mit 87 Galerien aus 31 Ländern und über 17’000 Besuchenden «sehr erfolgreich». Nach dieser Erstausgabe wolle man zulegen; die Region habe viel Potenzial.

Wenn der Krieg bald ende, sei die nächste Art Basel in Katar nicht in Gefahr. MCH wolle im Sommer entscheiden.

MCH-Personal in Sicherheit

Alle MCH-Leute in der Region seien derzeit in Sicherheit, unterstrich Zappia im SRF-Interview. 37 Personen seien es in Dubai und 19 in Katar. In Katar arbeite man bereits an der Messe im nächsten Jahr, doch in Dubai sei momentan wenig Marketing möglich.

Wirtschaftlich sei das am Golf Verpasste dank den diversifizierten MCH-Tätigkeiten anderswo zu kompensieren, sofern der Krieg nicht zu lange dauere.

Kritik an Messen in einer Region, wo teils Menschenrechte verletzt werden, wies Zappia zurück. MCH arbeite nach ihren «Swiss Standards» und den konzerneigenen Regeln. Das gelte auch für alle Zulieferer.

Weil CEO Rachel Goslins für das neue Basler Projekt nun Kontakte knüpfe, spreche sie eben auch darüber, erklärte Zappia das Entstehen von Gerüchten. Einen fixen Zeitplan gebe es nicht: «Wir haben die Ambition, loszulegen, sobald wir bereit sind.»

Ersten kritischen Stimmen, die ein WEF in Basel ablehnen, entgegnet Zappia: «Niemand will etwas anderes kopieren. Wenn wir etwas tun, wird es anders sein, nicht gegen einen anderen Event.»

Regionaljournal Basel Baselland, 24.3.2026, 17:30 Uhr ; 

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