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Nach Spesenskandal Armeechef gesteht Fehler ein

Philippe Rebord hat erstmals Stellung zu den Spesenexzessen bezogen und einen Teil der Verantwortung übernommen.

Legende: Audio Armeechef in der Defensive abspielen. Laufzeit 29:47 Minuten.
29:47 min, aus Samstagsrundschau vom 17.11.2018.

Es ist nur ein Beispiel für die Spesenexzesse bei der Schweizer Armee: Für ein Seminar von höheren Stabsoffizieren wurden im letzten Jahr die 18 Partnerinnen der Offiziere mit dem Armeehelikopter aus der ganzen Schweiz nach Sitten geflogen. Die Flugstunde eines Super-Puma-Helikopters kostet 11'000 Franken. Ein Untersuchungsbericht hält fest, die Armee habe dem «Grundsatz der Sparsamkeit zuwider gehandelt».

Ich entschuldige mich bei allen Menschen in der Schweiz, die zu Recht erwarten, dass wir mit Steuergeldern sorgsam umgehen.
Autor: Philippe RebordArmeechef

In der «Samstagsrundschau» von Radio SRF übernimmt Armeechef Philippe Rebord nun einen Teil der Verantwortung für die Spesenexzesse: «Ich entschuldige mich bei allen Menschen in der Schweiz, die zu Recht erwarten, dass wir mit Steuergeldern sorgsam umgehen.»

Nicht mehr zeitgemässe Traditionen

Der 61-jährige Korpskommandant sagt, in der Armee hätten sich Traditionen eingeschlichen, die nicht mehr zeitgemäss seien – etwa Partnerinnen von Offizieren mit dem Helikopter einzufliegen:

«Die Helikopterflüge haben die Armee nichts gekostet. Das wird aber von der Bevölkerung anders wahrgenommen.» Die Armee müsse zeitgemässer werden. «Ich komme aus jetziger Sicht selbstkritisch zum Schluss, dass bei uns in der Armeespitze moralische Fehler geschehen sind.»

Straf- und disziplinarrechtlich kann man uns nichts vorwerfen. Aber moralisch schon.

Rebord ist seit knapp zwei Jahren Chef der Armee. Er sagt, die Armee habe bei den üppigen Spesenabrechnungen aber nicht gegen das Gesetz verstossen: «Straf- und disziplinarrechtlich kann man uns nichts vorwerfen. Aber moralisch schon.»

Spesenreglement setzt Grenzen

Inzwischen hat das VBS reagiert: Seit September ist nun ein Spesenreglement in Kraft, dass Exzesse verhindern soll. So ist es nun explizit verboten, dass Ehefrauen von Offizieren eingeladen werden. Alkohol darf bei Armeeanlässen nur noch «in angemessenem Rahmen» ausgeschenkt werden. Und Abschiedsgeschenke wie Goldmünzen sind nicht mehr erlaubt.

Ich werde alles daransetzen, dass mit diesen Spesenreglementen ein Kulturwandel stattfindet, damit die Armee künftig nur noch gemäss ihrer Leistung beurteilt wird.

Armeechef Philippe Rebord glaubt, dass damit in der Armee ein Kulturwandel möglich werde: «Ich werde alles daransetzen, dass mit diesen Spesenreglementen ein Kulturwandel stattfindet, damit die Armee künftig nur noch gemäss ihrer Leistung beurteilt wird.»

Auf ein gutes Image angewiesen

Die Spesenaffäre kommt für die Armee zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Verteidigungsminister Guy Parmelin will ganze acht Milliarden Franken ausgeben für neue Kampfjets und neue Abwehrraketen – so genannte Bodluv-Systeme.

Für diesen ambitionierten Plan ist es natürlich Gift, wenn die Armee den Eindruck vermittelt, sie gehe unsorgfältig mit Steuergeldern um.

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48 Kommentare

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  • Kommentar von Mike Wieland (Marisol)
    Gewusst ? Kulturwandel geht über den Geldbeutel. In der Armee genauso wie in Genf. Fazit: Saufgelage, Orgien und exorbitante Handyrechnungen selber zahlen. Wo sind wir denn?
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  • Kommentar von Mike Wieland (Marisol)
    Wenn Ihr kein Brot habt, dann esst doch Kuchen. Wir sind bald wieder so weit. Während man oben in Saus und Braus lebt, kürzt man unten die EL, die Prämienverbilligung, erhöht die Spritpreise (aktuell in Frankreich), und erfindet Gebühren was das Zeug hergibt, vom Güselsack, über die Verzollung bei der Post, bis zum Eintrittsgeld (aka Kostenvorschuss) bei Gericht, nur damit der Kleine Mann ja nicht auf die Idee kommt sich zu wehren. Hab ich in 'nem anderen Kommentar was von Bananen gelesen?
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  • Kommentar von Thomas Heinis (Thommy)
    Durch Zufall erfährt man, dass die oberste Armeespitze jahrelang Steuergelder für „sogenannte“ Spesen verschwendete. Sogar Armeechef Rebord liess Partnerinnen von Offizieren per Helikopter einfliegen. Er ist der Meinung, dass diese Flüge dem Steuerzahler nichts gekosten haben. Mindenstens eine lückenlose Aufklärung über die letzten 10 Jahre, vollständige Rückzahlung und vielleicht über einen freiwilligen Rücktritt, sollten die Herren mal nachdenken. Vorbilder sind diese Herren sicher nicht.
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