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Einheimischer Fuchspelz: Ja, aber...
Aus Espresso vom 10.01.2020.
abspielen. Laufzeit 02:52 Minuten.
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Nachhaltiger Pelz? Die meisten Schweizer Fuchspelze werden verbrannt

Zehntausende Füchse werden in der Schweiz jedes Jahr bei der Jagd erlegt. Zu Pelz verwertet werden jedoch nur wenige.

Die Nachricht, dass der Modehändler PKZ ab 2021 pelzfrei wird, hat viele Reaktionen ausgelöst. Nach einem Beitrag des SRF-Konsumentenmagazins «Espresso» waren «Gute Entwicklung!» und «Das hätte schon lange passieren müssen!» in der Diskussion unter SRF-Usern die häufigsten Meinungen. Es gab jedoch auch Stimmen, die die grundsätzlich negative Stimmung zu Pelz hinterfragen.

Als Beispiel wird Pelz aus einheimischer Jagd angeführt. Füchse müssten sowieso gejagt werden – da sei es doch sinnvoll, deren schönes Fell auch zu verwerten, schrieben einige Kommentatoren nach dem Beitrag. Doch sind Fuchspelze geeignet, das schlechte Image von Pelz aufzupolieren?

Jährlich werden in der Schweiz zwischen 20'000 und 30'000 Füchse erlegt, zum «Bestandeserhalt». Das zeigt der Blick in die Jagdstatistik. Laut Bundesamt für Umwelt waren es 2018 gut 22'000. Branchenkenner schätzen, dass lediglich 2000 bis 4000 davon von spezialisierten Kürschnern zu Fuchspelz verarbeitet werden. Der Rest wird mangels Nachfrage verbrannt.

Doch Tierschützer hinterfragen die Fuchsjagd grundsätzlich. Nadja Brodmann vom Zürcher Tierschutz bezweifelt, ob es die Jagd zum Bestandeserhalt grundsätzlich braucht. Sie sagt auf Anfrage von «Espresso», der Bestand würde sich vermutlich über die Jahre einpendeln, auch ohne Jagd. Der Tierschutz lehne deshalb die Fuchsjagd grundsätzlich ab.

Fuchspelz.
Legende: 2003 versuchte die Branche, Fuchspelz salonfähig zu machen – wie hier an einer Modeschau in Zürich. Die Bemühungen der Jagdverbände und des Pelzfachverbands blieben erfolglos. Keystone

Doch solange Füchse geschossen werden, sei es sicher sinnvoll, deren Fell auch zu verwerten. Mit einer Einschränkung: Dies sollte nur zum Beispiel für das Innenfutter von Kleidungsstücken, für Isolationen oder auch für Kindermatratzen geschehen. Denn: «Wir lehnen das sichtbare Tragen von Pelz grundsätzlich ab, weil man so diesen tierquälerischen Modetrend unterstützt und legitimiert.» Es sei unmöglich, Schweizer Pelz aus hiesiger Jagd von solchem aus zum Beispiel polnischer oder finnischer Zucht zu unterscheiden.

Der Druck auf die Händler nimmt zu

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In den letzten Jahren haben sich immer mehr Schweizer Modehäuser und Kleiderketten vom Pelz verabschiedet. So etwa Globus, Jelmoli, Modissa oder das Zürcher Sportgeschäft Och Sport – nun hat auch PKZ den Rückzug aus dem Geschäft verkündet.

Erst kürzlich entschied sich zudem auch das deutsche Modehaus Bogner zu einem Sortiment ohne Pelz. Die Liste der pelzfreien Geschäfte, Link öffnet in einem neuen Fenster ist mittlerweile lang. Darunter befinden sich auch H&M, Zara, Mango, WE, Esprit und der Online-Händler Zalando.

Der Druck auf Läden, die weiterhin Produkte mit Pelz anbieten, wächst. In der Schweiz sind dies etwa das Zentralschweizer Modehaus Kofler oder das Aargauer Unternehmen Fashion Stylers. Beide haben auf die Fragen von «Espresso» nicht reagiert. Das Genfer Modehaus Bongénie Grieder teilt mit, «solange eine grosse Nachfrage besteht, werden wir weiterhin Artikel mit Pelz anbieten».

Schweizer Fuchspelz finde man zudem nur in Spezialgeschäften oder vereinzelt im Internet. In gewöhnlichen Kleiderläden habe der Tierschutz bei Kontrollbesuchen noch nie einen Fuchspelz aus Schweizer Jagd entdeckt.

SRF DOK: Pelz an Winterjacken – Das Leiden von Polarfuchs und Marderhund in Finnland

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30 Kommentare

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  • Kommentar von Marlies Artho  (marlies artho)
    Selber kenne ich Jäger die eine grosse Ehrfurcht vor den Wildtieren haben. Kommt oft auch auf einen Jagdleiter an. Das trinken fand meistens erst nach dem Jagende des Tages stat, in einer gemütlichen Runde, wo es auch unterschiedliche Trinker gibt. Auch kümmern sich einige Jäger im Winter wenn es viel Schnee hat um die Wildtiere, in dem sie freiwillig ohne Staatsgehalt Futterkrippen aufstellen und mit Heu auffüllen. Einfach so, möchte ich dies hier erwähnen.
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  • Kommentar von marlene Zelger  (Marlene Zelger)
    Es ist ja schon ein Witz: Pelze aus umstrittenen Farmen werden in den Läden verkauft.Pelze von ohnehin geschossenen oder natürlich gestorbenenTieren dagegen landen im Abfall.
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    1. Antwort von Marlies Artho  (marlies artho)
      m. Zelger ja dies finde ich eigentlich gravierend,dass man beim Pelz keine Unterschiede mehr macht.zB. Kaninchen-Felle,Fuchs-Felle kommen hier in der Schweiz doch nicht aus den Zuchtfarmen. Kaninchenfleisch wird gegessen weil es gesund für Menschen Fettarm ist und dient z.T. zur Ernährung. Das Kaninchen-Fell wird verbrannt anstelle nachhaltig zu denken. Die population von Füchsen ist gross, auch gibt es oft Fuchsbandwurm, oder Tollwut ist auch ein Thema. Mir fehlt ein wenig das differenzieren.
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  • Kommentar von Beni Fuchs  (Beni Fuchs)
    20'000 bis 30'000 Füchse werden also jedes Jahr geschossen? Zum Bestandesschutz? Und darüber redet niemand? Aber bei fünf Wölfen gibts ein Riesentheater? Und dann verbrennt man erst noch 75% dieser Felle und hängt sich stattdessen Pelze von gefolterten Tieren, ohne Wärmewirkung zu erzhielen, um den Hals? Kann man diese Spezies noch ernst nehmen? ...Gruss vom Fuchs...
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