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Naturgefahren Campingstreit im Wallis: Positive Zeichen vor der Sommersaison

13 Campingplätze sind im Wallis wegen Naturgefahren gesperrt. Im Goms sieht es nun nach einer positiven Wende aus.

Es ist ein wahrer Campingstreit, der im Wallis tobt. Mitte März hat die Kantonale Baukommission dreizehn Campingbetreiber informiert, dass sie ihre Plätze nicht mehr benützen dürfen. Das hat einige Betreiber hart getroffen, das Unverständnis war gross.

Nun scheint sich in der Auseinandersetzung mit dem Kanton etwas zu bewegen - zumindest für zwei betroffene Campings in der Gemeinde Goms. In einer Mail, die SRF vorliegt, schreibt die Dienststelle für Naturgefahren des Kantons, dass ein neues Gutachten zu den Gefahren vorliege. Dieses zeige, dass ein Betrieb unter Gewährleistung der Sicherheit nun möglich sei. Die Campings könnten bei der Kantonalen Baukommission ein Wiedererwägungsgesuch stellen.

William Jerjen, der den Campingplatz Rhodania in Reckingen betreibt, atmet etwas auf. «Hoffen wir mal, dass es für uns Campingbetreiber gut rauskommt», sagt er.

Auch im Unterwallis arbeiten Gemeinden und Campings an Lösungen. Der Camping des Glaciers in La Fouly hat bereits die Zusicherung, einen Drittel der Fläche zu bewirtschaften. Er hat das Alarmsystem verbessert. Auch der Campingplatz Molignon im Val d’Hérens ist daran, Sicherheitsmassnahmen zu erarbeiten.

«Es droht der Konkurs»

Das Benützungsverbot des Kantons sorgt unter den betroffenen Campingbetreibern seit Mitte März für Diskussionen und grosse Sorgen. «Es ist eine Enteignung, was da läuft», sagt Katherina Steiner-Bucher. Sie hat mit ihrem Mann Pim Beijen vor zwei Jahren den Camping Riverside in der Gemeinde Goms eröffnet. Ihr ganzes Vermögen stecke im Platz und im Restaurant. «Jetzt wird es eng, wir haben viele offene Rechnungen, können aber keine Reservationen entgegennehmen», so Beijen. Bis Ende April brauche er einen Entscheid, sonst drohe der Konkurs.

Der Camping Riverside ist in der blauen Gefahrenzone. Das bedeutet «mittlere Gefährdung». Gleich nebenan ist der Waldstellplatz von William Jerjen. Auch er ist in der blauen Zone, auch er hat den Brief mit dem Benützungsverbot erhalten. «Wir hatten hier in rund 60 Jahren nie Wasser auf dem Platz.» Habe es Gefahrenmeldungen gegeben, sei der Platz evakuiert worden.

Kritik am Kanton

Seit den harschen Verboten hagelt es Kritik an der Kantonalen Baukommission. «Ich verstehe das überhaupt nicht», sagt zum Beispiel Gerhard Kiechler, der Gemeindepräsident von Goms. Es gehe um den Sommertourismus. «Wir werden viel mehr Wildcamper haben», beklagt er sich. Diese seien dann eventuell tatsächlich in Gefahrengebieten unterwegs, wo man sie nicht erreiche.

In der Gemeinde Goms mutmassen Leute auf der Strasse, dass die Behörden nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana und dem Bergsturz von Blatten überreagierten. Dagegen wehrt sich Hans-Jörg Arnold. Er ist Architekt und Mitglied in der Kantonalen Baukommission, einem Milizgremium. Man sei bei einigen Campings schon mit einem blauen Auge davongekommen. Er erwähnt den Camping von Arolla, der 2025 dauerhaft geschlossen wurde. Man könne die Massnahmen nicht einfach aufschieben. Zudem habe man schon vor sechs Jahren begonnen zu informieren.

Die Baukommission erwartet, dass Gemeinden und Campingbetreiber etwas unternehmen, bevor wieder diskutiert wird. Evakuierungspläne, Alarmsysteme, Dämme. Die Gemeinde Goms hat nun in einem Schnellverfahren eine Ausweichrinne für den nahen Bach gebaut. Diese Massnahme hat im Goms nun anscheinend etwas bewirkt – auch wenn das Verbot noch nicht aufgehoben ist.

«Rundschau»

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SRF Rundschau vom 29.04.2026

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