Zum Inhalt springen

Header

Audio
Hat der Bund von den Kantonen einige Sorgenkinder geerbt?
Aus Echo der Zeit vom 12.07.2020.
abspielen. Laufzeit 04:25 Minuten.
Inhalt

Neue Nationalstrassen Eine problematische Erbschaft für den Bund

Ein Bericht zeigt, dass mehrere Abschnitte des erweiterten Nationalstrassen-Netzes in kritischem Zustand sind.

Auf Anfang Jahr ist das Nationalstrassen-Netz der Schweiz über Nacht um über 400 Kilometer gewachsen: Verschiedene Kantonsstrassen sind in Bundeshand übergegangen. Nun zeigt ein Bericht, dass darunter einige kritische Abschnitte sind. Hat der Bund also einige Sorgenkinder geerbt?

Die kritischen Strecken liegen mehrheitlich in den Gebirgskantonen Wallis, Graubünden und Bern. Das zeigt der 41-seitige Bericht des Bundesamtes für Strassen über den Zustand der neuen Strecken.

Kosten pro Jahr: 275 Millionen Franken

Textbox aufklappenTextbox zuklappen

Das Astra schätzt die Kosten für Betrieb, Unterhalt und Ausbau der neuen Strecken derzeit auf zusätzliche 275 Millionen Franken pro Jahr. Doch die Kantone haben weitere 224 Projekte auf diesen rund 400 Kilometern angedacht: Umfahrungen, Ausbauten und anderes mehr. Die Kosten dafür belaufen sich auf knapp 13 Milliarden Franken.

Auch diese will das Astra prüfen, wobei Benno Schmid, Mediensprecher beim zuständigen Bundesamt Astra, einschränkt: «Die knappen personellen und finanziellen Ressourcen zwingen uns zu einer Priorisierung.» Somit wird der Bund nicht alle Wunschprojekte der Kantone umsetzen.

Doch Benno Schmid, Mediensprecher beim zuständigen Bundesamt Astra, mag sich darüber nicht ärgern. «Bei einer Erbschaft weiss man nie, was man bekommt», sagt er. Es sei aber so, dass die neuen Nationalstrassen vom Parlament festgelegt worden seien. Dieses habe unabhängig vom Zustand der Strecken entschieden, es seien andere Kriterien ausschlaggebend gewesen.

Ein Kriterium war, dass die Strecken mittelgrosse Städte oder Tourismuszentren ans Nationalstrassen-Netz anschliessen. Dabei lautete die Vereinbarung mit den Kantonen: Strassen gegen Geld. Die Kantone übergeben ihre Strecken und zahlen fortan 60 Millionen Franken jährlich in die Strassenkasse des Bundes, in den Nationalstrassen- und Agglomerations-Verkehrs-Fonds. Neu im Netz der Nationalstrassen ist beispielsweise die Strecke über den Julier-Pass im Kanton Graubünden, 56 Kilometer zwischen Thusis und Silvaplana.

Strasse in Bivio
Legende: Diese Strasse in Bivio ist neu im Nationalstrassen-Netz und führt über den Julier-Pass im Kanton Graubünden. Keystone

«Die detaillierte Analyse zeigt, dass die Fahrbahnen und somit die Beläge, aber auch die Brücken in einem relativ guten bis sehr guten Zustand sind», sagt Kantonsingenieur Reto Knuchel. Kritisch seien vor allem die Tunnels auf dieser Strecke beurteilt worden. Der Kanton habe in den vergangenen Jahren viel investiert und werde es auch noch in den nächsten zwei Jahren tun. Begonnene Projekte würden noch zu Ende geführt.

Das spricht laut Kantonsingenieur Knuchel auch gegen die These, dass der Kanton Graubünden die Strasse bewusst in einem schlechten Zustand dem Bund übergeben haben könnte, um damit Kosten einzusparen.

Kritisch: Strecke zum Grossen St. Bernhard

Im Kanton Wallis formuliert es Ingenieur Jacques Rudaz etwas anders: Der Kanton habe ein Strassennetz von rund 1600 Kilometern Länge, diese sei also vergleichbar mit jener des Nationalstrassen-Netzes. Allerdings stehe dem Kanton, verglichen mit dem Bund, nur ein Zehntel der finanziellen Mittel zur Verfügung, weshalb er Prioritäten setze.

Als kritisch wird im Kanton Wallis die knapp 40 Kilometer lange Strecke zum Grossen St. Bernhard eingestuft sowie die Strecke Gampel – Goppenstein, zum Autoverlad durch den Lötschberg. Auf beiden Strecken müssen die Fahrbahnen und Beläge, die Kunstbauten sowie Sicherheitsvorkehrungen wie etwa die Tunnelbelüftung erneuert werden.

Wir sind sicher, dass wir bei der einen oder anderen Strecke noch auf Überraschungen stossen werden.
Autor: Benno SchmidMediensprecher Astra

In einem nächsten Schritt will das Bundesamt Astra die neuen Strecken genau unter die Lupe nehmen. «Wir sind sicher, dass wir bei der einen oder anderen Strecke noch auf Überraschungen stossen werden», sagt Mediensprecher Benno Schmid. «Wir müssen diese Strecken zuerst kennenlernen.» Das Nationalstrassen-Netz werde um ein Viertel seiner Grösse erweitert.

Echo der Zeit, 12.07.2020, 19:00 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

17 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Ueli Moser  (Zappadap)
    Der Autoverlad in Goppenstein und Kandersteg soll gratis werden, weil der Lötschberg zum Nationalstrassennetz gehört (soviel zum Stimmenfang einiger Politiker).
    Die Querung der Hängebrücke in Sigriswil kostet 8 Franken (pro Person!) für die Wanderer ...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Thomas Leu  (tleu)
    Die Kantone haben sich rational verhalten. Ab dem Zeitpunkt, wo sie wussten, dass der Bund die Strassen übernimmt, haben sie keinen Rappen mehr in den nicht überlebensnotwendigen Unterhalt gesteckt. @Herr Schaffner: Die Österreicher erheben schon lange Passmauten; und zwar bei den Pässen die nur noch touristischen Zwecken dienen, also von der ansässigen Bevölkerung nicht mehr gebraucht werden, weil es Tunnels gibt. Damit würde der Unterhalt von den Benutzern und nicht der Allgemeinheit bezahlt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
      Ich musste noch nie auf einer östereichischen Passstrasse eine Gebühr zahlen ausser dem Brenner. Jedenfalls nicht im Tirol oder im Vorarlbergischen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Olaf Schulenburg: Hier finden Sie die Preisliste für den Grossglockner: https://www.grossglockner.at/gg/de/preiseoeffnungszeiten. Tageskarte: PW = 37 Euro, Motorrad = 27 Euro. Das ist einer der Pässe, die nur noch für den Tourismus relevant sind. Deshalb bezahlen die Benutzer eine Gebühr und damit die Kosten für den Unterhalt. Das ist das Geld, das sonst die Allgemeinheit bezahlen müsste. Auch eine Bergbahn dürfen Sie ja nicht gratis benutzen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Jörg Frey  (giogio)
      Vor allem Gampel-Goppenstein ist wohl ein Pass eine touristische Zwecke. Da hätten die Walliser wohl Freude daran.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Jörg Frey: Wie überall kann man den Anwohnern grosszügige Rabatte gewähren oder eine Jahrespauschale nur für Anwohner. Das gleiche kennen Sie bereits aus den gemeindeeigenen Schwimmbädern, wo die Gemeindeeinwohner eine Saisonkarte lösen können. Auch beim Gotthardstrassentunnel könnte man die Benutzer per Maut zur Kasse bitten und den Tessinern und Urnern Rabatt oder eine Pauschale gewähren. Ist alles machbar, wenn man denn will.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    5. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Tleu: der Grossglockner ist eine Hochalpenstrasse und keine Passstrasse wie z.B. der Arlberg.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    6. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Albert Planta: Die Österreicher benennen die Dinge offenbar anders. Nunja, auf jeden Fall muss man bezahlen und bei uns ist alles gratis.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    7. Antwort von Hans Peter  (Byron)
      @Ihre Information ist korrekt. Neben der Grossglocknerstrasse gibt es z.B. - in Grenznähe - die Silvretta Hochalpen (!) Strasse, eine mautpflichtige, touristische Passverbindung zwischen Ischgl und dem Montafon.
      Es gibt aber auch bei uns ein paar alpine Mautverbindungen, z.B. zum Engstlensee, in den meisten Fällen aber Sackgassen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Schaffner  (Housi)
    Der Bund ist ja kreativ was neue Einnahmen betrifft. Für Passstrassen wäre es dann eine Passmaut!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen