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Der «Blick» will seriöser werden
Aus Info 3 vom 24.06.2021.
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Neue redaktionelle Richtlinien Der «Blick» will in Zukunft weniger «Witwenschütteln»

Der «Blick» will mit neuen journalistischen Richtlinien die Persönlichkeitsrechte von Opfern und Tätern besser schützen.

«Der Diener ist nicht der Mörder» – das war die Schlagzeile auf der Frontseite der allerersten Ausgabe des «Blicks» im Oktober 1959. Von Beginn an setzt die Boulevardzeitung in ihrer Berichterstattung stark auf Kriminalfälle.

Dabei geht sie sehr nahe ran an die Opfer und Täter. Deshalb gilt der «Blick» rasch als Revolverblatt. Das Image ist bis heute geblieben. Beispielhaft dafür ist der vierfache Mordfall im aargauischen Rupperswil vom Dezember 2015.

Was bedeutet «Witwenschütteln»?

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Im Journalismus wird dieser Begriff verwendet, wenn man Angehörigen von Opfern nachspürt und sie interviewt, um möglichst exklusive persönliche Informationen zu erhalten. Die Boulevardzeitung «Blick» hat dies über Jahrzehnte gemacht und damit manche Schlagzeile generiert. Doch dieses Vorgehen hat auch immer wieder Kritik ausgelöst. Die «Blick»-Reporter seien pietätlos, das Blatt mache sein Geld mit dem Leid anderer, so der Vorwurf.

Über Wochen füllt die Zeitung ihre Seiten mit dem Fall und geht dabei immer wieder auch pietätlos vor. Reporter bedrängen die Hinterbliebenen. «Hier nehmen die Angehörigen Abschied» ist eine Schlagzeile. Und sie verdächtigen Unschuldige, etwa mit der Frage im Titel: «Drehte der Ex-Mann durch?»

«Wir wollen uns keine Fehler mehr leisten»

Und natürlich darf auch diese knallige Schlagzeile nicht fehlen, als der Fall gelöst ist: «Die Bestie vom Rupperswil ist gefasst». Die Art, wie der «Blick» über Verbrechen berichtet, hat ihm auch immer wieder Kritik eingetragen.

Christian Dorer, Chefredaktor der Blick-Gruppe.
Legende: Christian Dorer, Chefredaktor der Blick-Gruppe, gelobt Besserung. Keystone

Neue journalistische Richtlinien sollen dem nun entgegenwirken, sagt Christian Dorer, Chefredaktor der Blick-Gruppe. «‹Crime› gehört zur Tradition des ‹Blicks›, aber wir wollen im Umgang mit Opfern und mit Tätern korrekt arbeiten, und uns hier keine Fehler mehr leisten. Das wollten wir eigentlich schon vorher. Aber es sind zu viele Pannen passiert und die wollen wir in Zukunft vermeiden.» Dabei geht es vor allem darum, dass die Zeitung weniger Details über die Opfer und mutmasslichen Täter veröffentlicht.

Sonst könnten die Leserinnen und Leser ihre Identität erkennen. «Das ist verschiedentlich passiert», gibt Dorer zu. «Das kann dann passieren, wenn man zu viele Beschreibungen in einem Text hat, zum Beispiel wie das Haus aussieht, wo das Opfer wohnt, was das Opfer beruflich gemacht hat. In der Kombination kann das erweiterte Umfeld daraus schliessen, wer das war.» Das solle in Zukunft nicht mehr passieren, so der Chefredaktor.

Wird das seriösere Konzept aufgehen?

Medienwissenschaftler Linards Udris von der Universität Zürich reagiert positiv auf die neuen Richtlinien beim «Blick». «Diese neuen Richtlinien sind wirklich interessant und auch aus einer medienethischen Perspektive sehr zu begrüssen.» Korrekter Journalismus und Respekt für Persönlichkeitsrechte seien wichtig. Doch lege der «Blick» im Grunde Prinzipien fest, die im Journalismus eigentlich selbstverständlich sein sollten, kritisiert er.

Dazu gehörten etwa das Unkenntlichmachen von Opfern und Täterinnen und Tätern sowie das Respektieren ihrer Rechte. Ob das neue Konzept einer seriöseren, politischeren Boulevardzeitung aufgehe, müsse man abwarten. Der Medienwissenschaftler wird die Entwicklung des «Blick» auf jeden Fall aufmerksam verfolgen und ihn an seinen künftigen Schlagzeilen messen.

Info 3, 24.06.2021, 12:00 Uhr

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
    Ich habe vor vielen ein einziges Mal wegen dem Sportteil eine Bkickausgabe gekauft. Ansonsten nie und werde es auch nie wieder tun. Lag mal eine rum und ich schaute rein, bestätigte es meinen Entscheid dafür kein Geld auszugeben. Schon nur die überdimensionierte, dicke, fette, schlagwortlastige Headline geht mir gegen den Strich. Das ist der Grund warum ich mit der einen/anderen Überschrift bei SRF Mühe habe. Es erinnert an schlechten, sensationsheischenden, zum Teil verletzenden Journalismus.
  • Kommentar von Rudi Hardy  (Wombat)
    Das Publikum will solche Sachen lesen, frueher wie auch heute. Habe die erste Ausgabe gelesen im Alter von 11 Jahren. Meine Eltern waren nicht begeistert darueber und ich kriegte ein Verbot so was wieder ins Haus zu bringen. Hab die Schweiz verlassen in 1968 und dann in Suedafrika Bild gelesen (das Gegenstueck aus Deutsch-land)
    1. Antwort von Hermann Roth  (Dr. Wissenschaftler)
      Wenn man etwas druckt, nur weil "es die Leute lesen wollen", obwohl es die Rechte anderer verletzt, hat das mit Journalismus nichts zu tun und ist die Definition von unethischer Arbeit.
  • Kommentar von Urs Müller  (Jackobli)
    Immer die selbe Leier. Das hat man schon mindesten einmal, vermutlich aber häufiger versprochen. Dann ist man kurze Zeit etwas seriöser, bevor es von Neuem losgeht.