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Neuer Grimseltunnel Ein Riesenprojekt für wenig Leute?

Laut Bundesrat ist ein Tunnel unter dem Grimselpass ein Schlüsselprojekt. Doch die ÖV-Branche sieht andere Prioritäten.

Das ist neu: Diese Woche hat der Bundesrat bekannt gegeben, dass ein neuer Tunnel unter dem Grimselpass zu den Schlüsselprojekten der Verkehrsinfrastruktur gehört. Das Projekt wird in die nächsten Investitionsbotschaften aufgenommen – neben anderen grossen Projekten wie dem Umbau des Bahnhofs Genf, dem Durchgangsbahnhof in Luzern oder dem Zimmerberg-Basistunnel II in Zürich.

Das Projekt Grimseltunnel: Es soll ein 22 Kilometer langer, einspuriger Schmalspur-Bahntunnel zwischen Oberwald VS und Innertkirchen BE entstehen – mit Haltestellen in Guttannen und Handeck. Die Höchstspannungsleitung, die aktuell über den Grimselpass führt und sowieso ersetzt werden muss, soll von der Oberfläche verschwinden und ebenfalls durch den neuen Tunnel geführt werden. Der Bau würde rund 800 Millionen Franken kosten.

Stromleitungen in bergiger Landschaft mit schneebedeckten Gipfeln.
Legende: Die Masten der Höchstspannungsleitung prägen heute die Landschaft auf dem Grimselpass. Schweiz Aktuell

Das spricht für das Projekt: Vor allem im Winter soll die neue Verbindung zwischen dem Berner Oberland und dem Wallis den Tourismus beleben. Zudem sehen die Promotoren des Projekts ein grosses Potenzial für den Arbeitsmarkt im Goms und im Haslital, wenn die beiden Täler verbunden werden. Auch Umweltorganisationen haben sich bislang nicht gegen das Projekt geäussert. Der Verkehrsclub der Schweiz (VCS) begrüsst insbesondere, dass Bahn und Stromleitungen im Tunnel kombiniert werden sollen.

Für uns ist der Grimseltunnel nicht ganz oben auf der Prioritätenliste.
Autor: Ueli Stückelberger Direktor Verband öffentlicher Verkehr

Das wird kritisiert: 800 Millionen Franken sind viel Geld. Ueli Stückelberger, der Direktor des Verbands des öffentlichen Verkehrs, fragt sich, was die Kundinnen und Kunden davon haben: «Unter diesem Aspekt ist der Grimseltunnel für uns nicht ganz oben auf der Prioritätenliste», sagt er. Das Geld müsse vor allem dort investiert werden, wo ÖV‑Benutzerinnen und -Benutzer Engpässe haben, etwa in Lausanne, Genf oder in den Zürcher S-Bahnen.

So geht es weiter: Der Bundesrat hat diese Woche auch gesagt, dass er von den betroffenen Kantonen zusätzliche Informationen will. Sie sollen aufzeigen, wie sie die Potenziale des Grimseltunnels durch eine proaktive Raumplanung und Standortentwicklung nutzen möchten. Die Promotoren des Projekts wollen schon im Sommer informieren, welchen konkreten Mehrwert der Tunnel aus ihrer Sicht bringt. Ob das Investitionen von 800 Millionen Franken rechtfertigt, muss letztlich das Bundesparlament entscheiden.

Schweiz Aktuell, 29.1.2026, 19 Uhr ; 

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