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Droht jetzt die Akademisierung des Hebammenberufes?
Aus Regionaljournal Bern Freiburg Wallis vom 04.11.2020.
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Neuer Masterstudiengang Erste Hebammen schliessen mit Master ab

In diesen Tagen erhielten die ersten Schweizer Hebammen ein Masterdiplom. Es ist ein Meilenstein für die Berufsgruppe.

Lena Sutter arbeitete zwölf Jahre als Hebamme. Zuerst in der Frauenklinik des Universitätsspitals in Bern, dann freiberuflich. Ihr gefiel die Arbeit, doch sie spürte auch Zweifel. «Als freiberufliche Hebamme ist man immer auf Abruf», so Sutter. Sie wollte nicht bis zur Pensionierung so weiterarbeiten.

2017 schrieb sie sich für den neu geschaffenen Masterstudiengang für Hebammen ein. Dieser wurde von der Berner Fachhochschule und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) ins Leben gerufen.

Im Masterstudiengang habe ich gelernt, übergeordnet wissenschaftlich zu denken und zu argumentieren.
Autor: Lena SutterHebamme mit Masterdiplom

Nun, drei Jahre später, erhält Lena Sutter als eine der ersten Schweizer Hebammen ein Masterdiplom. Im Masterstudiengang habe sie gelernt, übergeordnet wissenschaftlich zu denken und zu argumentieren, so Sutter.

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SRF Archiv: Einzelne studierten bereits vor den 60er Jahren im Ausland.
Aus News-Clip vom 23.05.2019.
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Sie kann ihr Wissen aus der Theorie auch gleich in die Praxis umsetzen. Bereits während des Studiums begann sie ihre Arbeit als Hebammenexpertin in der Frauenklinik des Berner Inselspitals.

Ankämpfen gegen veraltete Vorstellungen

«Viele Menschen haben veraltete Vorstellungen des Hebammenberufs», sagt Eva Cignacco. Sie ist Leiterin des Masterstudiengangs für Hebammen an der Berner Fachhochschule. «Viele glauben, die Hebamme würde nach der Geburt nach dem heissen Wasser schreien, damit man das Kind baden kann», sagt Cignacco. Der Hebammenberuf beinhalte aber viel mehr. Und die Fragestellungen in der Geburtshilfe würden immer komplexer, weil viele Frauen immer älter sind bei der Geburt.

Viele glauben, die Hebamme sei diejenige, die nach der Geburt nach dem heissen Wasser schreit.
Autor: Eva CignaccoLeiterin Masterstudiengang für Hebammen Berner Fachhochschule

Das Problem in der Schweiz sei, dass es kaum wissenschaftliche Studien aus der Perspektive der Hebammen gebe. Die Konsequenzen davon musste Eva Cignacco persönlich erfahren. Als sie als junge Hebamme auf Wunsch der gebärenden Frau einen Dammschnitt verhinderte, wurde sie zunächst vom behandelnden Arzt belehrt. In ihrer Freizeit trug sie wissenschaftliche Studien aus dem Ausland zusammen und konnte belegen: Ein standardisierter Dammschnitt ist nicht gerechtfertigt.

Im Rahmen des Masterstudiums können Hebammen spezifische Bereiche der Geburtshilfe vertiefen. Eva Cignacco findet deshalb: «Der Masterstudiengang ist ein ganz wichtiger Meilenstein für den Hebammenberuf.»

Droht Verakademisierung?

Aber führt das Masterstudium nicht zu einer Verakademisierung eines Berufes, der vor allem praktisch ausgerichtet ist? «In der Schweiz gibt es rund 2500 praktizierende Hebammen», so Cignacco. Bei zwölf Master-Absolventinnen sei es deshalb übertrieben, von einer Verakademisierung zu sprechen. «Zudem stelle ich fest, dass die Gefahr der Verakademisierung ausschliesslich bei Frauenberufen gestellt wird», sagt Cignacco.

Symbolbild Hebamme
Legende: Keystone

Was aber ist mit Hebammen, die keinen akademischen Abschluss haben? Eine davon ist Verena Piguet. Sie hat ihre Ausbildung vor Jahren an einer Hebammenschule abgeschlossen. Piguet führt in Steffisburg im Kanton Bern eine Gruppenpraxis für Hebammen und ist Präsidentin der Berner Sektion des Schweizerischen Hebammenverbandes. «Ich muss gestehen, zu Beginn hatte ich Bedenken, dass das Pendel zu fest in Richtung Akademisierung schlägt», sagt Piguet.

Schlussendlich sei sie jedoch davon überzeugt, dass die Masterausbildung für die ganze Berufsgruppe grosse Vorteile bringt. Denn: «Wenn in einem Spitalteam eine Hebamme mit Masterstudium mitdiskutiert, die sich auf wissenschaftliche Studien berufen kann, dann erhöht das die Behandlungsqualität.»

Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 04.11.2020, 17:30 Uhr;

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Marielle Carlen  (Dipl. Pflegefachfrau)
    Bravo! Herzliche Gratulation!
    Ich freue mich für alle 12 Pionierinnen und inbesondere auch für die Profession der Hebammen! Alles Gute bei der Ausarbeitung Ihrer neuen Funktion!

    p.s. an alle, die denken, die Akademisierung der Hebamme sei nicht nötig: Es war schon längst an der Zeit! Die Hebammen studieren seit längerem an der Fachhochschule für ihren Bachelor und der Master gehört schlicht dazu :-)
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  • Kommentar von Peter Mächler  (P. Mächler)
    Wir benötigen für alles Hochschulabschlüsse und Titel. Ich achte und respektiere eine Hebamme und andere Berufsmenschen auch ohne HS Abschlüsse und ohne Titel. Mir ist wichtig, dass speziell die Hebamen ihren Beruf mit Liebe und Hingabe ausüben, ihn verstehen und einen gute Job machen und vor allem Freude daran haben. Ansonsten nützen Papiere und Titel nichts wenn sie die Fähigkeiten fürs Handwerk nicht haben. Wir sollten wieder bescheidener werden. Weniger ist mehr.
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  • Kommentar von Roger Ebischer  (RO.Ebi)
    Ein Master kann durchaus Sinn machen. Die Ausbildung zur Hebamme ist sehr anspruchsvoll und ein Mehrwert für die Gesellschaft. Man bedenke, bei fast allen Geburten sind Hebammen die solchen, die die Geburt leiten und nicht die Ärzte.
    Hebammen haben auch ein viel besseres Verständnis zur ursprünglichen Geburt, verglichen zu den Ärzten, die nur Geld damit verdienen, wenn man einen Kaiserschnitt durchführt. Ausserdem reklamiert auch keiner dass es zu viele Wirtschaftsabschlüsse gibt.
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