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Legende: Audio Flüchtlinge sollen Flüchtlinge beraten abspielen. Laufzeit 04:22 Minuten.
04:22 min, aus Echo der Zeit vom 04.05.2019.
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Neuer Verein Paxion Flüchtlinge helfen Flüchtlingen

Der Verein Paxion will Flüchtlinge begleiten und beraten. Helfen sollen dabei Menschen mit Migrationshintergrund.

Wer flüchten muss, hat vorher und währenddessen oft Dinge erlebt, die man nur schwer überwinden kann. Gemäss einer Studie des Bundesamtes für Gesundheit BAG leidet in der Schweiz über die Hälfte der Asylsuchenden und Flüchtlinge unter einer sogenannten Trauma-Folge-Störung.

Es gibt aber nicht genügend Therapieplätze. Der neu gegründete Verein Paxion will Abhilfe schaffen und Betroffene begleiten und beraten. Helfen sollen dabei Menschen mit Migrationshintergrund.

«Ich habe mir ein besseres Leben gewünscht»

Eine, die solche Beratungen durchführen möchte, ist Genet Ameha. Schwierig sei es gewesen, als sie vor neun Jahren in die Schweiz gekommen sei, erzählt sie. Damals war sie 21 Jahre alt. Aus frauenspezifischen Gründen sei sie aus Äthiopien geflüchtet. Zuerst wollten die Behörden nicht auf ihr Asylgesuch eintreten. Ameha lebte einige Jahre im Asylheim – und war ernüchtert.

«Ich bin hierhergekommen, weil ich mir ein besseres Leben gewünscht habe. Die Flucht war lang, und wenn man dann weggestossen wird, ist man enttäuscht», schildert Ameha ihre damaligen Gefühle.

Am schwierigsten sei für sie die fremde Mentalität gewesen, die Anonymität. In Äthiopien würde man sich bei Augenkontakt grüssen, auch wenn man sich nicht kenne. In der Schweiz sei das plötzlich anders gewesen.

Die Distanz war für mich am Anfang ein Schock.
Autor: Genet AmehaFlüchtling aus Äthiopien

«Wenn ich jemanden irgendwo getroffen habe, habe ich diese Person beim nächsten Mal gegrüsst. Diese hat dann oft befremdet reagiert. Diese Distanz war für mich am Anfang ein Schock», erinnert sich die junge Frau.

Eine Beraterin hätte ihr helfen können

Genet Ameha ging es immer schlechter. Sie erkannte sich nicht wieder. «Ich hatte jeden Tag Kopfschmerzen, was ich vorher nicht kannte. Ich hatte ohne Grund Bauch- und Rückenweh, lag manchmal den ganzen Tag im Bett und bin nicht rausgegangen», so Ameha.

Eine Beraterin hätte ihr damals helfen können, glaubt sie. Eine Frau, die ihre Sprache, aber auch die des neuen Landes gesprochen hätte. Die die alte und die neue Kultur versteht, die ihr aber auch einfach Tipps für den Alltag gegeben hätte.

Flüchtlinge im Bundesasylzentrum Glaubenberg
Legende: Genet Ameha hätte sich bei ihrer Ankunft eine Beraterin gewünscht. Eine Frau, die ihre Sprache, aber auch die des neuen Landes gesprochen hätte. Keystone (Symbolbild)

Solche Hilfe möchte der Verein Paxion anbieten. Vereins-Gründerin ist die Bernerin Esther Oester, eine Ökonomin mit Erfahrung in Entwicklungszusammenarbeit. Sie glaubt, es brauche ein psychosoziales Beratungsangebot.

«Wir haben viele Therapeuten, die mit Dolmetschern arbeiten und sagen, sie betreuten manchmal Leute mit sozialen Problemen wie Lohn oder Wohnung», sagt Oester. Auf der anderen Seite gebe es die Asylorganisationen, deren Berater oftmals nicht genug Zeit hätten.

Modell aus Deutschland ist Vorbild

Für schwer traumatisierte Menschen gebe es Angebote, so Oester weiter, es fehle aber an Unterstützung und Begleitung für Leute, die nicht stark krank seien. Wer sein Leben im Griff habe, könne eher arbeiten und sei nicht so sehr vom Staat abhängig, sagt Oester.

Vorbild ist ein Modell aus Deutschland, wo Migranten ein Jahr lang weitergebildet werden, die einen Beruf im Gesundheits- oder Sozialbereich erlernt haben. Dann werden sie in der Flüchtlingsbetreuung eingesetzt. Das Bundesamt für Gesundheit würde solche Unterstützungen auch in der Schweiz begrüssen, sagt ein Mediensprecher.

Der Verein Paxion sucht nun Pilotkantone, die bei einem solchen Projekt mitziehen, und hofft auf Unterstützung vom Staatssekretariat für Migration. Dort heisst es auf Anfrage, man prüfe, ob es solche Projekte brauche.

Der Äthiopierin Genet Ameha geht es inzwischen gut. Sie hat einen B-Ausweis erhalten und kann in der Schweiz bleiben. Sie arbeitet als Dolmetscherin und in einem Asylzentrum.

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32 Kommentare

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  • Kommentar von Dominik Wermuth  (Dominik W.)
    «Ich habe mir ein besseres Leben gewünscht» sagt schon alles aus! Weit über 80% der Asylbewerber kommen aus wirtschaftlichen Gründen in die Schweiz und müssen umgehend remigriert werden. Unser humanitäre Gedanke hinter dem Asylwesen wird schamlos ausgenutzt, "echte" und schutzbedürftige Asylsuchende finden kaum noch den Weg zu uns in die Schweiz.
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  • Kommentar von Werner Christmann  (chrischi1)
    Wie wenn wir nicht schon X staatlich finanzierte Progrämmli hätten. Spirale ohne Ende?
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    1. Antwort von Margrit Holzhammer  (Margrit Holzhammer)
      @Werner Christmann: Spirale ohne Ende? Ja, aber ins Abseits!
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    2. Antwort von Hanspeter Müller  (HPMüller)
      Bei fast allen Eingliederungsprogrammen wurden die finanziellen Mittel massiv gekürzt in den letzten Jahren, weil Integration angeblich keine Staatliche Aufgabe sei. Jetzt füllt ein privat organisiertes und finanziertes Programm eine der hinterlassenen Lücken und jetzt ists auch wieder nicht recht?
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  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    Ein besseres Leben wünschen sich Mia auf Erden! Darum unterscheiden typ.Einwanderungsländer wie AUS, USA, CAN etc klar zw.Flüchtlingen+Migranten, stellen bedacht auch Forderungen wie Sprachkenntnisse, Leumund, Beruf/Jobnachweis, Kontoauszüge usf, denn wer erfolgreich auswandern will, sollte Vorkehrungen treffen. Hier aber verlangt man von Migranten aus 3.ländern nichtmal gesetzl.Mindestforderungen (Arbeitsvertrag/-bewilligung) VOR der Einreise, nimmt sie entgegen GE Konvention ins Asylwesen auf.
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