Zum Inhalt springen

Header

Video
Der neue Post-VR-Präsident im Interview
Aus Tagesschau am Vorabend vom 31.03.2021.
abspielen
Inhalt

Neuer VR-Präsident der Post Was qualifiziert Sie, die Post zu führen, Herr Levrat?

Der Freiburger Christian Levrat wurde heute vom Bundesrat zum Verwaltungsratspräsident der Schweizerischen Post ernannt. Er soll das Amt im Dezember vom abtretenden Urs Schwaller übernehmen. Seine Wahl kam überraschend, hatte er doch Ambitionen auf ein Amt in der Regierung des Kantons Freiburg angemeldet. Levrat ist aber seit Jahrzehnten mit der Post verbunden: Zu Beginn seiner Karriere amtete er beispielsweise als Post-Gewerkschafter und kritisierte das bundesnahe Unternehmen regelmässig für Abbaupläne.

Christian Levrat

Christian Levrat

Ständerat SP

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Der Freiburger sitzt für die Sozialdemokraten in der kleinen Kammer. Er war zwischen 2008 und 2020 Präsident der SP.

SRF: Christian Levrat, wir haben immer gemeint, Sie werden einmal Bundesrat. Das wird jetzt wohl nichts?

Christian Levrat: Ich musste keinen Entscheid treffen, ob ich Bundesrat werde oder nicht. Aber ich musste einen Entscheid treffen, ob ich für die Regierung in Freiburg kandidiere oder ob ich das Angebot des Bundesrats annehme und die Verantwortung für den Post-Verwaltungsrat übernehme.

Sie mussten auch einen Entscheid treffen, ob Sie Ihre politische Karriere beenden. Sie gelten als Animal Politique, und jetzt gehen Sie mit 50 sozusagen politisch in Rente.

Das hat nichts mit Pensionierung zu tun. Es ist eine relativ risikoreiche Wette, die ich hier eingehe. Aber mir ist die Zukunft der Post sehr wichtig. Ich finde die Strategie des Verwaltungsrats um Urs Schwaller richtig, es ist eine Wachstumsstrategie mit Fokus auf ein paar Kernbereiche wie Logistik und Kommunikation. Den Willen, die Dienstleistungen der Post und damit den Service public möglichst breit auszulegen und damit einen zentralen Beitrag für eine wichtige öffentliche Infrastruktur in der Schweiz zu leisten, den finde ich richtig.

Der Bundesrat will das Poststellennetz für andere Anbieter wie Versicherer und Gesundheitsdienstleister öffnen. Kann das in Ihrem Sinn als ehemaliger Gewerkschafter sein?

Ja, das ist in meinem Sinn. Die Fokussierung auf die Kernbereiche …

… aber das ist doch nicht Kernbereich: Bank, Versicherungen, Gesundheit?

Aber das Poststellennetz ist Kernbereich. Es ist richtig, das Poststellennetz auf dem heutigen Niveau zu stabilisieren, wie der Bundesrat das vorgeschlagen hat.

Also keinen Abbau mehr? Da würden Sie nicht Hand bieten?

Gemäss Bundesrat soll es auf dem heutigen Niveau stabilisiert werden. Das heisst nicht, dass jede Poststelle genau dort, wo sie vor 50 Jahren zufällig gebaut wurde, bestehen bleiben soll. Aber wir wollen eines der dichtesten Poststellennetze von Europa behalten.

Das heisst nicht, dass jede Poststelle genau dort, wo sie vor 50 Jahren zufällig gebaut wurde, bestehen bleiben soll.

Es ist auch wichtig für die Zukunft, dass wir das Netz aus Gründen der Eigenwirtschaftlichkeit öffnen für Dritte. Das Poststellennetz und damit die Nähe zur Bevölkerung ist auf jeden Fall ein Trumpf für die Post.

Sie waren fast Ihr ganzes Berufsleben Gewerkschafter. Was qualifiziert Sie, jetzt ein Unternehmen mit 62'000 Mitarbeitenden zu übernehmen?

Ich kenne das Unternehmen gut – als ehemaliger Präsident der Gewerkschaft Kommunikation, also des Postpersonals. Aber ich war nicht nur Gewerkschafter. Ich habe die Wirtschaftskommission des Ständerats geleitet, ich habe die Subkommission geleitet, die sich um die Finanzen des UVEK und der bundesnahen Unternehmen kümmert. Ich war auch fast zehn Jahre in der Verkehrskommission, die für die Post zuständig ist.

Aber Ihre Kritiker werden sagen: Sie haben keine Management-Erfahrung.

Die Management-Erfahrung muss die Konzernleitung einbringen. Herr Cirillo ist sehr erfahren, wir haben im Verwaltungsrat viel Erfahrung in Governance, in verschiedenen Märkten.

Der Bundesrat hat das Profil bestimmt, nicht ich. Und der Bundesrat ist der Meinung, dass es jemanden mit einer guten Vernetzung in der Politik braucht.

Überhaupt ist die Vielfalt des Verwaltungsrats ein wichtiges Element. Der Bundesrat hat das Profil bestimmt, nicht ich. Und der Bundesrat ist der Meinung, dass es jemanden mit einer guten Vernetzung in der Politik braucht.

CVP-Ständerat Schwaller wurde von der CVP-Bundesrätin ernannt, SP-Ständerat Levrat wurde von der SP-Bundesrätin ernannt. Das tönt nach Filz und wird auch entsprechend kritisiert.

Das ist nachvollziehbar. Aber die einzige Frage ist die: Bringe ich die Voraussetzungen mit, die von einem Verwaltungsrats-Präsidenten der Post erwartet werden? Der Bundesrat hat die Anforderungen definiert, man hat auch verschiedene Anwärter angeschaut. Und man ist zum Schluss gekommen, dass ich die gewünschten Qualifikationen mitbringe. Es ist ein Privileg und eine Chance, da dienen zu können.

Das Gespräch führte Urs Leuthard.

Tagesschau 31.02.2021, 18.30 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

52 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Franco Caroselli  (FrancoCaroselli)
    Als ich 1983 den Beruf antritt, gab es keine VR. Im 2021 gibts neben den CEO‘s, Stellvertreter, und den Beratern, aus dem Nichts in den 90er heimlich geschaffene Verwaltungsräte. Diese VR sind gut bezahle, neu geschaffene Nebenjobs die finanziell Lukrativ sind. Der Arbeiter in der Basis kann davon nur träumen mit seinem Minimallohn und neu geschaffenes Teilzeitmodell
    ( Pensionsgelder?)
    Keine Intervention der Arbeiterpartei noch Gewerkschaften. Im Gegenteil Herr Levrat und andere Genossen.
  • Kommentar von Roger Ebischer  (RO.Ebi)
    Das einzige was fehlt, ist das Herr Levrat keine Frau ist... Ansonsten wäre er ein perfektes Aushängeschild.
    1. Antwort von Ernst Boller  (THINK)
      @ Roger Ebischer
      Ich teile Ihre Meinung. Wäre Levrat eine Frau, würde sich niemand an der Wahl stören. Ich respektiere Frau Sommaruga, dass sie die Qualifikation höher gewichtete als die Geschlechtsfrage.
  • Kommentar von Peter Grisiger  (Peter1)
    Schritt für Schritt die Lohnleiter hoch
    Zuerst wechselt Cedric Wermuth von der Juso in die SP.
    Natürlich nicht aus finanziellen Gründen.
    Levrat von der SP nun zur Post.
    Vorsorge fürs Alter?
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Levrat war lange Zeit Postgewerkschafter, kennt also die Post von der Picke auf.
    2. Antwort von Roger Ebischer  (RO.Ebi)
      Wenn man so oft eine Lohnerhöhung bekäme wie der Index steigt, hätte man auch keinen Grund zu wechseln. Leider erhöht sich der Lohn nur teilweise, und auch nur auf Anfrage.
    3. Antwort von Daniel Aemmer  (daniel aemmer)
      Werter Herr Grisiger, ich gehe davon aus, daß Sie jede sich bietende Gelegenheit sich Lohnmässig zuverbessern abgelehnt haben. Im übrigen das Gehalt eines Staatrats im Kanton FR ist in etwa gleich, das wäre die Alternative und Politisch neutral angesehen. Schöne Ostern.
    4. Antwort von Peter Grisiger  (Peter1)
      Immerhin hat die Post den Vorteil, dass auch bei einem Berufsverbot, oder bei einem Massiven Verlust, der Lohn kommt.
      Selbst beim CEO.
      Davon Träumen die Chefs bei Gastwirten, Tanzschulen usw.
    5. Antwort von Ueli Baumgartner  (Beumli)
      Es wurden schon unfähigere in lukrative Ämter gehoben