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Schweiz Neulinge haben kaum Chancen bei Hofübergabe

Junge, innovative Bauern, die einen Hof suchen, scheitern oft. Denn ältere Bauern ohne Nachfolge verteilen ihr Land meist lieber an Nachbarn als an Neueinsteiger. Das Projekt der Kleinbauernvereinigung, Bauernbetriebe gezielt auch aus der Familienhand zu geben, kommt nur schleppend voran.

Legende: Video Bauer findet Hof abspielen. Laufzeit 2:35 Minuten.
Aus Tagesschau vom 19.07.2016.

Gut 60 ausgebildete Bäuerinnen und Bauern suchen über die Kleinbauernvereinigung einen Hof. Seit zwei Jahren läuft das Projekt schon, aber nur in einem Fall kam es bisher zum Kauf, in drei zu einer Verpachtung oder einer Zusammenarbeit. Das sind keine Erfolgszahlen.

Das sagt auch Regina Fuhrer, die Präsidentin der Kleinbauernvereinigung: «Es ist zögerlich angelaufen, vor allem von Seiten der Hofabgebenden. Aber es ist uns wichtig, hier auch die Möglichkeit aufzeigen zu können, dass junge Leute da sind.»

Quereinsteiger sind hochmotiviert

Die Palette der Interessenten ist breit: Etwa Bauernsöhne oder -töchter, die den Betrieb der Eltern nicht übernehmen konnten. Gut ausgebildete Leute, die eine Zweitausbildung als Bauern gemacht haben, oder auch Hochschulabsolventen, die sich entschieden haben, in die Landwirtschaft einzusteigen.

«Wenn man sich nach einem Erstberuf dann wirklich entscheidet, in die Landwirtschaft einzusteigen, ist die Motivation gross. Und das bringt auch neue Ideen in die Landwirtschaft», sagt Fuhrer.

Doch was gut klingt, funktioniert bisher kaum. Der Hauptgrund ist das Geld. Wechselt ein Betrieb innerhalb der Familie, geschieht das zum Ertragswert. «Ausserhalb der Familie, im freien Markt, kann man ihn zum Verkehrswert verkaufen, und das ist ein mehrfaches des Ertragswertes und damit eine Hürde.»

Einnahmen aus Verkauf fürs Alter

Etwa dreimal teurer kommt es. Da geht es schnell um mehrere Millionen Franken. Ein Jungbauer kann das kaum stemmen. Alte Bauernehepaare haben aber oft keine Pensionskasse, brauchen also das Geld oder möchten zumindest günstig im alten Bauernhaus weiter wohnen. Und so wird das Wohnhaus oft behalten und das Land an die Nachbarn weitergegeben.

Die Bauernbetriebe werden damit immer grösser. Dabei seien auch kleinere Betriebe durchaus konkurrenzfähig, sagt Fuhrer. «Es gibt ökonomisch gut wirtschaftende kleinere und mittlere Betriebe. Es gibt aber auch grosse Betriebe mit grossen finanziellen Schwierigkeiten.»

Gerade grosse Betriebe, die fast ausschliesslich auf die Milchwirtschaft gesetzt haben, stehen derzeit nicht gut da. Und trotzdem werden in der Schweiz jedes Jahr über 1000 Betriebe unter den benachbarten Betrieben aufgeteilt. Politische Vorstösse, die diese Aufteilung der Höfe zumindest bremsen wollten, fanden im Parlament bisher keine Mehrheit. Der Trend zu immer grösseren Höfen ist ungebrochen.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Beat Reuteler (br)
    Wie könnte es auch anders sein wenn die "Strukturbereinigung", also das Aussterben der Kleinbetriebe inzwischen seit Jahrzehnten vorangetrieben, oder genauer nicht mehr gebremst wird. So hoffen die meisten Nachbarn oft schon Jahre im Voraus dass sie einst ein Stück des Landes würden übernehmen können um den eigenen Betrieb besser aufzustellen. Bei einer begrenzten Übernahme ist oft auch der Kaufpreis eher zu stemmen oder das Stück wird gepachtet. Das verhältnis 1000 zu 1 spricht für sich.
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  • Kommentar von Franziska Landolt-Hari (Freude-herrscht)
    Das ist von unseren Politikern gewollt, dass wenn ein Landwirtschaftsbetr. NICHT ALS GANZES einem direkten Nachkommen des Betr.leiters zum Ertragswert weiterverkauft wird, abartig hohe Steuern zu bezahlen sind. Denn wenn der Hof an einen Neffen, oder jemanden ausserhalb der Familie veräussert wird, ist der Verkaufspreis viel höher. Auch die Steuern sind dann viel höher. Gut für die Staatskasse. Klar, verkaufen Bauern ihr Land Parz.weise und das Wohnhaus wird ausparzelliert mit etwas Land dazu.
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  • Kommentar von Niklaus Bächler (SVP-Hinterfrager)
    Hier könne sich die Jungbauern bei ihrer SVP & der desaströsen Subventionspolitik bedanken. Bauern jammern dauernd, sie hätten kein Geld & würden schlecht dastehen. Wenn sie verkaufen, werden horrende Beträge gefordert und nochmals kräftig abgesahnt! Wann endlich merken die SVP-ler, dass ihre Politik eine Katastophe ist?
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    1. Antwort von Thomas Leu (tleu)
      @ Niklaus Bächler: Die SVP ist längst nicht mehr die Partei der Bauern, sondern die Partei der Strassenlobbyisten und Banker. Diese machen den Bauern die letzten Flecken Land streitig, um 8-spurige Autobahnen und Einkaufszentren auf der grünen Wiese zu bauen. Es gibt nur noch ein paar Bauern, die noch nicht gemerkt haben, dass sie bei der SVP nicht gut aufgehoben sind.
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    2. Antwort von Niklaus Bächler (SVP-Hinterfrager)
      Danke, Th. Leu, da haben sie natürlich auch recht...
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