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Schweiz Ölheizungen könnten künftig verboten werden

In fast jedem zweiten Haus in der Schweiz steht eine Ölheizung. Das ist alles andere als klimafreundlich. Doch es könnte sich ändern: Immer mehr Kantone wollen Ölheizungen unattraktiv machen. Und der Bund denkt gar über ein Verbot nach – sollten die CO2-Emissionen nicht schnell genug sinken.

Mann zieht Schlauch aus Lastwagen zu Haus hin, um Heizöl in die Heizung zu pumpen.
Legende: Ab 2029 könnten Ölheizungen bei Neubauten verboten werden – darüber denkt der Bund laut nach. Keystone

Wo und wie können wir den Ausstoss von CO2 verringern? Darüber wird zurzeit am Klimagipfel in Marrakesch gesprochen. In der Schweiz sind die Heizungen ein grosser Klimatreiber – besonders die Ölheizungen. Fast jedes zweite Haus wird im Winter noch mit Ölheizungen gewärmt.

Bund und Kantone planen jetzt einen Angriff auf die CO2-Schleudern: Die Kantone wollen Ölheizungen unattraktiv machen. Der Bund denkt gar über ein Verbot nach – sollten die CO2-Emissionen nicht schnell genug sinken.

Die Wissenschaft weiss seit längerem, dass etwas getan werden muss.
Autor: Niklaus HallerETH-Architekt

Angefangen hat alles im vergangenen Jahr. Rund 50 Wissenschaftler haben 2015 eine Einzelinitiative von Niklaus Haller unterschrieben. Der Architekt verlangt, dass der Kanton Zürich den zulässigen Schadstoffaustoss von neuen Heizungen innert 18 Jahren Schritt für Schritt auf Null reduziert. «Die Wissenschaft weiss seit längerem, dass in diesem Bereich etwas getan werden muss», sagt Haller. Deshalb mache er sich für diese Wende stark.

Längerfristig bessere Optionen

Die Chancen, dass der Vorstoss im Zürcher Kantonsrat eine Mehrheit findet, sind allerdings ungewiss. Klar sei, so Niklaus Haller, dass im Bereich Heizungen viel für den Klimaschutz getan werden könnte, und das auf relativ einfachem Weg. Es stünden Alternativen wie Wärmepumpen oder Fernwärmeheizungen zur Verfügung.

Und diese seien langfristig sogar günstiger für die Hausbesitzer: «Wir wissen, dass jährlich ein hoher dreistelliger Millionenbetrag für Erdöl und Erdgas ausgegeben wird. Diese Mittel fliessen ins Ausland.» Ein Umstand, der sich ändern würde, wenn die Schweiz mehr auf erneuerbare Energien setzen würde, ist der Architekt überzeugt: «Das bringt zukunftsfähige Arbeitsplätze ins Land.»

Die Kantone haben mittlerweile sogenannte Mustervorschriften erlassen, mit denen Ölheizungen nur noch unter gewissen Bedingungen erlaubt sind, zum Beispiel in Kombination mit einer Solaranlage auf dem Dach.

Wenn der Markt ein anderes Heizsystem hervorbringt, das die Leute von sich aus wollen, sollen sie es kaufen.
Autor: Ueli BamertGeschäftsführer Swissoil

Weniger Emissionen oder Verbot

Dies geht aber dem Bund nicht weit genug, er befürchtet, dass so die Ziele des Pariser Klimaabkommens nicht erreicht werden. Deshalb will er sich im CO2-Gesetz die Möglichkeit geben, Öl- und Gas als Brennstoff bei Neubauten und wenn eine alte Heizung ersetzt wird, zu verbieten – falls die Emissionen bis 2029 nicht genügend stark zurück gehen.

Ueli Bamert findet diesen Weg inakzeptabel. Der Geschäftsführer des Verbands Swissoil glaubt, dass der Bund mit diesem Verbot unnötig in den Markt eingreift: «Wenn der Markt ein anderes Heizsystem hervorbringt, das sich lohnt und das die Leute von sich aus kaufen wollen, dann sollen sie das tun. Man muss den Kunden nicht noch zusätzliche Steine in den Weg legen.»

Bereits heute gibt es kaum noch Neubauten mit einer Ölheizung. Dennoch hält Bamert die Vorteile dieser Heizart hoch: Es sei eine zuverlässige Wärmquelle, das Heizöl sei günstig und der Kunde sei beim Kauf unabhängig.

Ölbrenner werden aus Schweizer Kellern verschwinden, sicher aber bisher langsam. Die Politik entscheidet, ob dieser Rückzug beschleunigt werden soll. Aus Klimasicht ist klar: je schneller, desto besser.

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44 Kommentare

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  • Kommentar von D. Thrum (Thrum)
    Keine Ölheizung mehr, sagen die Herren, wärend sie sich dreimal täglich Fleisch, Käse oder Milch reinpfeiffen (der Konsum tierischer Produkte ist schädlicher als der gesamte Verkehr). Die Schweiz hätte sehr wenig Probleme, die CO2 Vorgaben einzuhalten, wenn sie aufhöhren würde, tierische Produkte zu subventionieren. Aber die Ernährung etwas zu ändern, das ist halt extrem. Oder so. Lieber mit viel Geld alle Ölheizungen umtauschen. Ich würde ja lachen, wenns nicht so traurig wäre.
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  • Kommentar von Fritz Frei (Fritz Frei)
    Bald brauchen wir ja keine Heizungen mehr in der Schweiz, wegen der Klimaerwärmung. Hier in Thailand gab es vor 10 Jahren noch 4 Monate mit Tagestemperaturen unter 30°. Jetzt sind es noch 2-4 Wochen.
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  • Kommentar von Patrik Christmann (Politik für die Schweizer)
    Klimapolitisch konsequent wäre ein Oelheizungsverbot für Neubauten. Ich staune aber nicht schlecht was für Knebelverträge CH unterschreibt, dass CH Strafzahlungen ans Ausland leisten muss, wenn eine Senkung von 20% und mehr CO2-Ausstoss binnen weniger Jahre nicht erreicht wird. Da CH-Gebäude verglichen mit Ausland bereits sehr viel besser sind, ist die CO2 Reduktion aufwendiger als für das Ausland. Schaut mal Immobilien im Rest der Welt an! Der Standard ist tief abgesehen von Prestigebauten.
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