Zum Inhalt springen

Header

Audio
Schluss mit alten Seilschaften in der Armee
Aus Rendez-vous vom 25.10.2019.
abspielen. Laufzeit 04:30 Minuten.
Inhalt

Personalentscheidung im VBS Was macht man mit 3-Sterne-Generälen, die man nicht will?

Aldo Schellenberg ist 3-Sterne-General der Schweizer Armee, Korpskommandant und Chef des Kommandos Operationen. Der 61-Jährige war als neuer Chef der Armee gehandelt worden. Daraus ist allerdings nichts geworden, denn der neue Chef der Armee ist ab kommendem Januar Thomas Süssli, ein Quereinsteiger. Aldo Schellenberg wird Süsslis Begleitoffizier, sein persönlicher Mitarbeiter.

«Von Viola Amherd abgeschoben», titelt der Tagesanzeiger und zitiert Armeeinsider, die dieses Abschiebemanöver damit begründen, dass die neue Verteidigungsministerin damit bestehende Seilschaften innerhalb der Armee durchbrechen möchte. Für den Militärexperten Bruno Lezzi ist der Entscheid Amherds durchaus problematisch.

Bruno Lezzi

Bruno Lezzi

Journalist und Geheimdienst-Experte

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Bruno Lezzi ist Lehrbeauftragter für schweizerische Sicherheitspolitik am Institut für Politikwissenschaft der Universität Zürich und arbeitete viele Jahre als Sicherheitsexperte bei der NZZ.

SRF News: Wie stark sind die Seilschaften innerhalb der Armee?

Bruno Lezzi: Es gibt diese Seilschaften, wie auch in zivilen Betrieben. Das kann man nicht umgehen. Der Human-Faktor spielt hier eine Rolle.

Eine Pension im fortgeschrittenen Alter wäre eine zweckmässige Lösung. Sie kostet zwar, aber wäre aus meiner Sicht richtig.

Man muss allerdings unterscheiden: In der Miliz sind die Seilschaften schwächer geworden. In der Armee hingegen bestehen sie in einem relativ geschlossenen Kreis des Berufsoffizierscorps weiterhin.

Ist es gut, wenn Bundesrätin Amherd solche Seilschaften nun unterbinden möchte?

Ach, es wird immer wieder gesagt, dass man das verhindern wolle. Ich finde, das ganze ist PR-getrieben, weil landesweit wieder neue Seilschaften entstehen. Bundesrätin Amherd muss aufpassen, dass sie sich nicht dem Vorwurf aussetzt, Walliser Seilschaften zu bilden. Das ist nicht ganz von der Hand zu weisen.

Was bedeutet eine solche Personalpolitik für eine Armee, die auch Leute von aussen befördert?

Das ist nicht ganz neu. Immer wieder besetzen Leute aus dem zivilen Umfeld höhere Armeefunktionen. Das ist eine Chance und bringt frischen Wind in die Armee.

Mann in Militäruniform.
Legende: Aldo Schellenberg wurde als neuer Chef der Armee gehandelt. Keystone

Auch hohe amerikanische Generäle wie David Petraeus finden, dass dieser Austausch nötig sei, ohne das System zum Erstarren zu bringen. Es birgt aber das Risiko, dass gewisses militärisches Know-How nicht in diesem Umfang wie in Berufsoffizierscorps vorhanden ist.

Dann ergibt die Entscheidung Amherds bezüglich Aldo Schellenberg also Sinn?

Man kann sich fragen, ob es Sinn hat, einen 3-Sterne-General auf den Posten eines Stabsmitarbeiters zu entsorgen. Hier reicht der Stabschef im Verteidigungsbereich völlig, um diese Aufgabe erfüllen zu können.

Was macht man mit 3-Sterne-Generälen, die man nicht mehr möchte? Sie sind mit 300’000 Franken ziemlich gut bezahlt.

Sie sind sehr gut bezahlt und das Thema hatte man bereits beim Posten des Korpskommandanten Baumgartner als Verteidigungsattaché in Washington. Dieser Posten entsprach auch nicht der Besoldung und dem Rang, den Baumgartner einnimmt.

Ist das dem Steuerzahler gegenüber redlich?

Das müssen sich die Politiker fragen. Aus meiner Sicht ist es problematisch.

Ist degradieren unmöglich?

Degradieren ist etwas ganz anderes. Es ist eine Strafmassnahme und das sollte man vermeiden. Eine Pension im fortgeschrittenen Alter wäre eine zweckmässige Lösung. Sie kostet zwar, aber wäre aus meiner Sicht richtig.

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

31 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Mirko Dimitrijevic  (Mirko)
    Mir scheint schleierhaft, wie Personen in solchen Positionen mit solchen Gehältern geschützt und behütet werden, während ältere Arbeitnehmer, die für die Wirtschaft "unnütz" oder zu teuer geworden sind, einfach entlassen werden können. Herr Schellenberg hat höchstwahrscheinlich für die eigene Altersvorsorge vorgesorgt und der Leistungsausweis scheint auch nicht herausragend zu sein.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Klaus Albrecht  (notabene)
    Was hat der Mann eigentlich getan, dass man ihn so behandelt, und man ihn hier in den Kommentaren auseinander nimmt? Ich wäre geneigt ihm wenigstens danke zu sagen dafür, dass er sich in seinem Leben für den Schutz unserer Schweiz, den wir weiss Gott mehr denn je brauchen, eingesetzt hat. Also: Danke Herr Schellenberg! (wenigstens)
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von pedro neumann  (al pedro)
    Immer wieder erlebt in der Armee: Nicht die Besten werden befördert, sondern diejenigen mit den richtigen Beziehungen und dem konformsten Verhalten. Damit muss Schluss sein.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Michael Peter  (Stoffel)
      Bin ich einer Meinung. Aber ist die Chancengleichheit in der Privatwirtschaft wirklich viel grösser?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen