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Kunz-Sieber: «Wir können mit dem Kind ausreisen, aber nicht einreisen»
Aus News-Clip vom 27.12.2018.
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Pflegekinder in der Schweiz Sie träumen von Europapark und Legoland

Schätzungsweise 4700 Kinder leben in der Schweiz in Pflegefamilien. Ausländische Pflegekinder kämpfen dabei nicht selten mit einem Problem: Sie haben keinen Pass.

Kathrin Kunz-Sieber nimmt seit über 20 Jahren Pflegekinder bei sich auf. Gemeinsam mit ihrem Mann kümmert sie sich derzeit um zwei leibliche und fünf Pflegekinder. Doch die Familie kämpft seit Jahren mit einem Problem: Ihr ausländisches Pflegekind hat keinen gültigen Pass. Dies schränke die Familie stark ein, meint Kathrin Kunz-Sieber. «Das heisst für uns als Familie, dass wir eigentlich nicht aus der Schweiz raus können.»

Verwandtenbesuche in Deutschland, Wochenendausflüge ins Elsass oder gemeinsame Familienferien am Meer seien für die Familie aus dem Baselbiet nicht möglich. «Es ist auch schon vorgekommen, dass mein Mann mit dem Pflegekind in der Schweiz geblieben ist und ich mit dem Rest der Familie in die Ferien verreist bin», erzählt Kunz-Sieber.

«Vor etwa zwei drei Jahren haben wir ein Jahr im Voraus eine Reise nach Griechenland gebucht. Und glaubten, im Laufe dieses Jahres klappe das dann sicher mit den Reisepapieren. Schliesslich ist mein Mann mit dem Kind in der Schweiz geblieben und ich bin mit dem Rest der Familie in die Ferien.»

Besonders schlimm in den Schulferien

Auch Nicole Mathys kennt die Situation. Sie hatte als Kind selber einen ausländischen Pflegebruder ohne Pass und ist heute in derselben Pflegeeltern-Gruppe wie Kathrin Kunz-Sieber. Nach den Schulferien sei es jeweils besonders schlimm gewesen, erzählt sie. «Wir als Kinder konnten einfach nie verstehen, wieso unsere Gspänli ans Meer in die Ferien konnten und in den Europapark. Für uns lag das einfach nicht drin.»

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Pflegemutter: «Ich habe auch einen Bruder, der keinen Pass hatte»
Aus News-Clip vom 27.12.2018.
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Heimatländer stellen Pässe nicht aus

Doch weshalb haben diese Kinder keinen Pass? Gemäss dem Sprecher des Staatssekretariats für Migration können die Gründe für die Passlosigkeit sehr unterschiedlich sein. Nicht selten liege das Problem aber bei den heimatlichen Behörden. «Was zum Beispiel passieren kann, ist, dass die leiblichen Eltern den Antrag auf einen Pass stellen müssen. Das ist aber gerade bei Pflegekindern nicht immer möglich», meint der Sprecher des SEM, Lukas Rieder.

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Rieder: «Die leiblichen Eltern müssten einen Antrag stellen»
Aus News-Clip vom 27.12.2018.
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Konkret stellen Länder wie Thailand, Italien oder Kenia nur dann einen Pass aus, wenn die leiblichen Eltern den Antrag stellen oder gar persönlich auf der Botschaft vorbeigehen. Dies ist aber gerade bei Pflegekindern meistens nicht möglich, da sich die leiblichen Eltern im Ausland befinden, eine Haftstrafe absitzen oder kein Kontakt mehr zu den Kindern besteht.

Ersatzreisedokument löst nicht alle Probleme

Wer mit seinem ausländischen Pflegekind dennoch verreisen möchte, der kann bei der kantonalen Migrationsbehörde ein Reisedokument beantragen. Dies sei allerdings gar nicht so einfach, meinen die Pflegemütter. Denn dazu müsse man erst erklären, weshalb das Kind keinen Pass habe. Auch bei der Organisation für Pflege- und Adoptivkinder Schweiz hält man das Reisedokument nur für eine Übergangslösung. Früher oder später brauche das Kind einen Pass, meint die Geschäftsleiterin Karin Meierhofer.

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Meierhofer: «Es ist es ein Kinderrecht, dass es einen Status hat»
Aus News-Clip vom 27.12.2018.
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Hoffnung nicht aufgegeben

Sie habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, meint Kathrin Kunz-Sieber. Auch wenn sie seit über fünf Jahren auf einen Pass für ihr Pflegekind wartet, so glaubt sie nach wie vor an eine Lösung. «Ich wünsche mir einfach für alle Pflegefamilien und für alle Pflegekinder, dass sie sich in und ausserhalb der Schweiz frei bewegen können». Als erstes würde sie mit ihrem Pflegekind natürlich ins Legoland.

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Ausländische Pflegekinder ohne Pass
Aus 10vor10 vom 03.01.2019.
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13 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
    Fuer diese Kinder koennte der alte Nansen-Pass mit beschraenkter Guelyigkeit wieder eingefuehrt werden... diesn Pass hat man doch frueher Staatenlosen gegeben, und koennte auch heute ein Segen werden! (Ja den hats gegeben... kann gegoogelt werden)
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    1. Antwort von Charles Dupond  (Egalite)
      Wie Sie richtig schreiben fuer Staatenlose. Nicht aber fuer Kinder, deren Heimatstaat die Bepassung nur Adoptiv- aber nicht auch vom Gewahrsamsstaat aufoktryierten Pflegeeltern ueberlassen wollen....
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  • Kommentar von Christine Steiner  (Christine S)
    Diese Sendung handelte von Kindern von ausländischer Müttern die in der Schweiz geboren wurden. Diese Kinder wachsen in der Schweiz auf, lernen unsere Sprache, Ethik und Kultur, sind also voll integriert, ausser dass sie keinen Personalausweis haben - können also weder ein Sparbüchli auf der Bank eröffnen , noch ein U-Abo lösen oder einen eingeschriebenen Brief abholen. Diese Tatsachen finde ich eigentlich viel einschneidender als kein Urlaub am Meer.
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    1. Antwort von Charles Dupond  (Egalite)
      Da koennten ja diese auslaendischen Muetter den Pass beantragen. Merkwuerdigerweise haben laut SRF-Infografik die Adoptionen auf ein Zehntel pro Jahr abgenommen. Derweil es immer mehr krass benachteiligte Pflegekinder aller Unart gibt. Wenn die Heimatstaaten da Paesse nur auf Antrag der leiblichen Eltern ausstellen, minimieren sie wenigstens die Gefahr, dass diese Kinder nicht nur in der Schweiz nur "gepflegt" statt adoptiert, sondern gar in ein Drittland weitergeschoben werden....
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  • Kommentar von Adrian Flükiger  (Ädu)
    Einmal mehr werden Erwachsenenprobleme auf dem Buckel von Kindern ausgetragen.
    Ich verstehe aber, dass Mann/Frau sich keine zusätzlichen Probleme einhandeln will, nur weil dieses Reisepapier fehlt. Da sind halt die leiblichen Mamis und Papis in der Pflicht. Leben diese hier, haben sie die fehlenden Papiere zu liefern!
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