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Legende: Audio Neue Wege im Rotlicht-Milieu abspielen. Laufzeit 04:26 Minuten.
Aus Rendez-vous vom 28.12.2018.
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Pilotprojekt in der Romandie Ein Internetportal soll Freier und Prostituierte schützen

In der digitalen Welt verlieren Präventionsstellen Kontakt zum Rotlicht-Milieu. Ein Sex-Portal soll Abhilfe schaffen.

«Call me to play» heisst das neue Portal. Anders als andere Internetseiten bietet es aber nicht nur Sex-Anzeigen von Frauen und Männern, sondern soll die Prostituierten auch schützen. Schützen vor der Anonymität und Isolation, welche das Internet mit sich bringt.

Pénélope Giacardy vom Präventionsverein Aspasie in Genf sagt: «Wenn man hinter dem Bildschirm ist, steht man nicht in Kontakt mit Berufskollegen. Mit der Digitalisierung sehen wir eine gewisse Isolation, anders als in den Bars oder den Bordellen, wo es einen Austausch gibt mit Kollegen oder unseren Vereinen.»

Aufklärung und damit Sicherheit schaffen

Die heutigen Sexworkerinnen sind nicht nur isoliert, sondern auch sehr mobil. Oft sind sie bloss für wenige Wochen in der Schweiz und kennen sich deshalb schlecht aus mit den Rechten, die ihnen hier eingeräumt werden, sagt Silvia Pongelli vom Waadtländer Verein Fleur de Pavé: «Isolation heisst ein Informationsmangel. Sie wissen nicht, was ihre Rechte sind und was sie hier in der Schweiz einfordern können.»

Mit ihrem Sex-Anzeigen-Portal gehen die beiden Vereine aus der Waadt und aus Genf in die Offensive und treten gegen die bestehenden Sex-Portale an. Beim neuen Portal können sich die Sexworker über ein geschlossenes Forum vernetzen oder sich bei den Präventionsorganisationen Infos oder Hilfe holen.

Vernetzung und Hilfe

Und sie können sogar erotische Fotos bei empfohlenen Fotografen machen – denn auch das kann eine Quelle der Ausbeutung für diese Frauen sein. Das neue Portal richtet sich aber auch an die Kunden. Beim Klicken werden ihnen Präventionsbotschaften angezeigt.

Zugleich Sex verkaufen und Prävention gegen Ausbeutung und Geschlechtskrankheiten betreiben, das sei eine Gratwanderung, sagt Pongelli: «Wie kann man einerseits sexy sein und andererseits Präventionsbotschaften verbreiten?» Man habe die Herausforderung mit kleinen Fenstern mit Informationen gelöst, die aber nur einmal beim Besuchen aufgehen und nicht bei jedem Klick.

Mit dem Portal können auch Sexarbeitende erreicht werden, die diskret und anonym arbeiten – etwa im Escort-Service.
Autor: Jacqueline SuterProKoRe

Für die Sexworkerinnen ist das Portal gratis. Das soll sicherstellen, dass die Frauen und Männer von den bisherigen teuren Plattformen wechseln – und offenbar funktioniert das: Mehrere Dutzend Anzeigen sind seit der Lancierung Anfang November bereits aufgeschaltet. Hauptziel für Fleur de Pavé und Aspasie ist, dass wieder das ganze Milieu erreicht werden kann für die Prävention.

Pilotprojekt weckt landesweit Interesse

Das stösst in der ganzen Schweiz auf Interesse, sagt Jacqueline Suter von ProKoRe, dem nationalen Netzwerk der Präventionsorganisationen: «Damit können auch Sexarbeitende erreicht werden, die diskret und anonym arbeiten – etwa im Escort-Service.» Zu dieser Zielgruppe mit einem eigenen Portal vordringen zu wollen, sei sinnvoll. Die Plattform soll sich auch in der Deutschschweiz etablieren, schliesst Suter.

Das hofft auch Daniel Koch, Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten beim Bundesamt für Gesundheit (BAG): «Wir begrüssen sehr, dass versucht wird, auch auf den neuen Medien Sexarbeitende und Freier zu erreichen. Die Prävention lässt in diesem Bereich noch sehr zu wünschen übrig. Information ist der erste Schritt, der überall gemacht werden muss.»

Das neue Portal für Sex-Anzeigen in der Romandie ist ein Versuch, den Kontakt zum Sexgewerbe auch in den Zeiten der Digitalisierung nicht zu verlieren.

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