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Legende: Video Zermatt asphaltiert Strasse mit Plastikmüll abspielen. Laufzeit 01:56 Minuten.
Aus Tagesschau vom 16.06.2019.
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Pilotprojekt in Zermatt Hier fährt der Verkehr über Plastik-Asphalt

Entsorgung von Plastik einmal anders: Ein schottisches Unternehmen hat einen neuartigen Strassenbelag entwickelt.

Über 400 Millionen Tonnen Kunststoff werden pro Jahr weltweit hergestellt, zwischen 1950 und 2015 waren es insgesamt 8,3 Milliarden Tonnen. Nicht einmal ein Zehntel davon ist recycelt worden, wie aus dem Plastikatlas von Umweltverbänden hervorgeht. Die Welt wird überschwemmt mit Plastik – doch wohin mit dem ganzen Abfall?

Eine schottische Firma leistet mit einem neuartigen Strassenbelag einen Beitrag im Plastikmüll-Problem: Sie mischt die Abfälle unter die Strasse. Erstmals wurde in der Schweiz eine Strasse in Zermatt (VS) damit asphaltiert.

«Für unsere Asphaltmischung benutzen wir Plastikmüll, der für die Deponierung oder Verbrennung bestimmt ist. Wir nehmen das Plastik und produzieren damit einen widerstandsfähigen Belag für den Strassenverkehr», erklärt Nick Burnett, Mitbegründer des Unternehmens MacRebur Limited.

Geringer Anteil, grosse Wirkung

Produziert wurde die Mischung kurz zuvor in einem regionalen Kieswerk. 150 Kilogramm Plastikabfälle wurden dafür mit 45 Tonnen Bitumen gemischt. Das entspricht einem Anteil von lediglich 0,3 Prozent.

In der Schweiz produzieren wir 6,5 Millionen Tonnen Asphalt jedes Jahr. Und wenn man dafür Plastik benutzen würden, dann könnten wir dafür 16'000 Tonnen Plastik verwenden.
Autor: Lily PoulikakosWissenschaftlerin Empa

Trotzdem könnte der Belag einen Beitrag im Plastikmüll-Problem leisten, sagt Lily Poulikakos. Sie befasst sich bei der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa mit Asphaltmischungen. «In der Schweiz produzieren wir 6,5 Millionen Tonnen Asphalt jedes Jahr. Und wenn man dafür Plastik benutzen würden, dann könnten wir dafür 16'000 Tonnen Plastik verwenden.»

Für die Umwelt dürfte der Einsatz von Plastik kein Problem sein, das Verschmutzungsrisiko ist gering. «Das Plastik ist von Bindemittel umhüllt und kann deshalb nicht in die Umwelt kommen», erklärt Poulikakos. Man werde dies jedoch noch genauer untersuchen.

Zersetzung dauert mehrere Hundert Jahre

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Plastik wird aus fossilen Rohstoffen wie Erdöl und Erdgas hergestellt und braucht in der Umwelt teils mehrere Hundert Jahre, um sich zu zersetzen. Mikroplastik, also kleinste Plastikpartikel etwa aus Reifenabrieb, Kosmetika oder Abwasser, finden Wissenschaftler inzwischen auch an entlegenen Orten der Erde - und in Lebensmitteln. Plastik findet sich im Boden, in der Luft und auch im Wasser.

Test unter Extrembedingungen

In Zermatt schwanken die Temperaturen je nach Jahreszeit zwischen minus 20 und plus 30 Grad. Burnett sieht darin kein Problem: «Der Belag ist sehr belastbar. Wir haben ihn so gemacht, dass er den Temperaturen, die hier im Sommer und Winter herrschen, standhalten kann.»

Laut den schottischen Herstellern soll der Asphalt durch die Plastikbeigabe gar flexibler und langlebiger sein. Das Pilotprojekt in Zermatt wird zeigen, ob dem tatsächlich so ist.

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32 Kommentare

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  • Kommentar von Max Blatter  (maxblatter)
    Weshalb gerade in Zermatt? Ich dachte, Zermatt sei autofrei?
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  • Kommentar von marc sutter  (sutterberlin)
    Würden wir jeden Schnipsel Plastikmüll einsammeln und recyclen, würden keine Mikroplastikinseln auf den Weltmeeren schwimmen und Micropartikel uns den Genuss von frischem Gemüse vermiesen.
    Ich nerve mich auch regelmässig über den Abfallberg, den ich jedes Mal im Supermarkt mit kaufe, und da ist eine Sache ganz wichtig, wenig Abfall ist immer noch die beste Lösung.
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  • Kommentar von marc sutter  (sutterberlin)
    Anderswo bei SRF habe ich gelesen, dass sich verschiedene Verbraucher von Plastikmüll schon um diesen Rohstoff streiten, Zementindustrie und Müllverbrennung zum Beispiel. Natürlich geht es in erster Linie darum, möglichst wenig Plastik herzustellen, um die Abläufe zu reduzieren, aber, Plastik wird aus Erdöl hergestellt. Solange wir mit Erdöl Energie herstellen, kann es durchaus als Heizstoff verwendet werden, bei kontrollierter und gefilterter Verbrennung.
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