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Pilotprojekt: Vertrauensperson für psychisch Kranke
Aus HeuteMorgen vom 11.10.2019.
abspielen. Laufzeit 01:52 Minuten.
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Pilotprojekt in Zürich Bei Zwangseinweisung soll eine Vertrauensperson helfen

  • Wer in der Schweiz gegen seinen Willen in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird, hat Anrecht auf eine Vertrauensperson.
  • Doch fast nirgends wird dieses Recht auch umgesetzt. Oftmals wissen die Betroffenen nicht einmal, dass ihnen eine Vertrauensperson zustünde.
  • Als erster Deutschschweizer Kanton hat nun Zürich einen Pilotversuch gestartet mit freiwilligen Vertrauenspersonen.

Jeden Tag werden im Kanton Zürich zehn Menschen gegen ihren Willen in eine psychiatrische Klinik eingeliefert. Sie hatten beispielsweise einen Nervenzusammenbruch erlitten oder im Wahn Familie und Nachbarn bedroht.

Diese Menschen sind hilflos und verzweifelt.
Autor: Aner VoloderPro Mente Sana

Vertrauenspersonen könnten in dieser schwierigen Situation helfen, sagt der Jurist Aner Voloder von Pro Mente Sana. «Diese Menschen sind hilflos und verzweifelt und kennen niemanden, der diese Aufgabe übernehmen könnte», erklärt Voloder. «Andere haben kein Vertrauen in ihre Familienangehörigen, weil diese an der Zwangseinweisung beteiligt gewesen sind.»

Vertrauenspersonen gesucht

Deshalb hat Pro Mente Sana freiwillige Vertrauenspersonen gesucht. Rund 80 haben sich gemeldet, 19 haben im Sommer die Ausbildung zur Vertrauensperson gemacht und sechs stehen bereits im Einsatz – in einer der vier beteiligten Psychiatrien in Winterthur, Zürich, Oetwil und Kilchberg.

Die Aufgaben der Vertrauensperson sind vielfältig. «Sie klären die Patienten und Patientinnen über ihre Rechte und Pflichten während des Klinikaufenthalts auf, sie vermitteln in Konflikten und sind zum Beispiel bei der Erstellung des Behandlungsplans anwesend», zählt Voloder auf.

Patientenstellen befürworten Projekt

Bei den Schweizerischen Patientenstellen kommt das Projekt gut an. «Ich finde das ein sehr gutes Angebot und es trifft ein grosses Bedürfnis», sagt Präsidentin Erika Ziltener, «denn sehr viele Menschen – insbesondere bei einer psychischen Erkrankung – fühlen sich sehr schnell verloren.»

Sehr viele Menschen – insbesondere bei einer psychischen Erkrankung – fühlen sich sehr schnell verloren.
Autor: Erika ZiltenerSchweizerische Patientenstellen

Obwohl nach Erwachsenenschutzrecht eigentlich alle Betroffenen ein Anrecht auf eine Vertrauensperson hätten, ist das nicht die Regel. In den meisten Kantonen belassen es die Kliniken bei der Patienteninformation – ohne freiwillige Vertrauenspersonen.

Nur die Kantone Genf und Tessin haben seit Längerem Erfahrung mit diesem Modell – mit guten Ergebnissen, sagt Projektleiter Voloder. Das Projekt im Kanton Zürich ist für vier Jahre mit einer halben Million aus dem Lotteriefonds finanziert. Danach entscheidet Pro Mente Sana, ob sie das Angebot auch in weiteren Kantonen aufbauen will.

Sendebezug: SRF 4 News, Heute Morgen, 06:00 Uhr

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Verena Eberhard  (Verena Eberhard)
    Es gibt die Spitex, welchen Menschen hilft das Leben zu Hause erträglich zu machen. Aber die Linken wollen mit sogenannten Vertrauenspersonen ihr Portemonnaie aufbessern und zudem werden die gleichen Personen verhindern, dass diese Menschen wieder integriert werden.
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    1. Antwort von Nadia Häusermann  (Sachlich)
      Grüezi Frau Eberhard. Schade. Vielleicht sollten Sie vor solchen unwahren Zuschreibungen die Anliegen von ProMenteSana lesen, auch die Rolle der Vertrauenspersonen, dann würden Sie erfahren, dass das Gegenteil von dem, was Sie sagen oder annehmen, der Fall ist. Morgen Sonntag zeigt das SRF 1 einen Film über diese Thematik - sehr empfehlenswert zum Schauen.
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  • Kommentar von Nadia Häusermann  (Sachlich)
    Ja, da haben Sie recht, ohne Grund geschieht dies nicht. Dass "mit dieser Person etwas nicht stimmt oder sie eine Gefahr für andere ist" ist ein Bruchteil von den Gründen, die dahinter stecken können - Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Krankheit, Einsamkeit u.v.a. Gerade hier ist Hilfe unendlich wichtig, zur Seite stehen, begleiten und helfen ins "normale" Leben zurückzugehen - auch den FU verstehen und verarbeiten können.
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  • Kommentar von jean-claude albert heusser  (jeani)
    Ohne Grund geschieht das nicht! Wenn jemand in die Psychiatrie eingewiesen wird "muss ja etwas mit dieser Person nicht stimmen oder sie ist eine Gefahr für Andere"!
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