Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Bundesrats-Parteien missachten Datenschutz abspielen. Laufzeit 04:01 Minuten.
Aus Rendez-vous vom 27.06.2019.
Inhalt

Polit-Webseiten unter Druck Ertappte Parteien wollen Daten-Sauger besser steuern

FDP, CVP und SVP geloben Besserung im digitalen Wahlkampf: Die Zustimmung zum Facebook-Kanal soll kein leeres Wort sein.

Gleich drei der vier Bundesrats-Parteien teilen Facebook mit, wer ihre Websites besucht. Zwar bitten die Parteien online um Erlaubnis für diese politisch sensible Datenlieferung, aber es ist eine reine Alibiübung: Denn bevor man sich überhaupt entscheiden kann, sind die Daten längst geflossen. Die Recherchen von Radio SRF haben nun Folgen: FDP, CVP und SVP überarbeiten ihre Websites.

FDP: Daten noch nicht für gezielte Werbung genutzt

Die FDP habe das erst dank den Recherchen von Radio SRF bemerkt – sagt Sprecher Martin Stucki: «Es war uns nicht bewusst und wir haben es auch innerhalb von 24 Stunden korrigiert, weil uns der Datenschutz und die Privatsphäre sehr wichtig sind.» Ab jetzt erhalte Facebook erst dann Daten, wenn die Besucher einwilligen, verspricht Stucki.

Es war uns nicht bewusst. Wir haben es innerhalb von 24 Stunden korrigiert.
Autor: Martin StuckiSprecher FDP

Mit den gesammelten Daten könnte die FDP auf Facebook gezielt Wahlwerbung an Nutzer richten, die bereits freisinnige Webseiten besucht haben – sich also für die FDP interessiert haben. Das habe die Partei bislang aber nicht getan, sagt Stucki: «Wie nutzen die Daten, die wir bei Facebook zur Verfügung hätten, nicht für gezielte Werbung.»

CVP plant technische Anpassungen

Anders die CVP: Sie schaltet gezielte Werbung auf Facebook und nutzt dafür Daten, die von der Partei-Webseite an Facebook fliessen. Die Besucher der CVP-Webseite können zwar auf «Einverstanden» klicken, doch die Daten sind bereits zuvor geflossen.

Das verstösst gegen die Vorgaben des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten. Er verlangt, dass Webseiten-Besucher frei entscheiden können. Schliesslich geht es um politisch sensible Informationen: Facebook erfährt, wer sich für welche Partei interessiert. Anfang Juni hatte der Datenschützer seine Vorgaben mit einer Checkliste zuhanden der Parteien verdeutlicht.

CVP-Sprecherin Vera Tschan sagt: «Wie alle Parteien führen auch wir dieses zum ersten Mal einen digitalen Wahlkampf und lernen stetig dazu.» Ende Juni werde die CVP die entscheidende Phase des Wahlkampfes einläuten, sagt Tschan. Im Hinblick darauf würden weitere Anpassungen gemacht. Dazu gehörten neben der Datenschutzerklärung auch technische Anpassungen.

Wir führen wie alle erstmals einen digitalen Wahlkampf und lernen ständig dazu.
Autor: Vera TschanSprecherin CVP

SVP: Aktives Opt-in/Opt-out zurzeit nicht möglich

Ähnlich ist es bei der SVP. Auch die Webseite der grössten Partei der Schweiz gibt Daten an Facebook weiter. Und auch dort fliessen die Informationen, bevor die Besucher auf «Einverstanden» klicken. Die SVP schreibt auf Anfrage: «Es ist richtig, dass der Hinweis zurzeit nur eine Information darüber ist, welche Dienste eingebunden sind. Ein aktives Opt-in/Opt-out ist zurzeit nicht möglich.»

Die Partei nutze die Daten zurzeit nicht für gezielte Werbung, schreibt die SVP. Sie werde den automatischen Datenfluss aber stoppen: «Wir sind daran, dies zu korrigieren. Obwohl es einen juristischen Spielraum gibt, ist es unser Ziel, diese Opt-in/Opt-out-Möglichkeiten anzubieten.»

Mittel gegen den Datenhunger

Die betroffene Bundesratsparteien wollen mit den sensiblen Informationen also vorsichtiger umgehen. Schützen kann man sich auch selbst: Daten fliessen nur an Facebook, wenn man dort eingeloggt ist. Am sichersten sei es deshalb sich vor dem Surfen auszuloggen, erklärt Timo Grossenbacher von der SRF-Data-Redaktion: «Es gibt zudem für alle gängigen Browser Tracking- beziehungsweise Werbe-Blocker, die solche Kommunikationswege grundsätzlich unterdrücken.»

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Thomas Brand  (tomcomm)
    Meiner Meinung nach sollte SRF als öffentlich rechtliches Medienhaus auf diese Technologien gänzlich verzichten, ohne Opt-in/out. Ein Bürger soll sich ohne Anlegung eines Schattenprofils über das Geschehen informieren können. Dasselbe gilt natürlich für alle behördlichen Seiten. Die statistischen Daten können auch intern erhoben werden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von A. Zuckermann  (azu)
    Wen wundert! Es sing genau jene Parteien die auch für grössere, und auch die digitale Überwachung eingestanden sind. Also scheint es ja im Sinne der Wähler von FDP/SVP/CVP zu sein. Selber schuld!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Beat Leutwyler  (Beat Leutwyler)
    Neben der Rechtswidrigkeit der Datenweitergabe eine Logik als Frage.

    Was glauben Sie, wo können Sie persönlich mehr bewirken, wenn Sie sich auf der Webseite Ihrer eigenen Präferenz aufhalten oder jener des politischen Gegners?

    Bei jener der eigenen Präferenz sind Sie eine Stimme von sehr, sehr vielen. Beim politischen Gegner erhalten Sie aber viel mehr Aufmerksamkeit. Möchte ich also politisch etwas bewirken, würde ich in jene Partei eintreten die mir am Entferntesten ist - Relativität.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von B. Schlegel  (coolio)
      Wollen Sie damit sagen, dass SP-Anhänger die SVP-Webseite infiltriert haben, um dort illegalerweise Daten an Dritte weiterzugeben, so dass die SVP am Schluss schlecht da steht? Oder habe ich Ihren Kommentar falsch verstanden?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Beat Leutwyler  (Beat Leutwyler)
      @B. Schlegel Nein, viel einfacher. Die Logik des Datensammelns geht ja davon aus, dass man an dem interessiert ist, woran man sich orientiert. Das trifft z.B. beim Einkaufen zu.

      In der Politik hingegen gehen nur jene auf "ihr" politisches Portal die sich und ihre eigene Meinung bestätigt haben wollen. Bringt man genau dort ein klügeres Gegen-Argument ein als das ihrige, erst dann fangen die Leute an ihre Meinung zu hinterfragen.
      Parteilos Denkende (sind 85%) gehen nie auf ein solches Portal.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen