Zum Inhalt springen

Header

Audio
Corona-Tests: Was bildet die Positivitätsrate ab?
Aus 4x4 Podcast vom 28.08.2020.
abspielen. Laufzeit 03:39 Minuten.
Inhalt

Positivitätsrate bei Corona Wissenschaftsredaktorin: «Virus breitet sich wieder stärker aus»

Die Erfassung der genauen Corona-Lage ist äusserst komplex und trotz steigendem Wissensstand über das Virus ist noch viel unbekannt. Ein oft genannter Wert ist die so genannte Positivitätsrate, also der Anteil positiver Tests. Isoliert sage der Wert aber kaum mehr aus als die blanken Fallzahlen, erklärt Wissenschaftsredaktorin Katrin Zöfel.

Katrin Zöfel

Katrin Zöfel

Wissenschaftsjournalistin

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Katrin Zöfel ist Wissenschaftsredaktorin bei SRF. Sie ist Biologin und versucht zu verstehen, wie die Wissenschaft helfen kann, Antworten auf gesellschaftlich wichtige Fragen zu finden.

SRF News: Wir haben einfach mehr Fälle, weil auch mehr getestet wird. Stimmt das?

Katrin Zöfel: Die Idee liegt auf der Hand, sich so rauszureden. Es wäre ja schön, wenn der Anstieg der Coronazahlen nur mit der intensivierten Testaktivität zu erklären wäre. Zahlenmässig werden tatsächlich mehr Tests gemacht als noch vor ein paar Wochen. Deshalb findet man auch mehr Fälle. Aber es sind nicht so viel mehr Tests, und doch steigen die Zahlen merklich von Woche zu Woche. Es ist klar. Das Virus breitet sich wieder stärker aus.

Am Anfang der Pandemie wurden nur Risikogruppen und schwere Fälle getestet. Mittlerweile wird bei fast allen auch mit leichten Symptomen ein Abstrich gemacht. Lassen sich die Zahlen überhaupt noch vergleichen?

Die Zahlen vom Frühjahr lassen sich tatsächlich nicht so einfach mit jenen von heute vergleichen. Es ist zum Beispiel klar, dass die Dunkelziffer damals viel höher war und die realen Zahlen damit auch höher waren als die gemessenen. Entsprechend ist die Dunkelziffer jetzt niedriger. Aber es ist auch klar, dass man nach wie vor viele Fälle übersieht. Denn auch wenn jetzt viele, die es wollen, einen Test bekommen, gibt es immer noch viele da draussen, die gar nicht zum Test aufgefordert werden und auch nicht von sich aus zum Test gehen.

Neben den Fallzahlen wird gerne die die Positivitätsrate herangezogen. Vor zwei Monaten lag sie noch bei unter einem Prozent, aktuell bei über 3 Prozent. Ist sie ein geeignetes Mittel zur Lagebeurteilung?

Die Positivitätsrate ist ein weiteres Indiz. Sie sagt vor allem etwas darüber aus, wie gut man das Geschehen mit der aktuellen Teststrategie abbildet. Eine hohe Positivitätsrate deutet darauf hin, dass man mehr Fälle übersieht. Bei einer niedrigen Rate ist das Bild, dass die Fallzahlen abbildet, genauer. Laut WHO ist das Bild bis zu einer Rate von fünf Prozent korrekt. Die Schweiz lag im Früjahr über diesem Wert, momentan liegt sie darunter.

Für sich allein genommen ist auch die Positivitätsrate nicht unbedingt aussagekräftiger als die blanken Fallzahlen. Eine Zahl, die ich in der jetzigen Lage aussagekräftig und wichtig finde, ist die Verdoppelungszeit. Also der Zeitraum, den es braucht, bis aus 100 Fällen 200 Fälle werden. Im März dauerte es dafür nur Tage, momentan sind es drei Wochen. Das spricht dafür, dass die Situation jetzt noch nicht so dynamisch ist.

Das Gespräch führte Valerie Wacker.

SRF 4 News, 31.08.2020, 06.15 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

165 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Klaus KREUTER  (SWISSKK)
    Es ist eben so dass man die Wahrheit nur schwerlich findet. Besorgt muss man sein wenn man die Statements der Pathologen liest.
  • Kommentar von Detlef Brügge  (Useful)
    @EstherJ.
    Machen wir einen kleinen Umweg über die Fakten. PubMed, eine weltweit akzeptierte Datenbank für medizinische Publikationen, listet gerade jetzt 33195 Publikationen zum Thema Corona auf-seit Pandemiebrginn=184/Tag. Welche hätten Sie denn gerne ?
  • Kommentar von Thomas Müller  (Mue)
    "Entsprechend ist die Dunkelziffer jetzt niedriger..."
    Die Argumentation von Frau Zöfel auf diese Aussage hin, ist mir nicht klar. Kann mir jemand helfen?
    Wichtig für mich, weil ich von den Wissenschaftsredaktoren SRF enttäuscht bin. Ich finde, es wird nicht genug auf das korrekte Verwenden von Sprache geachtet und die Aussagen werden zuwenig mit Studien hinterlegt. Wissenschaftlern stände es gut an, öfter zu sagen, dass man nichts weiss, sondern nur Schlüsse zieht. Es gibt nicht DIE Wahrheit.
    1. Antwort von Stefano Mader  (Stefano Mader)
      Es wird mehr getestet. Es wird dank Contact Tracing und Ferienrückkehrer gezielter getestet. So werde Fälle gefunden, die vorher in der Dunkelziffer verschwanden. Also aus dem Dunkel ans Licht gezogen. Das Dunkel (D) wird so kleiner und das Licht (L) grösser. Somit wird die Dunkelziffer (DZ) kleiner. DZ = D/(D+L).
    2. Antwort von Detlef Brügge  (Useful)
      @Mue
      Lieber Herr Müller,
      da sind wir ja schon zu Zweit. Eine Dunkelziffer ist etwas, was man nicht weiss-sonst wäre es ja klar. Wie eine Dunkelziffer, also eine Schätzung, sinken soll, ist mystisch.