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Protest gegen Haftbedingungen Häftlinge besetzen stundenlang Gefängnistrakt in Bellechasse FR

In der Strafanstalt Bellechasse im Kanton Freiburg besetzten Dutzende Insassen stundenlang einen Gefängnistrakt und prangerten ihre Haftbedingungen an. Ein Überblick.

Das ist passiert: Im Gefängnis Bellechasse im Kanton Freiburg ist es Anfang der Woche zu einem gewalttätigen Aufstand gekommen. Dutzende Insassen besetzten während mehrerer Stunden ein Gebäude, wie RTS berichtete. Mit Unterstützung der Kantonspolizei konnte die Lage unter Kontrolle gebracht werden. Verletzt wurde laut den Behörden niemand. Sie sprechen von einem beispiellosen Vorfall.

Der Aufstand: Als die Häftlinge am Montagabend um 19 Uhr wieder in ihre Zellen zurückkehren sollten, weigerten sie sich und verbarrikadierten sich in einem Trakt des geschlossenen Vollzugs. Für rund drei Stunden hielten sie das Gebäude besetzt. «Die Inhaftierten verhielten sich äusserst aggressiv gegenüber den Justizvollzugsbeamten vor Ort, begingen Vandalismus und sprachen zudem schwere Drohungen aus», sagte Didier Page, stellvertretender Generalsekretär der Justiz-, Sicherheits- und Sportdirektion, gegenüber RTS. Das Gefängnispersonal wurde daraufhin zurückgerufen. Mithilfe der Freiburger Kantonspolizei konnte die Situation gegen 22 Uhr entschärft werden.

Auslöser der Proteste: Die Insassen wollten laut RTS mit dem Aufstand gegen ihre Haftbedingungen protestieren. Sie kritisieren insbesondere die überhöhten Kosten für Telefonate und zusätzliche Lebensmittel sowie die restriktiven Besuchsbedingungen. RTS konnte mit einem ehemaligen Bellechasse-Häftling reden. Er sagt: «Die Gefangenen werden jeden Tag gedemütigt, wie kleine Kinder behandelt und verachtet. Das macht sie wütend und sie wollen sich rächen.» Werde sich nichts ändern, gehe es so weiter, bis irgendwann wirklich etwas Schlimmes geschehen werde.

Zweistöckiges Gebäude mit rotem Dach neben grauem Gebäude, Bäume im Vordergrund.
Legende: In der Strafanstalt Bellechasse besetzten Dutzende Insassen stundenlang einen Gefängnistrakt und prangerten ihre Haftbedingungen an. KEYSTONE/Peter Klaunzer

Das sagt die Sicherheitsdirektion: Zu den Vorwürfen hat die Behörde schriftlich Stellung genommen und schreibt gegenüber RTS: «Bezüglich der Kritik an den Sicherheitskontrollen bei Bewegungen innerhalb der Anstalt [...] sind wir der Meinung, dass die Sicherheit innerhalb der Anstalt Vorrang vor dem Gefühl übermässiger Kontrolle der Häftlinge hat.» Didier Page sprach gegenüber RTS von einem beispiellosen Vorfall. «Ein Ereignis dieser Grössenordnung hat es in Bellechasse noch nie gegeben.» Die Häftlinge würden nun von der Leitung der Freiburger Haftanstalt befragt.

Aufstand vor zwei Jahren: Der Aufstand vom Montagabend ist nicht der erste in Bellechasse. Im Juni 2023 weigerten sich rund 40 Häftlinge, zur Arbeit zu gehen und reichten eine gemeinsame Petition mit zehn Forderungen bei der Gefängnisleitung ein. Auch damals bemängelten sie die Besuchsbedingungen und die Preise für Lebensmittel. Zudem sprachen sie von nicht gewährten Freigängen und verweigerter medizinischer Versorgung. Im November 2025 schickten rund 30 Insassen einen weiteren Brief an den zuständigen Staatsrat Romain Collaud. Darin erneuerten sie ihre Beschwerden. Laut Didier Page werde das Schreiben derzeit überprüft und die Leitung der Freiburger Haftanstalt (EDFR) arbeite daran, bestimmte Haftbedingungen für die Insassen zu verbessern.

53-Millionen-Ausbau der Strafanstalt Bellechasse

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Im vergangenen September hat der Kanton Freiburg einem Kredit in Höhe von 53.1 Millionen Franken für den Ausbau der Strafanstalt Bellechasse zugstimmt. Die Kapazität des Gefängnisses soll nun von 200 auf 290 Plätze erhöht werden. Durch den Ausbau von Bellechasse kann das Zentralgefängnis in der Stadt Freiburg geschlossen und alle Gefangenen können künftig am gleichen Standort untergebracht werden. Das Zentralgefängnis in der Freiburger Unterstadt war veraltet und genügte den heutigen Anforderungen nicht mehr.

RTS Forum, 4.2.2026, 18 Uhr ; 

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