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Der Magnet-Roboter gegen Depressionen: Eine neue, noch zu neue Therapieform?
Aus Regionaljournal Aargau Solothurn vom 30.11.2020.
abspielen. Laufzeit 07:10 Minuten.
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Psychiatrie Mit dem Roboter gegen Depressionen

Die Psychiatrischen Dienste im Aargau bieten eine neue Therapie an. Eine, die von den Krankenkassen nicht bezahlt wird.

Er sieht aus wie der Behandlungsstuhl beim Zahnarzt, der Sessel in der Praxis von Maxim Zavorotnyy. Anstelle der Zahnarztlampe befindet sich über dem Stuhl aber ein Roboter-Arm, an dem eine schwarze Metallplatte befestigt ist. Darin befinden sich Magnetspulen. Zavorotnyy ist denn auch kein Zahnarzt, sondern Facharzt für Psychiatrie bei den Psychiatrischen Diensten Aargau (PDAG) in Brugg-Windisch.

Der «Roboter-Arm» ist eine neue Anschaffung der PDAG. Die Magnetspule wird an den Kopf der Patientin gelegt und kann gewisse Teile des Gehirns stimulieren. «Das Frontalhirn liegt relativ oberflächlich. Die gestörte Aktivität kann in Richtung Normalität beeinflusst werden», so Zavorotnyy. Diese Methode wird «repetitive transkranielle Magnetstimulation» genannt.

Gegen Depressionen und Suchtkrankheiten

Vor der Behandlung wird genau abgeklärt, welche Region des Gehirns behandelt werden muss. Die Behandlung besteht aus mehreren Sitzungen zu je 20 Minuten. Die Patienten verspüren dabei ein leichtes Kribbeln. Die Stimulation geschieht in mehreren kurzen Schüben.

Mann mit weisser haube unter schwarzem Gerät.
Legende: ZVG/Axilum Robotics

Die transkranielle Magnetstimulation (TMS) wird vor allem zur Behandlung von Depressionen eingesetzt. Auch bei den Psychiatrischen Diensten im Aargau wurde sie dafür angeschafft. Es gebe aber auch vielversprechende Daten zum Einsatz bei Suchterkrankungen, erklärt Maxim Zavorotnyy. «Wir testen auch, ob wir in diesem Bereich das Gerät einsetzen könnten.»

Bei den PDAG steht das modernste Gerät, das auf dem Markt erhältlich ist. Es seien weltweit erst gerade 15 dieser Geräte im Einsatz, so Zavorotnyy. Die Magnetspulen sind robotergesteuert. Der Roboter stellt sicher, dass immer nur ein genau definierter Bereich im Hirn behandelt wird, auch wenn der Patient den Kopf bewegt. Die Behandlung sei kein Allheilmittel, sagt Zavorotnyy. Sie werde in Kombination mit anderen Therapien eingesetzt.

Zu teuer, zu wenig wirksam?

Das Problem beim neuen Roboter in Brugg-Windisch: Die Krankenkassen bezahlen seinen Einsatz nicht. Die transkranielle Magnetstimulation ist nicht auf der Liste der abgegoltenen Leistungen der Grundversicherung. Der Bund sehe die Wirksamkeit bis jetzt nicht als erwiesen an, heisst es beim Krankenkassenverband Santésuisse.

Es gebe aber Anzeichen, dass die Methode vor allem bei schweren Depressionen hilft, bei der andere Therapien nicht anschlagen. Eine erneute Prüfung durch den Bund wäre deshalb aus Sicht von Santésuisse wünschenswert. Das zuständige Bundesamt schreibt auf Anfrage, die teure Therapie werde nicht bezahlt, weil der Einsatz und die Wirksamkeit noch zu wenig erforscht seien.

In der Schweiz schon ziemlich verbreitet

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Die transkranielle Magnetstimulation (TMS) wird bereits in einigen Schweizer Kliniken angewandt oder zumindest erforscht. Unter anderem auch an den Universitätsspitälern Bern und Zürich sowie in öffentlichen Spitälern in Luzern, St. Gallen oder Genf. Zudem gibt es private Anbieter.

Auf dieser Liste, Link öffnet in einem neuen Fenster einer Handelsfirma für TMS-Geräte sind rund 35 Adressen aufgeführt, die sich – zumindest für Forschungszwecke – mit der neuen Methode befassen.

Die PDAG setzen den neuen Roboter deshalb vor allem bei stationären Patienten ein. Für diese erhält die Klinik eine Pauschale pro Fall und kann deshalb eigenständig über die Therapiemethode entscheiden. Anders als bei ambulanten Patienten, welche nicht pauschal abgerechnet werden.

Die Psychiatrischen Diensten Aargau seien eine der grössten psychiatrischen Kliniken der Schweiz und müssten deshalb alle Behandlungsmöglichkeiten anbieten, meint Maxim Zavorotnyy. Das sei wichtig für die Aussenwirkung. «Wir sind eine moderne Klinik und wollen deshalb auch moderne Therapien anbieten.»

Regionaljournal Aargau Solothurn, 30.11.2020, 17:30 Uhr;

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Niklas Kochsiek  (SoSo_)
    Bin fasziniert :)
    Danke für den Mut! Es gibt heutzutage immer mehr Therapieansätze für Depressionen (EKT, Ketamin etc.) neben den altbewährten (Psychotherapie, Medis). Daher an alle, welche unter dieser Krankheit leiden:
    Hoffnung nicht aufgeben! Es gibt immer eine Möglichkeit, die Sie noch nicht probiert haben. Das verspreche ich Ihnen
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  • Kommentar von Eva Werle  (Wishbone Ash)
    Teure Apparate-Medizin wird angeboten, aber einfache, günstige Behandlungen mehr und mehr verdrängt. Man schaue sich nur den Zuwachs an unnötigen aber kostspieligen Operationen an. Oder wie oft Kaiserschnitt gemacht wird statt natürlicher Geburt. Es sind nicht die Patienten, die die Kosten in die Höhe treiben. Die würden vermutlich gerne auf unnötige, invasive und belastende Behandlungen mit hohen Nebenwirkungen verzichten, und wären mit konservativen Optionen auf der kostengünstigen Seite.
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    1. Antwort von Andreas Müller  (Hugh Everett)
      Dies Behandlung ist weder Invasiv noch Ist sie eine Operation. Sie hat auch nicht wie Medikamante Nebenwirkungen. Aber Haupsache sie konnten einmal mehr auf die Schulmedizin schimpfen.
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    2. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Wenn ich an einer Depression erkrankt wäre, und die Wahl hätte, würde ich mich für TMS entscheiden. Die sehr starken Medikamente sind für den Körper bestimmt viel schädlicher. Aber das muss der Arzt entscheiden und die weitere Forschung an TMS, für was sie alles eingesetzt werden kann.
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