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Viele Kinder und Jugendliche leiden in der Pandemie
Aus Echo der Zeit vom 05.12.2021.
abspielen. Laufzeit 04:50 Minuten.
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Psychische Probleme und Corona Mehr Kinder in psychischer Not als 2020

Die Kinder- und Jugendpsychiatrien in der Schweiz können keine Entwarnung geben: Die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit psychischen Problemen hat im Vergleich zum ersten Pandemie-Jahr noch zugenommen. Nun verlangen Fachleute, es brauche mehr Sensibilisierung und Geld, um die Probleme anzugehen.

Alain di Gallo ist Klinik-Direktor in der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Uniklinik Basel. Er geht davon aus, dass die Pandemie einen grossen Einfluss auf das psychische Wohl von Kindern und Jugendlichen hat.

Die Kinder spüren das Umfeld, das belastet ist. Sie reagieren nicht selten mit eigenen Symptomen.
Autor: Alain di Gallo Klinik-Direktor Kinder- und Jugendpsychiatrie Uniklinik Basel

Auch Susanne Walitza von der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich sorgt sich: «Wir sehen keine Entspannung.» Im Vergleich zu 2019 hat ihr Team knapp 60 Prozent mehr Konsultationen und knapp 80 Prozent mehr Telefonate geführt. Und: Im laufenden Jahr waren nochmals mehr junge Menschen in Not als 2020.

Mehr Depressionen und Suizid-Gefährdete

Konkret sehen die Fachleute mehr depressive Symptome, einschliesslich Suizidalität, Schlafstörungen, Ängste und Zwangserkrankungen. Kinder- und Jugendpsychiater Alain di Gallo sagt dazu: «Die Kinder spüren das Umfeld, das belastet ist. Und Kinder reagieren sehr stark auf ein beunruhigtes Umfeld, nicht selten mit eigenen Symptomen.»

Wir sehen, dass es den Jugendlichen schlechter geht. Das muss aus meiner Sicht auf die Agenda.
Autor: Susanne Walitza Psychiatrische Uniklinik Zürich

Kinder reagierten vermehrt verhaltensauffällig, werden etwa aggressiv oder hyperaktiv. Bei Jugendlichen stellen die Fachleute eher Depressionen, Suizidalität, Ängste oder Ess-Störungen fest.

Zu wenig Therapieplätze und Fachleute

In der Schweizer Kinder- und Jugendpsychiatrie war das Therapie-Angebot vor der Pandemie schon knapp. Nun haben sich die Wartezeiten nochmals verlängert. Die Fachleute ziehen die akuten Fälle vor und fangen zusammen mit Beratungsstellen auf, was geht.

In der psychischen Gesundheit rächt sich eine aufgeschobene Behandlung mit einer Verschlechterung des Zustandes der Betroffenen. Das hat eine längere Behandlung zur Folge, was sich wiederum auf wartende Kinder und Jugendliche auswirkt.

Mehr Mittel für die psychische Gesundheit

Deshalb kommt in Zürich Klinik-Direktorin Walitza zum Schluss: «Wir sehen, dass es den Jugendlichen schlechter geht. Das muss aus meiner Sicht auf die Agenda.» Sie denkt an die Fakten, aber auch an Sensibilisierung und präventive Massnahmen.

Bei der Stiftung Pro Mente Sana verliert Leiter Roger Staub allmählich die Geduld: «Wir müssten mehr tun als nur kranke Leute behandeln, man muss dafür sorgen, dass nicht noch mehr Leute krank werden. Wir verlangen eine Investition in die Prävention, in die Gesundheits-Förderung, in die Früherkennung und auch in die Therapie.»

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Archiv: Corona stresst – die Psyche leidet bersonders
Aus Puls vom 02.11.2020.
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Mit jedem investierten Präventions-Franken für die psychische Gesundheit liessen sich Gesundheits-Kosten von fünf Franken einsparen, ist Staub überzeugt.

Nächste Woche will das Bundesamt für Gesundheit zum Thema psychische Gesundheit sensibilisieren – mit verschiedenen Beiträgen auf Instagram. Angesichts der Situation in den Kinder- und Jugendpsychiatrien reicht das den Fachleuten nicht.

Echo der Zeit, 5.12.2021, 18 Uhr

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52 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Guten Abend liebe Community. Aufgrund personeller Ausfälle schliessen wir heute die Kommentarspalten verführt. Vielen Dank für Ihr Verständnis und wir würden uns freuen, wenn Sie auch morgen wieder in unseren Kommentarspalten mitdiskutieren. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Roger Stahn  (jazz)
    Es ist ein Paradoxon, auf der einen Seite ist das Bundesamt für Gesundheit, der Bundesrat und Kantone für verschiedene Massnahmen, Regeln und Verbote verantwortlich, die die Eindämmung des Coronavirus zum Ziel vorgeben, und auf der anderen Seite will das Bundesamt für Gesundheit zum Thema psychische Gesundheit – mit verschiedenen Beiträgen auf Instagram – sensibilisieren. Zur Erinnerung: Es ist die Verantwortung von Staaten für den Schutz und das Wohl Minderjähriger (bis 18 Jahre) einzustehen...
  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Da bin ich aber gespannt, wie der BR zur Jugendpsyche sensibilisieren will. Mit Nachdenken zur Impfpflicht, mit Treff-begrenzungen im familiären Rahmen? Oder jedem Jugendlichen eine push-SMS aufs händy mit der Nummer zur Jugendseelsorge?
    1. Antwort von Peter Zurbuchen  (drpesche)
      Es ist aber gar nicht der Bundesrat, der sensibilisieren will, Herr Müller, sondern das BAG. Es steht im Text auch, dass dies mit Instagram-Beiträgen geschehen soll.