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Qualitätssicherung der Medizin «Freiwillige Massnahmen werden von Ärzten nicht umgesetzt»

Legende: Audio Santésuisse-Direktorin Nold: Freiwilligkeit sichert Qualität nicht abspielen. Laufzeit 01:55 Minuten.
01:55 min, aus HeuteMorgen vom 17.01.2019.
  • Der Ständerat diskutiert diese Woche über bessere Möglichkeiten zur Qualitätskontrolle in der Medizin.
  • Nach Ansicht der zuständigen Kommission soll diese Aufgabe offenbar einer privaten Organisation übertragen werden, deren Vorschläge zur Qualitätssicherung eher auf Freiwilligkeit beruhen.
  • Der Nationalrat seinerseits tendiert eher zu einer eidgenössischen Kommission, deren Vorschläge verbindlich sind und auch Sanktionen nach sich ziehen können.

Wer wacht künftig über die Qualität in der Medizin? Wie kann sie gefördert werden, etwa in Spitälern oder bei Ärztinnen und Ärzten? Der Nationalrat möchte dafür eine eidgenössische Kommission mit entsprechenden Befugnissen.

Knackpunkt Sanktionen

Heute und morgen Freitag stellt sich nun die zuständige Kommission des Ständerats diesen Fragen. Und da kommen neue Ideen auf. Ein Knackpunkt: Sanktionen – ja oder nein?

Wie gut also ist eine Behandlung im Spital oder in der Arztpraxis? Wenn es nach dem Bundesrat und den Kantonen geht, muss endlich etwas gehen, um die Qualität in der Medizin zu fördern und zu sichern.

«Teilweise schlecht koordiniert»

Michael Jordi, Zentralsekretär der Konferenz der Gesundheitsdirektionen erklärt: «Wir haben heute zwar Qualitätsbemühungen in allen Bereichen, aber sie sind schlecht koordiniert.» Es gebe nach wie vor Leistungsbereiche, in denen eine stärkere Qualitätssicherung nötig sei.

Doch wie diese aussehen könnte, da gehen die Meinungen auseinander: Eine eidgenössische Kommission, wie sie der Nationalrat vorschlägt oder eine neue Idee, wie sie die Kommission des Ständerates neu zur Diskussion stellt?

Die letzten 20 Jahre haben eigentlich ganz klar gezeigt, dass Qualitätsmassnahmen, die freiwillig sind, vor allem von den Ärzten nicht umgesetzt werden.
Autor: Verena Nold:Direktorin des Krankenkassenverbandes Santésuisse

Die Empfehlungen einer eidgenössischen Kommission wären verbindlicher, sind sowohl die Stiftung SPO Patientenschutz und der Krankenkassenverband Santésuisse überzeugt. Dessen Direktorin Verena Nold betont: «In dieser Kommission können Gesundheitsexperten Qualitätsmassnahmen vorschlagen, die dann der Bundesrat verbindlich erklären kann.»

Was der Ständerat nun vorschlage, sei eigentlich eine private Organisation, die auf Freiwilligkeit beruhe. Doch die letzten 20 Jahre hätten klar klar gezeigt, dass freiwillige Qualitätsmassnahmen von den Ärzten nicht umgesetzt würden.

Spitäler gegen Sanktionen

Die Ärztevereinigung FMH äussert sich vorerst nicht dazu. Der Spitaldachverband H+ möchte bei den freiwilligen Massnahmen bleiben. Direktorin Anne Bütikofer will den Spitälern die Wahl der künftigen Qualitäts-Massnahmen lassen: «Wir setzen auf eine Lernkultur der Leistungserbringer und nicht auf Strafen. Wir lehnen deshalb Straf- und Sanktionsmöglichkeiten ab.»

Damit stehen die Spitäler aber alleine. Kantone, beide Krankenkassenverbände und der Patientenschutz setzen sich für verbindliche Vorgaben und somit auch für Sanktionen ein und wollen den Druck so erhöhen.

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Barbara Lampérth (Luk 12/3)
    An alle, die sich der Illusion hingeben, Qualität lasse sich in Zahlen ausdrücken: "Sinnlose Wettbewerbe" von Mathias Binswanger erklärt sehr gut, was die Folgen dieses Irrglaubens sind: Aufgeblasener Bürokratieapparat und immer weniger Zeit für die Kranken, dazu Zermürbung all derer, die gerne, mit Hingabe und gesundem Menschenverstand am Krankenbett arbeite.
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  • Kommentar von Barbara Lampérth (Luk 12/3)
    Erklärung: Mit "Löhne beschränken" meine ich natürlich nicht solche des Pflegepersonals, sondern solche, die das 20-fache dessen überschreiten, was die jüngste Putzfrau verdient. Die Pflegenden und AssistenzärztInnen verdienen wahrhaftig nicht zu viel, vor allem pro Stunde! Wenn ein Krankenkassenboss oder ein Chefarzt z.B. über 600 000.- pro Jahr verdient ist es für mich nicht glaubhaft, dass er seine Arbeit aus Menschenliebe oder Freude macht!
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  • Kommentar von Bruno Hochuli (Bruno Hochuli)
    Freiwilligkeit ist ein Wunschdenken und hat noch nie richtig funktioniert. Nein hier müssen Nägel mit Köpfen gemacht werden. Wie bei jedem Beruf gibt es gute und weniger gute Berufskräfte. Wieso der Ständerat sich dagegen wehrt ist unverständlich und hinterlässt ein komisches Gefühl. (Freundschaftsdienst, Abhängigkeit von Parlamentarier usw.)
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