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Verzicht auf den Familienbesuch in der Heimat?
Aus Rendez-vous vom 07.07.2020.
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Quarantäne für Balkanländer Familienbesuch in der Heimat: Aufschub oder Verzicht?

Viele haben Familienangehörige in Serbien, Kosovo oder Nordmazedonien. Doch eine Reise in die Heimat will gut überlegt sein.

Keine Sommerferien auf dem Balkan, das sei für viele eine Enttäuschung, sagt Arber Bullakaj, der als Achtjähriger aus dem Kosovo in die Schweiz kam und heute als SP-Politiker und Unternehmer im Kanton St. Gallen aktiv ist.

«Die Leute können ihre Familien nicht besuchen. Sie haben sich vielleicht das ganze Jahr darauf gefreut. Nun fällt dieser Plan für die meisten ins Wasser.» Für jene, die schon einen Flug gebucht haben, komme Stress und Ärger dazu. Denn es sei unklar, ob die Flugtickets storniert und rückerstattet werden.

Abreise vorerst verschoben

Kontakt zu halten zur früheren Heimat ist für viele Menschen mit Wurzeln im ehemaligen Jugoslawien wichtig. Aber auf die geplanten Sommerferien werden die meisten von ihnen dieses Jahr wahrscheinlich verzichten. Das beobachtet auch der Sozialarbeiter und Ethnologe Dejan Mikic, der ursprünglich aus Serbien stammt: «Die Leute möchten eigentlich jetzt gehen, in den nächsten Wochen. Sie haben ihre Reisepläne nun aufgeschoben.»

Oft kein Homeoffice möglich

Mikic selber hat ein klein wenig Hoffnung, dass er seine für September geplante Serbien-Reise doch noch antreten kann – aber momentan sieht es schwierig aus. Dass Rückkehrende aus Ländern wie Serbien, Kosovo und Nordmazedonien zehn Tage in die Quarantäne müssen, verunmöglicht den meisten eine Reise in diese Länder. Denn gerade die Menschen der älteren und mittleren Einwanderergeneration arbeiten häufig in handwerklichen Berufen, auf dem Bau, in Fabriken, im Supermarkt oder als Busfahrer.

Sie haben keine Möglichkeit, während der Quarantäne von zuhause aus im Homeoffice zu arbeiten. Doch obwohl es wehtut, auf die Sommerferien und den Familienbesuch zu verzichten, zeigen viele Verständnis für die vom Bund verhängten Quarantäne-Massnahmen für Rückkehrer aus diesen Ländern.

So auch Shefqet Cakolli, der ein kleines Taxi-Unternehmen leitet und einen albanischen Kulturverein in Winterthur präsidiert: «Das ist schon korrekt, denn im Moment gibt es dort viele Krankheitsfälle. Das ist ein erhöhtes Risiko, auch für die Schweiz.» Deshalb findet er es vernünftiger, dieses Jahr die Sommerferien in der Schweiz zu verbringen. Denn es sei im gemeinsamen Interesse von allen, die weitere Verbreitung des Coronavirus zu bekämpfen.

Weniger Touristeneinnahmen

Klar ist aber auch: Gerade ein Land wie Kosovo wird es spüren, wenn die meisten Schweiz-Kosovaren dieses Jahr zuhause bleiben. «Das hat auch massive Konsequenzen für die finanzielle Situation des Landes selbst», betont Unternehmer Arber Bullakaj. Denn die Ferienbesucher aus der Schweiz geben auch einiges an Geld aus, etwa in Restaurants oder Einkaufsläden. Und diese Einnahmen werden dieses Jahr im Kosovo fehlen.

Rendez-vous, 07.07.2020, 12:30 Uhr

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29 Kommentare

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  • Kommentar von Lily Mathys  (Alle vergeben)
    Ist eigentlich die Schließung zu Rumänien auch angedacht? Sie haben jetzt täglich ca 600 neue Fälle und ca 30 Tote. Auch wenn es schwer fällt, wir haben die gegenseitigen Familienbesuche momentan sistiert. Gerade in Rumänien brachten die Rückkehrer das Virus mit. Sonst waren die Zahlen von konstant min(!) 200 Fällen und hartem Lockdown nicht erklärbar.
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  • Kommentar von Franco Caroselli  (FrancoCaroselli)
    Wollte auch nach Venedig und konnte nicht. Will auch im Herbst versuchen und vermute, dass es nichts wird. Weil ich einfach den Eindruck nicht los werde, etwas aus zu baden den ich nicht verschuldet habe, sondern paar unverbesserliche, die Aktuell auch in einer Hauptstadt randalieren. Denen werde ich meine Reisebeschränkung vielleicht verdanken müssen. Und alles zuckt mit der Achsel oder macht die Faust im Sack. Grenze setzen? Grenze verstärken? Einreise verweigern?
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  • Kommentar von roland huegli  (Roland Hügli)
    1.-11. Juli Verstorbe in der Schweiz ca. 1570 Personen (BAG Wöchentlich Verstobene)
    Verstorben mit Covid19 1 Personen!
    Einer von 1570 und aufgrund von Corona soll man nicht seine Familie besuchen können, euer Ernst?
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    1. Antwort von Dan Fritsche  (Danfrisch)
      Wie war die Situation im April nochmal? Sie vergessen, dass wir nicht durch 'Magie' auf die niedrigen Zahlen im Juni gekommen sind. Ja, die aktuellen Todesfälle sind nicht dramatisch, aber es braucht nicht viel und die Todeszahlen gehen in die Höhe. Etwas, dass dazu führen könnte ist bspw. Ein Besuch seiner Familie in einem Land mit mehr aktiven Fällen (USA, Schweden, Serbien, usw. sie suchen aus)
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    2. Antwort von Keala Kapuana  (Hawaiian)
      Ich bin voll Ihrer Meinung. Es hat aber keinen Sinn. Die meisten Leute verstehen nicht was hier wirklich los ist.
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